Ausstellungseröffnung in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Plädoyer für Frieden und Gleichheit

Reli Avrahimi (hinter der Kamera) hat Familien-Szenen festgehalten, die einen realistischen Blick auf den Alltag israelischer Familien und Gesellschaften werfen. Bild: Jörg Otto
Kultur
Flossenbürg
21.06.2016
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Gestern mit dem Heute zu verknüpfen, ist ein Teil der Philosophie der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Mit der Ausstellung "Family Affair" von der Fotografin Reli und dem Journalisten Avner Avrahami eröffnete am Sonntag eine lebendige Dokumentation der israelischen Gegenwart.

Diese Verbindung gelingt ihr außergewöhnlich gut. Die KZ-Gedenkstätte ist ein bedrückender Ort, ein Symbol der Entmenschlichung. Im Ausstellungsraum geht es um ganz Menschliches. Ein erster Blick fällt auf ein geblümtes Sofa, der Fernseher steht gegenüber, ein bisschen spießig, unspektakulär, privat - und damit der perfekte Ort für eines der überlebensgroßen Fotos von Reli Avrahami. Die Texte zu den Bildern hat Ehemann Avner geschrieben.

Normalität abbilden


Die Ausstellung will genau das: die Normalität von Familien und Gemeinschaften abbilden. Trotzdem, oder gerade deshalb, haben die Bilder und Texte eine politische Dimension. Sie plädieren für Frieden, Toleranz und Gleichheit. Für Einwanderer und gebürtigen Israelis, säkularen und religiösen Menschen, Juden, Muslimen und Christen, Arabern und Europäern.

Es geht um Alltägliches. Um Liebe, Wünsche, Glauben, Nationalität, persönliches Glück - um Dinge, die vereinen, aber natürlich auch um Spannungen und Ungleichheit. Etwa 72 Momentaufnahmen, begleitet von persönlichen Informationen zu den porträtierten Menschen. Das Ehepaar Avrahami hat in zehn Jahren ein buntes Kaleidoskop der Israelis kreiert und werfen so ein anderes Licht auf Land und Leute, als es die europäische Nachrichtenlage vermuten lässt.

Tatsächlich ist da viel mehr Raum für unterschiedlichste Lebensentwürfe, Glaubensrichtungen und deren Auslegung. Da ist zum Beispiel die Familie Atamna aus der arabischen Stadt Baqa, die über Israel sagen: "Wir sind zu einem Teil des Landes geworden und befinden uns im Kampf um Bürgerrechte."

Teil des Landes


Oder Russell und Avi Lord Uzari, ein schwules Paar aus Tel Aviv, die sich nach 21 Jahren Beziehung in Toronto das Ja-Wort gegeben haben. "Kanada ist das einzige Land, in dem es möglich ist, als Ausländer zu heiraten, egal welchen Geschlechts." Andere Porträts rücken die chinesischen Bauarbeiten Shu und Tzu, junge Soldaten der Nahal Brigade, die gerade ihre Grundausbildung absolvieren, die Familie Wanneh, die aus dem Sudan eingewandert ist oder die Wohngemeinschaft von Alex Kastin, Roei Ben Daniel und Noa Shapira in den Fokus.

Was als Ausstellung zu sehen ist, ist nur ein Teil der etwa 500 Porträts, die über Jahre hinweg entstanden sind. Reli und Avner Avrahami haben ihre "Family Affairs" als Serie für die Wochenendbeilage der Tageszeitungen Haaretz und Maariv begonnen - und damit Tausende von Menschen erreicht und berührt.

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Weitere Informationen:

www.gedenkstaette-flossenbuerg.de
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