Ausflugsziele in der Region: In Flossenbürg gibt es viel Natur und Kultur
Graniterlebnis pur

Der Flossenbürger Burgweiher. (Foto: Naturpark)
Freizeit
Flossenbürg
09.11.2016
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Die Burgruine Flossenbürg hinterlässt bei jedem Besucher einen bleibenden Eindruck. (Foto: Naturpark)
 
Wer genau hinschaut, kann viele Schönheiten wie etwa den Violetten Feuerfalter entdecken. (Foto: Naturpark)
Flossenbürg: Rathaus | (Mathilde Müllner und Martin Koppmann)

Das Rathaus in der Hohenstaufenstraße 24 in Flossenbürg ist seit ein paar Wochen mehr als nur ein Verwaltungsgebäude. Gelegen am Fuße des Schlossberges mit seiner Burgruine, bietet es nunmehr eine Service- und Infostelle für Naturliebhaber und Erholungssuchende.

Die neue Dauerausstellung bringt hier, thematisch zu den schönsten Granitformationen Nordostbayerns passend, neben den kulturellen Schätzen vor allem die dort vorherrschende lebendige Vielfalt an Fauna und Flora dem Besucher näher. Der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald hat zusammen mit der Gemeinde Flossenbürg bei der inhaltlichen Gestaltung daher ein besonderes Augenmerk auf diesen speziellen Lebensraum Natur gelegt.

So hat sich der Schlossberg seit seiner Ausweisung als Naturschutzgebiet im Jahre 1939 zu einem Geheimtipp für Naturliebhaber entwickelt, wo Pflanzen wahrlich nicht auf Granit beißen. Die offenen Felsen und Magerrasen sind vielmehr Sonderstandorte mit hoher Artenvielfalt und daher von besonderem Interesse für den Naturschutz. Farne, Flechten und Moose geben sich hier ein Stelldichein.
Farne bildeten im Karbon vor etwa 360 bis 300 Millionen Jahren mit Schachtelhalmen und Bärlappgewächsen riesige Wälder und waren Grundlage für Steinkohle-Vorkommen. In der Region gibt es einige dieser Spezialisten, wie den Nordischer Streifenfarn oder Tüpfelfarn – ebenso Engelsüß genannt –, die auch Felsstandorte erobern.

Flechten dagegen sind Erstbesiedler auf blanken Gesteinsflächen. Sie bilden eine symbiotische Lebensgemeinschaft aus Pilzen und Algen und verbreiten sich durch Sporen oder kleine Flechtenstücke, die sich auf rauen Flächen festsetzen. Als Felsenkünstler kommen Polsterkissenmoose am besten mit Trockenheit zurecht – also echte Spezialisten vor Ort. Nicht zu Unrecht zählt der Schlossberg zu einem der schönsten Geotope Bayerns.

Tierisch gut am Fels sind außerdem Kletter- und Flugkünstler wie der Steinpicker. Diese Landschnecke ist durch ihr plattes, gekieltes Gehäuse gut angepasst für den Rückzug in Felsspalten.
Wo diese Leitart für offene Felsstandorte vorkommt, ist auch mit anderen Raritäten dieses Lebensraumes zu rechnen wie etwa der Zauneidechse. Ab Mitte April kann man die prächtig gefärbten Männchen beobachten. Jetzt ist Paarungszeit und die braun gefärbten Weibchen legen bis zu 15 Eier in selbst gegrabene Eihöhlen. Als Sonnenanbeter bevorzugt sie gerne lückigen Bewuchs sowie Hohlräume als Versteck.

Der Schwalbenschwanz ist einer unserer schönsten und größten Schmetterlinge. Bis zu 80 Millimeter Spannweite helfen beim sogenannten Hilltopping, der Gipfelbalz in den Aufwinden (Thermik) des Schlossberges. Auf der Suche nach einem Treff für Sie und Ihn segeln sie immer wieder den Hang hinab, um erneut aufzusteigen und lassen sich dabei gut beobachten.

Die Burg auf dem Gipfelplateau ist nicht nur Wahrzeichen des 1975 gegründeten Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald, sondern der gesamten touristischen Region. Das Burgmodell „Flosserpurg“ anno 1510 stammt von Stefan Krapf aus Flossenbürg und ist das Ergebnis unzähliger Arbeitsstunden. Es zeigt detailgetreu die damals imposante Anlage.

