Schattentheater mit Dalal Makari-Pausch
Gewalt beherrscht den Kopf

Es war ein intensiver Abend: Dalal Makari-Pausch erzählte von Leid, Terror und Tod in einem Land, in dem vor einigen Jahren die Menschen noch in Frieden leben konnten. Bilder: nm (2)
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Floß
12.10.2016
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Arabisches Schattentheater ist eine Männerdomäne. Dalal Makari-Pausch beschäftigt sich dennoch mit dieser Form der Kunst. Wie intensiv und eindrucksvoll sie das macht, zeigte sie in der Kalmreuther Kulturwerkstatt.

(nm) Makari-Pausch ging es nicht nur um künstlerische Aspekte. Am Herzen lagen ihr die Situation in ihrer syrischen Heimat. Mit einfachen grafischen Mitteln machte sie auf Terror, Gewalt und den allgegenwärtigen Tod aufmerksam: Leid und Sterben nicht als anonymes Geschehen, sondern als brutale Gewalt, die oft genug den Kindern die Jugend oder gar das Leben raubt.

Eindrucksvoll gestaltete sie den Blick in den Kopf eines Betroffenen. Dort zeigten sich in Form einer Kette aus Gedankensplittern Szenen mit Menschen auf der Flucht. Die Beweggründe dafür zeigten sich als Umrisse von Soldaten oder Panzern auf dem weißen Laken. Ebenso intensiv: Der grausame Alltag wird zwischen Trümmern dargestellt, mit dem Tod der über allem schwebt.

Ergänzt wurde das Schattenspiel mit einfühlsam ausgewählter Musik und mit den von Doris Zimmermann vorgetragenen Texten der Künstlerin, sparsam und passend platziert. "Die Welt beweint die Toten", das mutete allerdings fast schon zynisch an. Den Schlusspunkt setzte ein Kaleidoskop bewegter Lichter, in das die Zuschauer ihre eigenen Gedenken hineininterpretieren konnten.

Dann stockte den Gästen der Atem. Makari-Pausch verwandelte sich in eine zweite Person. Sie ließ eine syrische Frau erzählen: "Ich bin zu euch gekommen, um von einer Geschichte zu berichten. Es geht um das Leben der Menschen, die sich in einem kleinen Boot hinaus auf das Meer wagen. Dabei kann ich nicht einmal schwimmen. Bitte rettet mich."

Warum jemand ein solches Wagnis auf sich nimmt, wurde schnell deutlich: "Mein Sohn starb, weil nichts mehr da war. Nichts zu essen, keine Medikamente, nicht einmal ein Schluck dreckiges Wasser." Den Ehemann traf eine Kugel in den Kopf: "Ich gebe euch mein Gedächtnis und meine Geschichte. Erzählt weiter, was mit den Menschen passiert. Erzählt aber auch davon, dass es einmal das Land Syrien und die Stadt Damaskus gab, in denen Liebe und Hoffnung blühten."

Dalal Makari-Pausch wurde 1969 in der syrischen Hauptstadt Damaskus geboren. Seit der Jahrtausendwende lebt sie in Bayern und ist in Weiden verheiratet. Für Auftritte ist die Schattentheaterspielerin, Künstlerin, Autorin und Journalistin rund um den Erdball unterwegs. Hinzu kommen Besuche bei Hilfsprojekten. Aktuell laufen Vorbereitungen für ein Engagement in Marokko. Gestärkt werden soll die Stellung der Frauen in der Gesellschaft.
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