Wirbel um eine Fußgängerampel
Nicht alle sehen rot

Die einen finden sie gut, die anderen regen sich darüber auf. Die Fußgängerampel, die derzeit in der Freiherr-von Liechtenstern-Straße steht, spaltet die Flosser. Bild: le
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Floß
07.06.2016
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Die Fußgängerampel, die seit vergangener Woche in der Freiherr-von-Liechtenstern-Straße steht, erregt die Gemüter. Die Gegner machen ihrem Unmut an Stammtischen und in Internet-Foren Luft. Viele Senioren können die Aufregung nicht verstehen: "Für ältere Leute wäre die Ampel eine gute Sache."

Montag, kurz nach 11 Uhr: Ramona Achatz aus Flossenbürg hat gerade den Knopf an der Ampel gedrückt und wartet, dass die Autos stehenbleiben. Die 58-Jährige muss sich auf einen Stock stützen und kann nicht ganz so schnell die Straße überqueren. "Für mich wäre es sehr schön, wenn die Ampel fest installiert werden würde", erzählt sie, während sie auf den Linienbus wartet. Wenig später überquert Ludwig Weiß die Fahrbahn an der Ampel. Der Mitterteicher fährt ebenfalls Bus, allerdings will er in die andere Richtung. "Die Ampel finde ich gut", sagt der 75-Jährige, der gelegentlich Bekannte in Floß besucht. Auch Horst Bieber (85) aus Flossenbürg freut sich über die Möglichkeit, gefahrlos über die Straße zu kommen: "Endlich wird mal etwas getan." Ihn ärgern vor allem die vielen parkenden Autos. "Und wenn noch ein Lkw hält, sieht man gar nicht mehr, ob ein Auto kommt."

Der Seniorenbeauftragte Erich Schieder nimmt die Probleme der älteren Generation ernst. "Die Leiterinnen der Flosser Seniorenclubs sind an mich mit dem Wunsch nach einer Querungshilfe herangetreten", erzählt er. Wartende hätten sich im Bushäuschen untergestellt, seien bei starkem Verkehr aber nicht rechtzeitig über die Straße gekommen und hätten so den Bus verpasst. "Es muss irgendetwas geschehen, aber ich habe eher an einen Zebrastreifen gedacht."

Fachleute raten davon aber ab. Die Abteilung Verkehrswesen im Landratsamt Neustadt beruft sich auf eine Empfehlung des Innenministeriums, die Ampeln den Vorrang gibt. "Ein Zebrastreifen bietet nicht genügend Sicherheit", erklärt Pressesprecherin Claudia Prößl. Vor allem junge Schüler würden hier über die Straße gehen, ohne vorher mit dem Autofahrer Sichtkontakt aufgenommen zu haben. Auch die beiden Bushaltestellen könnten Probleme bereiten. Eine Fußgängerampel käme dagegen älteren Leuten und Kindern sehr entgegen.

Inge Ettl, die weder zur einen noch zur anderen Zielgruppe zählt, hat nichts gegen die Ampel. "Ich denke, man sollte es erst einmal probieren, dann kann man urteilen", sagt die Flosserin, die am Montag ihre Besorgungen im Markt macht. Anita Feiler, ebenfalls auf dem Weg zum Einkaufen, gibt zu, dass die Ampel noch ein wenig ungewohnt ist. "Ich habe sie noch nicht genutzt, doch wenn ich gehbehindert wäre oder kleine Kinder hätte, wäre ich auch froh darüber."

Für viele Facebook-Nutzer zählen diese Argumente nicht. 63 Einträge gab es dazu auf der Seite "Flosser Marktgeschehen". Bis auf wenige Ausnahmen ereiferten sich die User, sprachen von einem "Schildbürgerstreich", "Schwachsinn", "Schmarrn" und "Krampf". Die meisten befürchten durch die Ampel noch mehr Stau oder haben Angst, dass in der Freiherr-von-Liechtenstern-Straße ein paar Parkplätze wegfallen könnten.

Zweiter Bürgermeister Oliver Mutterer kann die Befürchtungen verstehen. "Unsere Geschäfte leben davon, dass die Leute schnell mal anhalten." Auch ihm wäre ein Zebrastreifen lieber. Josef Lindner, Inhaber des Lebensmittelladens "Beierschmid", zuckt mit den Schultern. "Wir müssen die Erprobungsphase abwarten." Die fehlenden Parkplätze stören ihn weniger. "Wir sind froh, dass es vor unserem Laden jetzt eine Kurzparkzone gibt und die Dauerparker endlich weg sind."

ProbebetriebVier Wochen lang dauert der Probebetrieb der Fußgängerampel. Dann werden die Ergebnisse ausgewertet. Die Daten sollen Aufschluss geben, wie oft und wann die Straße überquert wird. Erst dann fällt die Entscheidung, ob der Markt in der Freiherr-von-Liechtenstern-Straße eine festinstallierte Fußgängerampel bekommt oder nicht. Wenn ja, müssen die Gehsteige abgesenkt und die Bushaltestellen um ein paar Meter verlegt werden. (mic)


Endlich wird mal etwas getan.Horst Bieber (85)
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