Pfarrerin Lisa Weniger referiert über Konfessions-Konflikte
Viele Jahre Streit im Simultaneum

Eines der vielen Streitpunkte in der Geschichte des Simultaneums: Die Darstellung des Heiligen Geistes durch die Taube. Bild: le
Vermischtes
Floß
12.12.2015
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Bis 1912 bestand das Simultaneum im Flosser Amt. In seiner 360-jährigen Geschichte kam es dort zu Auseinandersetzungen, über die man heute nur noch schmunzeln würde. In ihrem Vortrag beim Katholischen Frauenbund erzählte Pfarrerin Lisa Weniger davon.

Die Auflösung des Simultaneums l909 wurde beschlossen, berichtete Weniger. Die evangelische Gemeinde, die in der Simultankirche blieb, sollte die katholische ausbezahlen. Allerdings sei den Katholiken zugestanden worden, alles mitnehmen zu dürfen, was nicht niet- und nagelfest war. So befindet sich heute etwa der Akanthusaltar aus der Simultankirche als Seitenaltar in der katholischen Kirche.

Am 1. Dezember 1913 sei schließlich der notarielle Vertrag über die Auflösung des Simultaneums abgeschlossen worden. Aus der räumlichen Trennung und Distanz heraus konnten sich die Gemeinden im Laufe der letzten Jahrzehnte neu begegnen und aufeinander zugehen. "Ich bin sehr erleichtert und froh, dass ich solche Kämpfe heute nicht mehr austragen muss. Zusammen mit dem katholischen Pfarrer kann ich für unseren christlichen Glauben einsetzen", resümierte Weniger die heutige Zusammenarbeit der beiden Gemeinden. Im Laufe ihres Vortrags präsentierte sie einige Beispiele für Auseinandersetzungen zwischen den beiden Glaubensgemeinschaften.

Streit um die Taube


Einen besonders schweren Streit, der sogar bei Gericht landete, habe es um die Darstellung des Heiligen Geistes gegeben, die im Deckengewölbe von St. Johannes Baptista befestigt ist. Vor der Auflösung des Simultaneums sei die Taube noch nicht festgenagelt gewesen. Sie konnte zum Pfingstfest an einem Seil herunter gelassen werden - zum Zeichen der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Gläubigen. Aus Erzählungen gehe hervor, dass die Katholiken die Taube als losen, unbefestigten Gegenstand mitnahmen, die Evangelischen die sie aber behalten wollten. In einer Nacht- und Nebelaktion hätten sie die Taube zurückgeholt und im Deckengewölbe ihrer Kirche befestigt.

Langwierig sei der Streit um den Durchgang zu einem der beiden Pfarrgärten gewesen. Bei der Einführung des Simultaneums war dem evangelischen Pfarrer ein Garten zugeteilt worden, zu dem er Zugang hatte, solange er den Pfarrhof bewohnte. Der katholische Pfarrer verweigerte dem evangelischen Kollegen jedoch den Durchgang durch den katholischen Pfarrgarten.

Diskussion um Kalender


Ebenfalls uneinig waren sich beide Konfessionen über die Frage, nach welchem Kalender gefeiert werden sollte. Die Lutheraner hielten sich an den alten, julianischen Kalender, die Katholiken folgten dem neuen, gregorianischen. l655 beschlossen Philipp Wilhelm von Neuburg und Christian August von Sulzbach den neuen Kalender für alle Simultanen geltend zu machen. Angeordnet wurde auch, dass sich die Evangelischen während der Fronleichnams-Prozession aller öffentlichen Arbeiten enthalten sollten. Es sei vorgekommen, dass sie Mistwägen ausgerechnet vor dem Fronleichnamszug auf die Straße kippten.

Konfessionelle Streitereien hörten in Floß auch in den Wirtshäusern nicht auf. 1730 erließ die Regierung das Gebot, nach dem dort über religiöse Themen nicht mehr geredet werden dürfe.
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