Um der Liebe Gottes Willen

Lokales
Floß
24.11.2014
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Es war weit mehr als nur ein gemütliches Beisammensein im Rahmen eines Frauenfrühstück, das der Evangelische Frauenbund vor kurzem im "Gut Plankenhammer " abhielt. Es war eine Lehrstunde über zwei bedeutende Mystikerinnen.

Pfarrerin Lisa Weniger brillierte mit ihrem großen Wissen über Hildegard von Bingen und Mechthild von Magdeburg. Über 30 Zuhörerinnen hatten sich zu dem Vortrag versammelt. Mystik sei etwas, was es zu erfahren gilt. In den vergangenen 50 Jahren haben die Kirchen die Sehnsucht der Menschen nach eigener Erfahrung erkannt. Mystik gehört längst zum Programm kirchlicher Einrichtungen, Akademien, Einkehrhäuser und Klöster.

Hildegard von Bingen wurde 1098 auf dem Herrenhof ihrer Eltern Hildebert und Mechthild in Bermersheim als zehntes Kind der Familie geboren. Als Jugendliche trat Hildegard dem Benediktinerorden bei. Die Stimme aus dem Himmel forderte sie auf, das Erfahrene öffentlich mitzuteilen. Trotz allen Widerstandes fühlte sie sich beauftragt, die Heilige Schrift auszulegen. Dazu gehörte auch das Vorwort ihres ersten Buches mit dem Titel "Scivias".

Viele Schriften verfasst

Außerdem verfasste Hildegard in den Jahren nach 1150 natur- und heilkundliche Schriften, schrieb Texte für ihre Nonnen und bereicherte die Liturgie durch ihre Liedschöpfungen. Sie predigte in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen. Das war für eine Frau zur damaligen Zeit und in der katholischen Kirche eine Sensation. Hildegard von Bingen starb 1179 mit 82 Jahren.

Bis heute ruft das weitgefächerte Werk der Hildegard von Bingen Erstaunen hervor: Als Theologin und Lieddichterin, als Heil- und Pflanzenkundige, Äbtissin und Bauherrin, als christliche Mystikerin hat sie einen sehr vielfältigen und reichen Schatz an Wissen und Erfahrungen weitergegeben.

Etwa 30 Jahre nach dem Tod von Hildegard im Jahre 1210 wurde auf einer Burg in der Nähe von Magdeburg das Mädchen Mechthild geboren. Sie erfuhr mit etwa 12 Jahren Gottes Gegenwart zum ersten Mal in einem mystischen Erlebnis. Auch sie gehörte zu einer adeligen Familie, kehrte der Welt des Adels aber mit 20 Jahren den Rücken. Sie ging "um der Liebe Gottes Willen" in die Stadt nach Magdeburg, heiratete nicht, wurde aber nicht Nonne in einem Kloster. Sie wurde Begine.

In ihren Begegnungen mit den Armen, Kranken und Sterbenden sah es Mechthild nicht nur als ihre Aufgabe an, körperliche Wunden zu heilen, sondern auch geistlichen Zuspruch zu geben. Im Kloster Helfta verstarb Mechthild von Magdeburg 1282 mit über 70 Jahren.

So wie viele weitere Mystikerinnen des Mittelalters brauchten Hildegard von Bingen und Mechthild von Magdeburg großen Mut, über ihre Gotteserfahrungen zu sprechen und sie aufzuschreiben. Das Misstrauen und die Anfeindungen, die sie erlebten, machten es ihnen schwer, ihren Weg zu gehen. Weil sie jedoch erfahren hatten, dass Gott selbst sie auf diesen Weg geschickt hatte, weil sie sich von Gott beauftragt und bekräftigt fühlten, haben sie sich nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil, sie haben nicht nur den Herren damals, sondern der Welt bis heute gezeigt, wie begabt sie mit Gotteserkenntnis und theologischen Verstehen waren, mit Sprache und Wissen, mit Kraft und Liebe.

Verbundenheit mit Gott

Hildegard von Bingen und Mechthild von Magdeburg zeigen uns, dass die Frömmigkeit der Mystik zwar in der inneren Verbundenheit mit Gott ihren Grund hat, dass diese Frömmigkeit aber nicht in sich selbst und nur bei sich bleibt, sondern sich anderen zuwendet: den Kranken, den Notleidenden, den Sterbenden und Trauernden. Und sie zeigen uns, dass wir uns auch ruhig mehr trauen dürfen", schloss Pfarrerin Weniger.
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