Schwer auf Draht
Nexans Autoelectric feiert 50-jähriges Bestehen

Es begann mit Großstädtern: Geschäftsführer Klaus Gärtner aus Berlin (Zweiter von links), der Nürnberger Architekt Peter Seiler (Mitte) und weitere Nürnberger Mitarbeiter der Firma Neumeyer gründeten 1966 in Floß ein Zweigwerk der Kabel- und Metallwerke Neumeyer AG.
Wirtschaft
Floß
14.07.2016
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Auch heute noch sieht die Fassade des Firmensitzes fast so aus wie in den Sechzigern. Er wuchs im Laufe der Zeit allerdings um mehrere Anbauten.

Kabelwerk, Kabelmetall, Alcatel, Nexans: Der Name des Unternehmens hat sich in fünf Jahrzehnten öfter geändert. Die Arbeitsprozesse erst recht. Eines aber ist geblieben: Die Produkte waren immer zukunftsfähig. Das soll auch nach der Party zum 50-jährigen Bestehen am Wochenende so bleiben.

Der mit Klinkern verkleidete Flachbau am östlichen Ortsrand von Floß ist zwar rund 12 000 Quadratmeter groß, äußerlich aber eher unscheinbar. Das passt zu dem, was im Innern des weitläufigen Quaders geschieht. Denn Kabelsätze und Komponenten aus dem Hause Nexans Autoelectric sind zwar in jeder Menge Autos, Motorrädern und Lastwagen verbaut, die wenigsten nehmen sie aber bewusst wahr.

Das gilt auch für das jüngste Standbein, die E-Mobilität. In Floß entwickelte Kabelsätze finden sich in Trend-Autos wie dem BMW I 3 und I 8. Das Kundenportfolio liest sich wie ein Who is Who der Kfz-Branche. Nexans Autoelectric ist in ihr eine respektable Nummer. Daimler und General Motors zeichneten die Flosser 2012 bei einem weltweiten Wettbewerb als "Lieferant des Jahres" aus.

Das nächste Zukunftsthema ist bereits in Arbeit: Fahren ohne Fahrer. Es bedeutet, dass die rund 450 Mitarbeiter am Standort immer mehr Verantwortung übernehmen, erklärt Unternehmenssprecherin Maria Schmidt: "Früher haben Kunden noch Blaupausen von ihren Vorstellungen geschickt. Heute vertrauen sie uns die gesamte Serienfertigung von Anfang bis zum Ende an."

Lange Leitung


In den 50er Jahren waren in einem Auto gerade mal 500 Meter Leitungen verbaut, die zu Schaltern und Glühbirnen führten. Heute enthalten Premiummodelle bis zu 5000 Meter Kabel. Dahinter stecken Herausforderungen: Die Stränge sollen möglichst wenig Platz wegnehmen sowie extreme Temperaturen und Fremdfaktoren wie Flüssigkeiten oder Druck aushalten. Am besten bei so wenig Gewicht wie möglich, denn die CO2-Bilanz spielt bei allen Autobauern eine immer wichtigere Rolle.

Die Entwicklung dieser Hightech-Kabelsätze geschieht in jahrelangen Verfahren in Floß. Gefertigt wird an Standorten in Osteuropa sowie Mexiko oder China. Dazu braucht es in der Oberpfalz hochqualifizierte Spezialisten. Nicht zuletzt deshalb kooperiert Nexans mit der OTH Amberg/Weiden. Das Unternehmen finanziert ferner den Masterstudiengang "Physisches Bordnetz" an der Hochschule Landshut mit.

Die Anfänge liegen jedoch ganz woanders. Im Juli 1966 lieferte das Kabelwerk, wie es etliche Flosser noch heute nennen, Drähte für Bügeleisen und andere Haushaltsgeräte. 1967 gründete sich am heutigen Standort eine Zweigstelle der Firma "Kabel- und Metallwerke Neumeyer AG" aus Nürnberg.

Altbürgermeister Fred Lehner erinnert sich: "Es gab Anfang der 60er in der Region Überlegungen, auch andere Industrie als Glas und Porzellan anzusiedeln. Über die Regierung der Oberpfalz bekam Dr. Alexander Meyer aus Nürnberg davon mit. Der hat von der Arbeitskraft der Oberpfälzer geschwärmt und sich dafür eingesetzt, dass Neumeyer nach Floß kam."

Mit bald 250 Frauen und Männern begann die Arbeit für die Automobilindustrie. Bereits 1970 waren an der Vohenstraußer Straße 450 Menschen in Lohn und Brot. Mit Heimarbeitern waren es zeitweise weit über 500. Von 1967 bis 1995 war Klaus Gärtner ihr Geschäftsführer. Er leitete auch die Internationalisierung ein. Die war anfangs schmerzhaft. Die Produktion verlagerte sich Anfang der Neunziger in billigerere Stätten. "Das war nicht schön, aber unumgänglich, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Standort zu erhalten", unterstreicht Maria Schmidt. 1995 schrumpfte die Belegschaft auf 160 Beschäftigte. 1996 übernahmen Dr. Wolfgang Scheideler und Andreas Wolf das Ruder. Sie erweiterten das Produktportfolio und trieben das Wachstum voran. Unter anderem gründeten sie Niederlassungen in den USA und China. Ferner installierten sie die ersten "Resident Engineers", ständige Vertreter bei großen Autobauern.

Wertvolles Patent


2008/2009 wehte der eiskalte Wind der Finanzkrise auch durch Floß. Kurzarbeit verhinderte Entlassungen. Da Strategie und Qualität aber stimmten, ging es bald wieder aufwärts. So hat Nexans Autoelecltric schon 2005 mit einem Autoriesen ein Patent für die Hochvoltverkabelung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen angemeldet. Angedachte Standorte in allen Erdteilen sollen künftige Marktmacht zementieren.

Auf all das stoßen die Mitarbeiter am Samstag bei einem internen Betriebsfest an. Auf große Festakte oder einen Tag der offenen Tür verzichten sie. Irgendwie angemessen für Produkte, ohne die zwar kein Auto fährt, die aber am Steuer oder vom Beifahrersitz aus auch keiner sehen will.

Zahlen und DatenNexans Autoelectric Floß ist ein juristisch selbstständiges Unternehmen innerhalb eines französischen Konzerns. Die Gruppe mit 9500 Mitarbeitern peilt 2016 450 Millionen Euro Umsatz an 25 Standorten auf 4 Kontinenten an. Strategisches Zentrum ist Floß. 1981 wurde das Werk Teil der "Kabelmetal Electro GmbH" Hannover. 1982 erfolgte der Verkauf an "Cables de Lyon", 1991 übernahm Alcatel. 2000 gliederte Alcatel die Kabelaktivitäten aus. Daraus entstand Nexans. (phs)
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