Keine Chlorhühner auf dem Teller
81. Bauern-Aschermittwoch in Floß

Erstmals ging der Bauern-Aschermittwoch in der Flosser Mehrzweckhalle am Vormittag über die Bühne. Rund 150 Besucher informierten sich über TTIP. Bilder: Götz (2)
Vermischtes
Floß
11.02.2016
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Die Bauern sind verunsichert. Die Preise für Milch und Schweinefleisch sind im Keller, der Getreidepreis ist abhängig vom Öl. Und jetzt kommt auch noch TTIP.

Das umstrittene Freihandelsabkommen mit den USA ist ein heißes Eisen - auch für die Landwirtschaft. Das zeigte sich beim 81. Bauern-Aschermittwoch in der Flosser Mehrzweckhalle. Gut 150 Besucher wollten wissen, auf was sie sich einstellen müssen.

Guido Seedler vom Deutschen Raiffeisenverband machte gleich deutlich, dass die Unsicherheit Sorgen und Ängste schüre. Er wolle sich daher in seinem Vortrag an Fakten halten. Derartige Abkommen seien nichts besonderes. So sei der Warenaustausch in der EU bereits mit 154 von 190 Staaten vertraglich geregelt.

Nicht einmal fünf Prozent des bei TTIP seit Juli 2013 zwischen der EU und Amerika verhandelten freien Warenverkehrs betreffe die Landwirtschaft. Drei Viertel der deutschen Agrarexporte blieben in der EU. Der deutsche Agararhandel belaufe sich auf 66 Milliarden Euro. Davon fielen lediglich 1,6 Milliarden auf Geschäfte mit den USA, sowohl im Export als auch im Import. Für den Export der Europäer interessant seien Olivenöl, Wein, Käse und Obst. Für die Deutschen wären lediglich hochveredelte Produkte wie Käse und Wein sowie Obst lukrativ. Umgekehrt wollten die USA vor allem Futtermittel und Fleisch ausführen.

Deutsches Getreide hat nach Angaben Seedlers derzeit keine Chance auf dem US-Markt. "Einzige Ausnahme sind die 55 000 Tonnen Roggen für den Whiskey "Jack Daniel's". Die kommen alle aus Deutschland und der EU."

Klarer Auftrag


Chlorhühnchen, Hormonfleisch, Genfood: Seedler ist fest davon überzeugt, dass diese Produkte nicht auf deutschen Tellern landen werden. Dafür gebe es ein eindeutiges politisches Mandat: "Die EU darf diesen Importen aus den USA nicht zustimmen." Europäische Schutzstandards würden nicht aufgegeben. Der Jurist machte aber deutlich, dass auch bei uns längst Salat auf den Tisch komme, "der Chlorwasser gesehen hat". Er warb um mehr Verständnis für die Amerikaner und führte den VW-Abgas-Skandal an. "Der Europäer sagt, er hat sehr hohe Standards, und dann kommt so etwas raus."

In der Diskussion teilte Seedler nicht die Ansicht des Flossers Rainer Bock, TTIP werde schnell kommen, weil Europa unter Zugzwang stehe. Wegen der Präsidentenwahlen rechnet der Experte nicht vor 2020 mit einem Inkrafttreten. Auch die Bedenken von Helmut Ott aus Grub, Amerika werde der Profiteur sein, teilte der Referent nicht. Es gebe Schieds- und Investitionsgerichte.

BBV-Kreisobmann Josef Fütterer monierte die in Amerika notwendigen Einfuhrlizenzen. Der Weidener Ulrich Keltsch vertrat die Ansicht, dass Russland und die USA Europa als "lästigen Kropf" klein halten wollten. Ein Studierender der Höheren Landbauschule befürchtete, dass TTIP nur als Paket verhandelt und Amerika nicht kompromissbereit sein werde. (Hintergrund)
Der Agrar-Außenhandel ist wichtig. Aber die USA stehen nicht in der vordersten Reihe.Guido Seedler
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