KZ-Gedenkstätte Flossenbürg startet neue Buchreihe: "Elf Jahre" von Carl Schrade
Opfergruppen eine Stimme geben

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Kultur
Flossenbürg
19.04.2014
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Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in der Oberpfalz hat eine neue Buchreihe gestartet. Zum Auftakt gibt sie den Bericht des ehemaligen Häftlings Carl Schrade (1896-1974) heraus, der "Elf Jahre", so der Titel, in mehreren deutschen Konzentrationslagern inhaftiert war. Damit werde zum ersten Mal die Stimme eines als "Berufsverbrecher" verfolgten NS-Opfers laut, teilten die Herausgeber am Donnerstag mit. Diese Opfergruppe sei wenig bekannt und bis heute stigmatisiert.

Laut Mitteilung wurde "Berufsverbrechern" in der Nachkriegszeit die Anerkennung als Verfolgte des NS-Regimes verwehrt, da sie weiterhin als "Kriminelle" galten. Zu Lebzeiten habe Schrade auch keine Leserschaft gefunden. Erst 2010 sei sein Manuskript in Frankreich im Nachlass eines Mithäftlings aufgetaucht. Der Autor habe bis 1934 mehrere Haftstrafen wegen Eigentumsdelikten verbüßt. Danach sei er von der Gestapo zur "Kriminalprävention" ins KZ Lichtenburg eingewiesen worden. Über drei weitere Lager sei er schließlich nach Flossenbürg gekommen, wo er mehr als sechs Jahre gefangen gewesen sei.

In der neuen Reihe "Flossenbürger Forum" sollen künftig sowohl wissenschaftliche Arbeiten als auch bisher wenig beachtete Zeugnisse ehemaliger KZ-Häftlinge veröffentlicht werden.

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Carl Schrade "Elf Jahre. Ein Bericht aus deutschen Konzentrationslagern", 336 Seiten, 19,90 Euro, Wallstein-Verlag.
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