Flosser verabschieden Pfarrerin Lisa Weniger
Ab sofort wird’s Weniger

Pfarrerin Lisa Weniger (rechts) war überwältigt. Viele Flosser wollten sich am Sonntag von ihr und ihrem Mann Santtu (stehend, rechts) verabschieden. Bild: mic
Vermischtes
Floß
19.09.2016
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Die Flosser stehen Schlange, um Pfarrerin Lisa Weniger die Hand zu schütteln oder sie noch einmal fest zu drücken. Alle, die an diesem Nachmittag im Gemeindehaus Abschied nehmen, bedauern sehr, dass die Pfarrerin und ihr Mann St. Johannes Baptista verlassen.

"Wir hätten Sie gerne noch ein bisschen behalten", sprach Bürgermeister Günter Stich allen aus der Seele. Vertrauensmann Werner Bock, der nach dem Gottesdienst den Reigen der Grußworte eröffnete, erinnerte an die viele Dinge, die die Pfarrerin in den sechseinhalb Jahren angestoßen und verwirklicht hat. Er nannte die Kindergartenerweiterung, die Sanierung der Sakristei und den Einbau einer neuen Heizung im Gemeindehaus.

Flosser Federvieh


Auch die Ökomene sei ihr immer sehr wichtig gewesen. Lisa Weniger habe sich für den Simultankirchenradweg eingesetzt und den "grünen Gockel" unterstützt. "Jetzt gibt es neben der Kroua, noch weiteres Federvieh in Floß", sagte er schmunzelnd. "Wir werden Sie immer in guter Erinnerung behalten", versprach der Vertrauensmann. Er forderte die Gemeinde auf, nicht zu trauern. "Wir sollten dankbar sein, dass wir sie haben durften."

Die Pfarrerin erzählte in ihrer Predigt aus der Zeit vor ihrer Konfirmation. Damals habe sie darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen und sich nicht konfirmieren zu lassen. "Glaube lässt sich nicht durch Vernunft erklären", sagte sie. "Manchmal muss man einfach hineinspringen." Vor 25 Jahren hat sie sich schließlich auf den Glauben eingelassen. "Und ähnlich wie damals sind auch mein Mann und ich in Floß in die Verantwortung hineingesprungen. Und ihr habt uns aufgefangen". machte sie der Gemeinde ein dickes Kompliment.

Dekan Wernrich Slenczka unternahm zunächst einen Ausflug in die Welt des Sports: "Am Ende zählt immer der Sieg", behauptete er. Doch zum Glück sei dies in der Kirche nicht so. "Wir kennen das Ergebnis nicht." Eine Predigt könne wie ein Samen verborgen im Acker liegen. Slenczka bescheinigte der scheidenen Pfarrerin, viele Spuren hinterlassen zu haben. Bei der Entpflichtung legte der Dekan Lisa und Santtu Weniger die Hände auf und bat um Gottes Segen. "Wir geben Sie frei. Vielen Dank für alles, was Sie geleistet haben."

"Time to say goodbye"


Zusammen mit den abschließenden Grußworten dauerte der Gottesdienst knapp zwei Stunden. Der Posauenchor, die Kirchenspatzen, die Arche Musica und der Kirchenchor sangen und spielten mit Inbrunst. Emotionen weckten auch Sophia Scherm und Andreas Kunz mit "Time to say goodbye".

Zur Feier waren nicht nur sämtliche Pfarrer aus der Region gekommen, sondern auch die Familie und Freunde aus dem Raum Nürnberg, wohin das Pfarrersehepaar nun wieder zurückkehren wird. Die Kirche war voll wie nie, und auch im Gemeindehaus drängten sich die Leute. Bürgermeister Stich überreichte die Silbermünze des Marktes und im Namen von Harald Meierhöfer zwei große Fotografien. Die eine zeigte eine Panoramaaufnahme von Floß, die andere (für Santtu) ein Porträt seiner Frau. Weitere Geschenke gab's vom Kirchenvorstand und allen kirchenlichen Gruppen sowie von Pfarrer Herbert Sörgel im Namen der Nachbargemeinde Flossenbürg.

Pfarrerin Weniger hatte bereits in der Kirche allen, die sich in irgendeiner Form engagiert hatten, gedankt. "Es war in Floß immer leicht, aufeinander zuzugehen." Eine jedoch freute sich wie ein Schneekönig, dass Lisa Weniger ins Frankenland zurückkehrt. "Ich bin froh, wenn ich meine beste Freundin wieder habe", verriet Timea Teleki.
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