Vortrag weckt Wanderlust

Gerhard von Kappf (links) nahm sich nach dem Vortrag in der Raiffeisenbank noch viel Zeit für sein Publikum. Bild: mic
Lokales
Floß
07.02.2015
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"Papa spinnt", kommentierten Lukas (10) und Felix (8) die Urlaubspläne des Vaters. Die Skepsis war groß, als Gerhard von Kapff seiner Frau und seinen Söhnen eröffnete, dass es diesmal kein Strandurlaub, sondern eine Alpenüberquerung sein sollte.

Bei seinem Vortrag in der Raiffeisenbank erzählte der Autor des Buches "Mit zwei Elefanten über die Alpen", wie er seine Familie dennoch dazu bewegen konnte, mit ihm 550 Kilometer von München nach Venedig zu wandern. Der Ingolstädter Sportjournalist war auf Einladung der Marktbücherei und der Raiffeisenbank nach Floß gekommen. Bankdirektor Jürgen Schnappauf freute sich über die vielen Gäste, die in dem neuen Vortragsraum Platz genommen hatten. "Heute ist es fast so eng wie in einem Matrazenlager auf einer Hütte", sagte er schmunzelnd.

In knapp zwei Stunden nahm von Kapff seine Zuhörer auf den Weg über die Alpen mit, der oft beschwerlich und anstrengend war. "Natürlich gibt es sehr sportliche Wanderer, die die Strecke auf einmal bewältigen", sagte der Referent. Doch er und seine Familie hatten sich die Tour in drei Etappen vorgenommen. Jedes Jahr in den Sommerferien standen 180 Kilometer an. "Ich wollte in meinem Leben einmal etwas besonderes machen und das auch den Kindern vermitteln."

Persönliche Erlebnisse

Das spürten auch die Zuhörer. Von Kapff präsentierte keinen reinen Reisebericht, sondern ließ sein Publikum an vielen Gefühlen und persönlichen Erlebnissen teilhaben. Sehr bedrückend sei für die Kinder ein Vorfall in der Nähe der Friesenbergscharte gewesen. Eine Holländerin stürzte ab und kullerte vor den Augen der Familie 100 Meter den Abhang hinunter. "Wir alle waren erleichtert, als wir später erfuhren, dass die Frau mit leichten Verletzungen davongekommen ist." Die Zuschauer schmunzelten, als von Kapff von italienischen Ausflüglern erzählte, die sich einen Klettersteig im Sella-Massiv mit Badelatschen vorgenommen haben, und fühlten mit, als nach einem anstrengenden Tag der Weg zur Pizzeria zur Tortur wurde.

Vor allem die vielen Bilder inspirierten die Zuhörer. Das spekakuläre Bergpanorama der Civetta, unaufgeräumte Hüttenzimmer, die Eis schleckenden Söhne, Wegweiser, der Kaiserschmarrn und schließlich der erste Blicks aufs Meer begeisterten das Publikum.

Ein Mann aus Vohenstrauß bedankte sich nach dem Vortrag beim Referenten: "Durch Sie habe ich den Mut gefunden, mich auf den Weg zu machen." Auch die anderen Gäste waren sehr interessiert, ließen sich Bücher signieren und fachsimpelten mit von Kapff über die 550 Kilometer, die jeden, der sie geschafft hat, sicherlich ein Leben lang prägen.

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Weitere Informationen im Internet: www.muenchenvenedig.com
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