Der Verschwörer als Mensch

In der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg stellten (von links) Pfarrer Herbert Sörgel, Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit, Autor Bernd Setzwein, Regisseur Till Rickelt und LTO-Geschäftsführer Frank Kasch das Bonhoeffer-Theaterprojekt "Später Besuch" vor. Bild: Otto
Kultur
Flossenbürg
26.10.2015
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Aus der Feder von Bernhard Setzwein, inszeniert vom Landestheater Oberpfalz: Das Theaterstück "Später Besuch" über den Theologen und Hitler-Gegner Dietrich Bonhoeffer hat am 9. April 2016 im ehemaligen Offizierskasino des KZ Flossenbürg seine Uraufführung.

Bonhoeffer war im April 1945 noch von den Nazis nach Flossenbürg verschleppt und am 9. April ermordet worden - wenige Tage vor der Befreiung des KZs. Seitdem ist der Theologe Sinnbild für Zivilcourage und festen Glauben. Der Oberpfälzer Schriftsteller Bernhard Setzwein begegnet der Geschichte vom aufrechten Widerständler auf andere Art und Weise als man vermuten könnte. "Ich wollte nicht einfach an einer Legende weiterschreiben, den Stoff nicht allzu dokumentarisch aufbereiten", sagt er. So begegnet in seinem Stück "Später Besuch - Dietrich Bonhoeffer redivivus" der bereits verstorbene Bonhoeffer seinem ehemaligen Zellengenossen Josef Müller im Traum. Mit ihm hat Setzwein eine historische Figur als Widerpart zum evangelischen Bonhoeffers eingesetzt. Müller sei überzeugter Demokrat und Gründer der CSU gewesen.

Teil einer Verschwörung

Im Rededuell der beiden gehe es immer wieder um Konflikte Bonhoeffers. "Er war Teil einer Verschwörung, die zum Ziel hatte Adolf Hitler zu töten. Das steht im Widerspruch zu den Geboten seines Glaubens." Ohnehin geht das Theaterstück über die politischen Grenzen hinaus. Was t ist Moral, wenn es ums nackte Überleben geht, wo bleibt die Menschlichkeit - Antworten gibt es keine. "Ein Theaterstück kann maximal Fragen stellen". Natürlich bekommt der Tod Bonhoeffers in der Gedenkstätte noch ein besonderes Gewicht, erklärt Setzwein. "Ich hoffe ich bin der Bedeutung dieses Ortes gerecht geworden." Gedenkstätten-Leiter Jörg Skriebeleit ist davon überzeugt. Auch weil das Stück sich programmatisch gut in das Konzept der Gedenkstätte einfügt. Die Örtlichkeiten des Bildungszentrums bieten die idealen Bedingungen für den Umgag mit der Geschichte des Ortes. Jetzt gilt es, dies mit Inhalten zu füllen: "Man kann hier Seminare geben, lernen, aber eben auch Theater spielen".

Diese andere Begegnung mit historischen Figuren hält er für nötig. Bonhoeffer sei zu einer Ikone geworden, die mitunter monolithisch wirke. "Man muss so eine Figur auch mal ,gegen den Strich bürsten'. Er war ein Mensch, der Schwächen und Angst kannte." Solche Formate tragen dazu bei, dass diese Thematiken diskursfähig blieben, meint Skriebeleit.

Angestoßen hat das Theaterprojekt der evangelische Pfarrer Herbert Sörgel aus Flossenbürg. Er hatte das Landestheater Oberpfalz (LTO) seinerzeit kontaktiert, eigentlich um über Burgfestspiele zu sprechen. Matthias Winter, dem damaligen Intendanten des Theaters war das zu wenig. Deswegen hatte der vorgeschlagen: "Machen wir doch was über Bonhoeffer".

Fast eine Heiligenfigur

Die Idee gefiel Sörgel. Bonhoeffer sei ein Symbol für Widerstand, ein Held, fast eine Heiligenfigur. Aber Heroen seien immer so weit weg. "Es gibt so viel mehr Helden. Man soll sehen, dass der Verschwörer ein Mensch war. Das muss man sich sagen: Ich bin auch gefragt, zu handeln. Dabei darf ich aber Angst haben, ich darf Fehler machen."

LTO-Geschäftsführers Frank Kasch ist überzeugt, dass selbst nach 70 Jahren der Stoff des Stückes nicht veraltet ist: "Wenn ich mir heute die Nachrichten ansehe, merke ich, dass ist immer noch hochaktuell." Mit der Regie ist der künstlerische Leiter des LTO, Till Rickelt betraut, der sich beeindruckt zeigt, von der hohen Qualität des Manuskripts eines so renommierten Autors.

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