Nicht schlecht, Herr Specht
Vogel klopft Löcher in die Rathaus-Fassade

Der Specht liebt energetisch sanierte Fassaden. Sie klingen hohl und erinnern den Vogel an Baumhöhlen. Bild: Landesbund für Vogelschutz
Vermischtes
Floß
17.05.2016
599
0

Immer wieder klopft er Löcher in die Fassade. "Seit wir das Rathaus energetisch saniert haben, kommt der Specht jedes Jahr", seufzt Bürgermeister Günter Stich. Doch nun hat sich ein Starenpärchen in einer der Aushöhlungen eingenistet.

Für Kommunalpolitik interessiert er sich nicht, dennoch fühlt sich der Specht im Rathaus wohl. Der Vogel klopft solange ein Loch in die Wand, bis er hineinschlüpfen kann. Das ist natürlich ärgerlich", sagt der Rathauschef. "Wir haben das Gebäude schließlich für viel Geld saniert."

Das Flosser Rathaus ist kein Einzelfall. Christoph Bauer, Leiter der LBV-Bezirksgeschäftsstelle in Regenstauf, weiß, warum der Specht energetisch sanierte Fassaden liebt. "Auf der Suche nach einem geeigneten Nest klopft der Vogel die Wände ab. Klingt es dahinter hohl, glaubt er eine Baumhöhle gefunden zu haben und macht weiter."

Frühzeitig stören


Bauer empfiehlt, den Specht frühzeitig zu stören. In der Fachsprache heißt das vergrämen. "Man kann Flatterbänder oder CDs aufhängen, auch wenn's nicht schön aussieht", schmunzelt er. Eine Möglichkeit wäre auch noch, die Ecken und Kanten des Gebäudes mit Plexiglas abzudecken. "Vielleicht auf 30 bis 50 Zentimeter Schenkellänge. Dann findet der Vogel keinen Halt mehr an der Wand."

Sollte der Specht schon brüten, muss man warten, bis die Jungtiere ausgeflogen sind. Laut Bauer könnten die Löcher im Spätsommer wieder zugemacht werden.

Mit dieser Prozedur sind die Mitarbeiter im Rathaus bestens vertraut. Da sich die Spechtlöcher nur an Plätzen befinden, die sich nicht mit einer Leiter erreichen lassen, muss jedes Mal eine Hebebühne geordert werden. "Nur so können wir die Löcher mit Bauschaum auffüllen."

Bürgermeister Stich berichtet von drei Stellen. An der Ecke über der Zahnarztpraxis, hinter dem Gebäude Richtung Kirche und über dem Sitzungssaal neben dem Blitzableiter. Diese Aushöhlung scheint der Specht nun untervermietet zu haben. Seit einiger Zeit nutzt ein Starenpärchen das Fassadenloch als Nest. Die Eier sind schon ausgebrütet, denn die Eltern fliegen im Minutentakt Futter heran.

Anwohner dürfen schlafen


Wo sich der Specht momentan herumtreibt, ist nicht klar. Denn mittlerweile können die Anwohner wieder ausschlafen. Noch vor einigen Wochen klopfte der muntere Vogel bereits um 5.30 Uhr an das Metall der Sirene, die auf dem Alten Pflegschloss steht. "Der Specht nutzte die Sirene als Verstärker", vermutet Stich. Die Antwort kam meist prompt. Auf der Sirene des Feuerwehrhauses saß ein zweiter Vogel, mit dem der Rathaus-Specht kommunizierte.

Allen Bauherrn, die sich im Vorfeld informieren möchte, welche Dämmstoffe für Spechte uninteressant sind, rät der Experte vom Landesbund für Vogelschutz zu Ziegelsteinen, die mit Dämmung aufgefüllt sind. "Das ist auch ökologisch sinnvoll und verleitet den Specht nicht."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.