Family Affairs
Neue Ausstellung über israelisches Alltagsleben in der KZ-Gedenkstätte

Gibt es "den Israeli"? Wohl kaum. Die Vielfalt des Lebens in dem multiethnischen Staat am Mittelmeer beleuchtet die Ausstellung "Family Affair" auf faszinierende Weise. Bilder: Jüdisches Museum Hohenems
Kultur
Flossenbürg
28.05.2016
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Seit Jahren ziehen die Wechselausstellungen in der KZ-Gedenkstätte viel Aufmerksamkeit auf sich. Auch die nächste dürfte Ausrufezeichen setzen. Es geht um jüdisches Alltagsleben in Israel.

Die Schau wird am Sonntag, 19. Juni, eröffnet. Sie heißt "Family Affair". Reli und Avner Avrahami, dazu zahlreiche weitere Gäste, haben ihr Kommen zur Ausstellungseröffnung zugesagt. Die Autoren steuerten lange Zeit Fotos und Texte zu Wochenendbeilagen israelischer Tageszeitungen bei.

Mit der Lektüre zogen sie zahlreiche Leser in den Bann und faszinierten mit Geschichten über ihre Landsleute. Da ging es um den Alltag ebenso, wie um Träume, Beziehungen, Glaubensfragen oder Angewohnheiten.

Persönliche Gespräche schufen unter der Überschrift "Family Affairs" die Basis für strukturell gleich aufgebaute Geschichten. Ein Foto und die Wiedergabe der Impressionen bei den Besuchen in den Familien beleuchten das Leben der Mitbürger in ihren vielfältigen Facetten. Hunderte der Geschichten addieren sich zu einem Spiegelbild des Staates Israel zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Ein Querschnitt aus 80 Porträts war Grundlage für eine Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems in Vorarlberg. Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit zeigte sich beeindruckt und holte die Sammlung erstmals nach Deutschland. In Flossenbürg wird sie bis Ende April 2017 in der ehemaligen Häftlingsküche der Gedenkstätte zu sehen sein. Mit den Vorbereitungen ist Julia Zimmermann beschäftigt: "Ich freue mich sehr darauf. Es ist ein Angebot auf hohem Niveau - spannend, unterhaltsam und einfühlsam."

Die Gedenkstättenmitarbeiterin berichtete zudem von Erfahrungen und Zahlen aus zurückliegenden Monaten: "Nach den umfangreichen baulichen und inhaltlichen Maßnahmen zeigt sich, wie sehr sich die Anstrengungen lohnten. Das Interesse nimmt beständig zu. Quantität und Qualität passen."

Starkoch im Café


Eine wichtige Rolle spielt das zum Seminarhaus umgebaute SS-Kasino mit drei Tagungsräumen und Saal im Obergeschoss. Er steht für größere Veranstaltungen zur Verfügung, beispielsweise vor wenigen Wochen für ein Theaterstück zum Leben von Dietrich Bonhoeffer: "Wir werden dem Kulturprogramm auch weiterhin einen hohen Stellenwert einräumen", sagt Zimmermann. Zum Glücksfall entwickelte sich das vom Heilpädagogischen Zentrum Irchenrieth betriebene Museumscafé. Seine Mannschaft ist auch bei "Family Affair" dabei: Ein in Israel berühmter Fernsehkoch wird bei einer öffentlichen Veranstaltung zusammen mit dem Team des Museumscafés am Herd stehen.

Hohe Besucherzahlen2015 kamen 93 000 Besucher in die Gedenkstätte Flossenbürg. Tatsächlich wird sich die Zahl inzwischen im sechsstelligen Bereich bewegen: "36 000 der Gäste nutzen unsere Angebote, von den geführten Rundgängen bis hin zu Seminaren und Vorträgen", sagt Julia Zimmermann. Ihr Respekt gilt vor allem dem Interesse von seiten der Schulen. (nm)
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