Im Zeichen des Adlers
Floß Vorreiter bei Gebietsreform

Wahrzeichen des Flosser Amtes ist der rote Adler. Er krönt den sogenannten Röhrkasten. Bild: le
Politik
Floß
21.04.2017
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Nach 45 Jahren ist die Eingliederung der früheren sechs Flosser Landgemeinden Bergnetsreuth, Gailertsreuth, Gösen, Grafenreuth, Schlattein und Schönbrunn in den Markt Floß fast ein bisschen in Vergessenheit geraten. Dabei weist sie einige Besonderheiten auf.

Der Markt Floß gehörte mit Weiherhammer zu den ersten Gemeinden im Landkreis Neustadt, die am 6. Februar 1972 eine vorgezogene Kommunalwahl durchzogen. Erster Bürgermeister der Großgemeinde mit 16 Räten wurde Fred Lehner. Der Weg zu dieser neuen Ära war indes steinig und erforderte von den Akteuren auch Mut.

"Gesicherte Zukunft - Leistungsfähige Gemeinden": Unter diesem Leitwort standen die Bestrebungen der früheren sechs Flosser Landgemeinden und des Marktes, die 1969 von der bayerischen Staatsregierung angestrebte Gemeindegebietsreform umzusetzen. Ziel war es, die öffentlich geförderte Freiwilligkeitsphase von Zusammenschlüssen, die bis zum 15. April 1971 vollzogen sein musste, auszunützen. Immerhin war von einer staatlichen Förderung von bis zu 500 000 D-Mark die Rede. Da bedurfte es keines staatlichen Hinweises mehr, dass Zusammenschlüsse von Gemeinden ab 1976 kraft Gesetz und damit zwangsweise erfolgen würden. Die Flosser gehörten in dieser Hinsicht zu den Pionieren in der Oberpfalz.

Wegbereiter für die Eingliederung der Flosser Landgemeinden waren die Amtsinspektoren Albert Prölß, Karl Jung und Fred Lehner sowie die Bürgermeister Hans Ruckdäschel aus Floß, Wilhelm Galland aus Gösen und Karl Steinacker aus Schlattein. Die Verwaltungsgemeinschaft der Flosser Landgemeinden bestand zu dieser Zeit schon über 130 Jahre und genoss bayernweit einen guten Ruf für ihre Fortschrittlichkeit.

Unzählige Gespräche und Verhandlungen in München, Regensburg und bei der Rechtsaufsichtsbehörde, dem Landratsamt Neustadt, waren vor der Fusion nötig. Am 11. März 1971 kam es zur ersten gemeinsamen Sitzung der sechs Bürgermeister der Flosser Landgemeinden. Sie lief kollegial ab und ebnete den Weg zur Eingemeindung nach Floß. Der Flosser Marktrat stimmte am 22. März 1971 zu. Den Grundstein für die angestrebte freiwillige Eingliederung legte die gemeinsame Sitzung der sechs Gemeinden am 13. April 1971 mit einstimmigem Beschluss. Am 16. Mai 1971 kam es zu einer Art Volksabstimmung. Die Stimmung war offenbar so wohlwollend, dass nur 16.4 Prozent der Bürger votierten und in jeder der sechs Landgemeinden zustimmten. Der Eingemeindungsvertrag regelte die vom Markt durchzuführenden Maßnahmen und Projekte in den einzelnen Gemeinden. Der Schwerpunkt lag auf dem Straßen- und Wegebau sowie in der Stärkung der Infrastruktur, etwa der Sicherung der Trink- und Brauchwasserversorgung.

Hohe Investitionen


So wurden in den ersten 20 Jahren über 20 Millionen Mark im Flosser Land investiert. Davon haben Bezirk und Landkreis über staatliche Zuwendungen rund 11.5 Millionen gewährt, während der Markt immerhin aus seinen Steuergeldern über 8.5 Millionen aufbrachte.

Zwischen 1. Mai 1978 und 31. Dezember 1979 existierte auf Vorgabe des Gesetzgebers die Verwaltungsgemeinschaft Floß mit Flossenbürg sollte. Doch beide Seiten waren gegen diese Zwangsehe. Unter Ministerpräsident Franz Josef Strauß wurde sie wieder aufgelöst, obwohl der Verwaltungsgerichtshof eine andere Entscheidung getroffen hatte. In der Abschlusssitzung am 21. Dezember hatte Bürgermeister Lehner festgehalten, dass alles, was mit Zwang geschehe, von keiner großen Lebensdauer sei. Die VG Floß-Flossenbürg sei dafür ein Beispiel.

Einst mehr EinwohnerDie Einwohnerzahlen im April 1971: Floß: 2914, Bergnetsreuth 107, Gailertsreuth 161, Gösen 238, Grafenreuth 126, Schlattein 191 und Schönbrunn 437. Die Großgemeinde Floß zählte somit 4174 Einwohner. Heute sind es rund 3500 Einwohner, die in 32 Ortsteilen auf über 51 Quadratkilometern leben. (le)
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