Flosser sagen ihre Meinung
Ortsentwicklung kein Wunschkonzert

Vermischtes
Floß
03.03.2016
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Wir analysieren hier unseren Motor. Wenn man die falschen Entscheidungen trifft, wirkt sich das nachhaltig schlecht aus.

"Das Leben ist kein Wunschkonzert." Mit dieser Binsenweisheit holte Städteplaner Dr. Stefan Leuninger die Flosser zurück auf den Boden des Ortsentwicklungskonzepts. Sprich: Selbst wenn sich fast 300 von 600 Bürgern einen Drogeriemarkt am Ort wünschen, es wird keiner kommen.

Dennoch hatte der Experte Positives zu verkünden. 606 Bürger und damit 38 Prozent der befragten Haushalte haben den Fragenbogen zur Ortsentwicklung zurückgesendet. Als auffällig bezeichnete Leuninger, der die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentierte, die Vielzahl positiver Rückmeldungen.

"Häufig werden Fragebögen genutzt, um mal richtig vom Leder zu ziehen", wusste der Experte und lobte die Flosser: Sehr differenziert und mit vielen handschriftlichen Bemerkungen hätten sie die Bögen zurückgeschickt. Das zeuge von einem "positivem Grundrauschen in der Kommune" - ein Umstand, der die weitere Zusammenarbeit erleichtern werde, prophezeite Leuninger. Denn eines machte der Fachmann klar: Von heute auf morgen werde die Auswertung der Befragung nichts ändern.

Nicht realistisch

"Mit einem Wunschkonzert kommen wir nicht weiter", betonte Leuninger. Das sei zwar schnell geschrieben, nur umsetzen könne man es nicht. So sei zum Beispiel der 272 Mal genannte Drogeriemarkt unrealistisch.

Ein solcher brauche rund 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche und fünf bis sechs Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Für die Ortsmitte der Marktgemeinde definitiv eine Nummer zu groß. Selbst wenn sich ein Unternehmen finden würde, das auf der grünen Wiese investiere, helfe das bei der angestrebten Belebung der Ortsmitte nicht weiter. Die Stadtentwickler plädieren dagegen dafür, das bestehende Nahversorgungs-Angebot zu hegen und zu pflegen.

Ärzte/Bildung/Gastronomie

Überaus zufrieden sind die Flosser mit dem Zustand ihres Kreislehrgartens, der ärztlichen Versorgung, den Kirchen und den landschaftlichen Reizen. Weniger begeistert sind sie vom Angebot der Erwachsenenbildung. 45 Prozent bezeichnen diese als ausreichend oder als mangelhaft. 64 Prozent fällen dieses Urteil über die Gastronomie vor Ort. Nach fehlenden Geschäften gefragt, nannten 79 Personen Cafés oder Bistros, 34 eine Eisdiele.

Verkehr/Leerstände

Ganz oben bei den negativen Punkten steht der Bereich "Durchgangsverkehr/Verkehrschaos/Lkw". 75 Prozent bezeichnen die Parkmöglichkeiten als ausreichend oder mangelhaft. Beim Lastwagenverkehr sind es 84 Prozent, die eine Vier oder Fünf vergeben. "Das ist wirklich ein ganz dickes Brett, das wir bohren müssen. Das ist eine beinharte Nuss", bremste Leuninger Hoffnungen auf eine baldige Besserung. Unzufriedenheit herrscht auch beim Erscheinungsbild alter und leerstehender Häuser. 87 Teilnehmer nennen verfallene Häuser und 84 Personen Leerstände besonders negativ.

Einzelhandel

Abgesehen vom Drogeriemarkt wurde das Angebot des Einzelhandels besonders positiv bewertet (55 Nennungen). Erstaunlich nannte Leuninger, dass relativ viele Güter des täglichen Lebens vor Ort gekauft werden. 60 Prozent suchen mindestens einmal wöchentlich, 31 Prozent täglich ein Flosser Geschäft auf. "Das zeigt eine hohe Bindung zum Ort."

Wohnen

Im Bereich Wohnen herrscht ebenfalls Zufriedenheit. Nur zwischen 13 und 17 Prozent bezeichnen das Angebot an Bauplätzen, Häusern oder Wohnungen als mangelhaft. Allerdings haben auch nur rund zehn Prozent in den vergangenen Jahren nach Wohnraum gesucht. 81 Prozent leben schon länger als 20 Jahre in der Gemeinde. Kamen dennoch Antworten, wurden Mehrgenerationen-Wohnen, Wohngemeinschaften für Alte oder Wohnprojekte für Alleinerziehende am häufigsten genannt.

Die Ergebnisse seien in das Ortsentwicklungskonzept eingeflossen. "Wenn man es zusammenfasst, ist es eigentlich ein Zehn-Jahres-Programm, das sich die Kommune aufgibt", resümierte der Städteplaner."
Wir analysieren hier unseren Motor. Wenn man die falschen Entscheidungen trifft, wirkt sich das nachhaltig schlecht aus.Armin Betz, Beratungsgruppe Ortsentwicklung

Es freut einen, wenn die positive Entwicklung in den letzten Jahren hervorgehoben wird.Bürgermeister Günter Stich
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