Der Wohnturm auf dem Gipfel diente in den frühen Jahrhunderten als Wohnsitz. Trotz eines offenen Kamins dürfte es dort meist sehr kalt und unangenehm gewesen sein. Um 1250 wurde der komfortablere Palast im inneren Burghof als Wohnung eingerichtet. Daneben fanden sich Kapelle, Vorratskammern, Zisterne sowie Backofen.

Die Versorgung mit Lebensmitteln übernahm ein Bauernhof, der einst auf Höhe des Ortsplatzes stand. Der äußere Burghof blieb zu Verteidigungszwecken ohne Bebauung. War ein Feind eingedrungen, konnte man vom um 1500 erbauten Batterieturm aus den Feind noch im Burghof beschießen.
Der sogenannte Hungersturm diente der Verteidigung des flach abfallenden Geländes auf der Nordostseite. Das Untergeschoss könnte ein Gefängnis gewesen sein, ob es dafür genutzt wurde, ist unbekannt.

Markante Geschichtsdaten über „Flossenbürg in den frühen Jahren“ und „auf dem Weg in die Neuzeit“ vervollständigen die Gesamtpräsentation. Ein digitaler Bildschirm vermittelt in einer Bilderabfolge Impressionen aus dem Naturpark. Viele Anregungen können aus dem reichhaltig vorhandenem Prospektmaterial entnommen werden. Den zeitgleich aufgelegten Flyer gibt es kostenlos dazu. Den sollte man sich auf jeden Fall mitnehmen, denn das Ganze macht so richtig Appetit darauf, anschließend live entdeckt zu werden. Dafür steht seit kurzem der neu angelegte „Weg des Granits“ zur Verfügung.



InformationenÖffnungszeiten des Rathauses ganzjährig:

Montag, 7.30 bis 12 Uhr, 13 bis 16 Uhr, 18 bis 20 Uhr,
Dienstag und Mittwoch, 7.30 bis 12 Uhr, 13 bis 16 Uhr,
Donnerstag, 7.30 bis 12 Uhr, 13 bis 18 Uhr,
Freitag, 7.30 bis 12 Uhr,
Samstag und Sonntag geschlossen.

Öffnungszeiten des Museums:

In der Sommersaison jeweils an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr, außerhalb über die Infostelle im Rathaus.

„Weg des Granits“


1,5 Kilometer lange Route mit vielen Infos

Der neu angelegte „Weg des Granits“ führt rund um das Wahrzeichen des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald. Der circa 1,5 Kilometer lange „Weg des Granits“ zeigt einen imposanten Einblick in die Geschichte des Flossenbürger Granitabbaus.

Beginnend vom Ortsplatz in Flossenbürg führt die Route über den Burgweg hinauf zum Schlossberg. Von da aus geht der Weg, entlang der einzigartigen Granitkuppe, zum Burgweiher mit einem aufgelassenen Steinbruch. Der außergewöhnliche Charakter des Geländes lässt dort das Herz höher schlagen.

Durch Regen und Schnee hat sich ein kleiner See gebildet. Seltene Gehölzkombinationen, Magerrasenflächen und immer wieder atemberaubende Ausblicke auf den zwiebelschalenförmig gelagerten Granit begeistern auf diesem liebenswerten Fleckchen Erde.

Im weiteren Wegeverlauf werden die Gewinnung und Weiterverarbeitung des Granits sowie die dazu notwendigen Werkzeuge und Erzeugnisse gezeigt. Dabei faszinieren die ständig wechselnden Eindrücke. Einzelne Informationstafeln weisen auf die geologischen und botanischen Besonderheiten hin. Der abschließende Besuch im Burg- und Steinhauermuseum vervollständigt schließlich die gewonnenen Eindrücke am Mittelpunkt Mitteleuropas.

Quartett gratisWer bis 31. Dezember 2016 die Naturparkinfostelle im Rathaus in Flossenbürg besucht, bekommt als kleines Dankeschön ein Naturpark-Quartett für die ganze Familie gratis. 32 Motive von Mensch, Tier und Natur ermöglichen einen Streifzug durch die Region.

Dabei kann man spielerisch die Schönheiten von Natur, Kultur und Landschaft vor der eigenen Haustüre entdecken. Jedes Kartenmotiv ist außerdem beschrieben. So ist das Quartett Gedächtnistraining, Fotobildband und Spiel in einem.

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