Unmoral und Habgier

Lokales
Floß
29.06.2015
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"Wir bitten dich, Herr: Wandle in Segen, was uns ängstigt und beschwert. Wie die Früchte des Feldes gedeihen unter Sonne, Wind und Wolken, lass auch uns reifen für deine Ernte." Auf der Wiese im Zentrum von Haupertsreuth feierten über 200 Gläubige ein eindrucksvolles Glaubensbekenntnis.

Der Abendgottesdienst auf dem Land ist für die evangelische Gemeinde St. Johannes Baptista längst zum festen Bestandteil der Jahresveranstaltungen geworden. Die Dorfgemeinschaft zeigte sich als prächtiger Gastgeber.

Präparanden und Konfirmanden wanderten zusammen mit Pfarrerin Lisa Weniger nach Haupertsreuth. Auf dem Anger war ein Freialtar aufgebaut. Haupertsreuth war bestens gerüstet für diesen besonderen Gottesdienst, den der frühere Pfarrer Klaus Stolz eingeführt hatte. Um die Musik kümmerte sich der Kirchenchor unter Leitung von Kantor Andreas Kunz mit den Liedern "Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen" und "Der Tag mein Gott ist nun vergangen". Der Posaunenchor mit Leiter Wolfgang Lang eröffnete den Gottesdienst mit dem Choral "Meine Zeit steht in deinen Händen". Die Gläubigen sangen eingangs "Lob Gott getrost mit Singen".

Pfarrerin Weniger schilderte den Lebensweg des nach 1370 in Südböhmen geborenen Reformators und Theologen Jan Hus. Schon in seinen ersten Predigten kritisierte er die kirchlichen Zustände, die Unmoral und Habgier des Klerus. Mit drei Reden im Gepäck brach Hus im Oktober 1414 nach Konstanz zum Konzil auf. Seine Reise führte über Böhmen durch die Oberpfalz und Franken.

"Als ich Böhmen verließ, warteten gleich zu Anfang, noch ehe ich nach Bärnau kam, schon Pfarrer und Vikare auf mich", zitierte Weniger den Reformator. Auch in Neustadt an der Waldnaab wurde er freundlich empfangen und in Weiden begrüßten hunderte von Menschen den Magister aus Prag. Der Weg nach Konstanz führte auch durch das Flosser Amt.

Aus der Reformbewegung, die Jan Hus und seine Mitstreiter ins Rollen gebrachte hatten, entstand die Gemeinschaft der Böhmischen Brüder. Hus wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Vorstellung der neuen zwölf Präparanden war ein weiterer Höhepunkt des Gottesdienstes, der mit dem Lied "Möge die Straße uns zusammenführen" endete. Zu Speis und Trank trug der Posaunenchor schmissige Weisen bei.
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