Burg- und Steinhauermuseum Flossenbürg
Harte Sache

Sicherheitsschuhe sehen anders aus: Mit solchen Tretern mussten sich die Steinbrecher zufrieden geben und hoffen, dass ihnen nichts auf die Füße fällt.
Kultur
Flossenbürg
24.06.2016
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Granit besteht aus vielen Schichten. Je tiefer man gräbt, desto besser ist die Qualität, erklärt Reinhard Eismann.

Der Flossenbürger Granit gehört zu den schönsten in der Umgebung: Er ist großporig, verschiedenfarbig und unterschiedlich hart. Im Burg- und Steinhauermuseum finden besondere Stücke des Tiefengesteins einen würdigen Platz.

Größtenteils stammen die Exponate von der Burgruine, dem Wahrzeichen Flossenbürgs. Bei Ausgraben zwischen 1983 und 1995 kamen Funde zutage, die der Nachwelt kostbare Einblicke in die Geschichte und das Leben auf der Burg gewähren. Überbleibsel von Fußböden, Reste der Burgmauer sowie Teile von Tür- und Fenstergewölben lassen erahnen, wie die Burg vor dem Verfall ausgesehen haben könnte.

Die Idee für das Museum stammt von Richard Schedl, der die Ausstellungsräume ehrenamtlich betreut. Der Gedanke daran schwebte dem 81-Jährigen lange im Kopf herum. Die Frage war nur: Wohin damit? Dieses Problem klärte sich, als die alte Poststelle die Silberhüttenstraße 4 verlassen hatte. "Da hat die Gemeinde nicht lange überlegt und das Gebäude für das Museum genutzt", erklärt der Senior. Elf Jahre sind inzwischen vergangen, seit der Traum vom Steinhauermuseum wahr wurde.

Und hier liegen sie nun: Hebewerkzeuge, Bohrkronen, Preller und Schröter, alte Schutzbrillen und Arbeitsschuhe. Alles kleine Schätze, die mehr über das Leben auf der Burg und im Zweiten Weltkrieg erzählen. "Hitler hat hier nämlich ebenfalls Granit abgebaut", weiß der Museumspfleger. Dem 81-Jährigen war das Steinhauermuseum eine Herzensangelegenheit. Nicht nur, weil er Granit interessant findet. "Die Nachwelt soll hier auch erfahren, wie und unter welchen Bedingungen die Menschen früher arbeiten mussten." Das kommt in der Ausstellung auch an: Schautafeln sowie Bilder ergänzen die Exponate und machen sie verständlich.

Gegensätze der Zeit


Zu den Schmuckstücken der Ausgrabungen gehören unter anderem ein Kellergewölbe, Überreste eines Backofens und einer Brunnenanlage sowie ein zusätzliches Eingangstor. "Die Funde hatten wir beim Landesamt für Denkmalpflege in Regensburg eingeschickt. Ein Glück, dass wir sie danach als Leihgaben wieder zurückbekommen." Mit moderner Technik wird Granit inzwischen schnell und beinahe perfekt geformt gewonnen - dem Sprengstoff sei Dank. "Früher mussten die Steinbrecher noch ganze Granitblöcke herausmeißeln." Trotz Werkzeugen wie einem Handschlegel, Schröter oder Stockhammer war das harte Arbeit. Sehen manche Geräte klobig und schwer aus, wundert man sich bei anderen, dass sie mittig nicht durchbrechen. Dazu gehört beispielsweise der Preller: ein dünner Griff, aber großer Kopf. "Der Stiel ist aus Weidenholz, damit er beim Aufprall besser abfedert."

Ab und zu ein Fest


Der Alltag der Steinbrecher war staubig, anstrengend und schweißtreibend. Da war es für sie eine angenehme Abwechslung, wenn sich der Steinbruch mal zum Festplatz verwandelte - wie zum Beispiel am "Blauen Montag". Da hieß es, einen Bierkrug statt Werkzeug in die Hand zu nehmen. "Ja, auch das hat es gegeben", lacht der Museumswärter. Zum Beweis stellt das Museum alte Bierfässer, -krüge und -flaschen aus.

Stücke, die das Museum nicht als Originale beschaffen konnte, stehen ihm als Dauerleihgaben von Bürgern aus Flossenbürg und der Umgebung zur Verfügung. "Auf unsere Aufrufaktion meldeten sich recht viele." Originalgeräte wie Hebemaschinen oder Schleifgeräte stellten Firmen und Granitwerke dem Museum zur Verfügung.

Was die Gemeinde nicht beschaffen konnte, hat sie eben nachgebaut. Wie zum Beispiel den Brunnen, der in der Ecke des Museums steht - genau so, wie er früher den Burghof schmückte. Auf den Eisenhaken für das Seil ist Schedl besonders stolz: "Bei dem handelt es sich nämlich schon um das Original von der Burg."

Wie es früher war


In der Ausstellung steckt viel Herzblut und Arbeit. Es dauerte lange, die Exponate auszuwählen, die Bilder zusammenzutragen und Schautafeln fertigzustellen. Diese Mühen nahm Schedl aber gern in Kauf, obwohl er Schreiner war und mit Gestein beruflich nie etwas zu tun hatte. Von Kindesbeinen an hegte er eine Leidenschaft für Granit, die mit den Jahren immer größer geworden ist. Wie sollte es mit einer Burg direkt vor der Nase auch anders sein. "Die Ruine war sozusagen unser Spielplatz." Wer von früh bis spät seine Zeit dort verbringt, will sie nicht mehr missen.

Noch heute verwenden viele regionale Firmen für ihre Produkte den Flossenbürger Granit. Schedl freut das - es ist ein Stück Geschichte, das so erhalten bleibt. "Dadurch lebt es nicht nur im Steinhauermuseum weiter."

ServiceOrt: Burg- und Steinhauermuseum, Silberhüttenstraße 4, 92696 Flossenbürg, Telefon 09603/1398.

Öffnungszeiten: an Sonn- und Feiertagen von Pfingstsonntag bis zum letzten Sonntag der Sommerferien, jeweils von 14 bis 17 Uhr.

Zusatzangebot: Führungen der Geopark-Ranger beinhalten auch einen Besuch des Burg- und Steinhauermuseums. Die nächste Führung ist am Freitag, 1. Juli.

Weitere Informationen: www..flossenbuerg.de www.geopark-bayern.de/


Die Ruine war sozusagen unser Kinderspielplatz.Richard Schedl, ehrenamtlicher Museumsbetreuer
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