Angst und Tod als Alltag

Zusammen mit Jack Terry (vorne, links) legte Altbürgermeister und Fördervereinsvorsitzender Johann Werner (rechts) einen Kranz im "Tal des Todes" nieder: "Ein Ort an dem Schweigen angebracht ist." Bild: nm
Lokales
Flossenbürg
25.04.2015
13
0

Es war eine Stunde der leisen Töne und der Gedanken an eine Zeit des Grauens und der Verzweiflung. Mehr als 40 Überlebende erinnerten am Donnerstagabend in der Kapelle "Jesus im Kerker" an die Befreiung des KZ Flossenbürg am 23. April 1945.

Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit stellte zum Auftakt klar: "Die Erinnerung an das Geschehen vor 70 Jahren ist keine Routine. Es geht um die Toten, um die Überlebenden und um die Verpflichtung für die Zukunft." Damit setzte sich Professor Leszek Zukowski auseinander: "Wir sind die einzigen, die noch Zeugnis geben können, nicht als Ankläger, sondern in Gesprächen mit jungen Leuten." Seine Erinnerungen fasste der ehemalige Häftling aus Polen mit der Nummer 23591 in Worte, die zumindest ahnen ließen, was sich damals abspielte.

Das Lager war mit 16 000 Menschen überfüllt, hinzu kamen Neuankömmlinge aus Buchenwald. Am 20. April 1945 begannen die Todesmärsche. Die SS trieb die Gefangenen in Richtung Süden. Nur rund 1000 Schwerstkranke blieben zurück und wurden drei Tage später befreit. Für alle anderen war der Terror nicht vorbei: "Die vier Kolonnen schrumpften rasch zusammen. Nur ein kleiner Teil überlebte die Torturen. Statistisch gesehen gab es alle 40 Meter einen Erschossenen."

Aus Tschechien war Lisa Mikova gekommen: "Ich war nicht in Flossenbürg, sondern im Außenlager Freiburg. Auch dort gehörten drakonische Strafen, die Angst nach Auschwitz zu kommen und der Tod zum Alltag." Kälte, Schnee und Regen bestimmten den Transport nach Mauthausen. Mit den anderen Frauen kam Mikova dort völlig verdreckt, ausgehungert und verlaust an: "Erst am 5. Mai war es vorbei. Es folgte die Sorge, wie es weitergeht, was aus der Familie geworden ist."

Aleksander Laks, er lebt in Brasilien, wurde im Alter von elf Jahren von den Nazis verhaftet und kam über verschiedene Stationen nach Flossenbürg: "Einen schlimmeren Ort kann ich mir nicht vorstellen. Das verfolgt mich in Alpträumen bis heute." Immer wieder verschlug es Laks die Stimme: "Hier wurde mein Vater von einem Kapo erschlagen. Ich kann es nicht begreifen, dass ein Mithäftling zu so etwas in der Lage war. Mein Vater war Jude, das reichte."

Übereinstimmend erklärten alle drei, dass es nicht um Hass, Zorn oder Rachegefühle gehe: "Unsere Freude ist groß, hier in Flossenbürg Freunde gefunden zu haben." Der Sulzbach-Rosenberger Dekan Karlhermann Schötz forderte auf, die Nummern der Häftlinge beiseite zu schieben: "Heute erinnern wir uns an Menschen, speziell an Männer und Frauen, die im vergangenen Jahr verstarben." Ihnen und allen Opfern galten die Gedanken im "Tal des Todes". Als Vorsitzender des Fördervereins für die KZ-Gedenkstätte brachte es Altbürgermeister Johann Werner auf den Punkt: "Schweigen ist angebracht." Zusammen mit dem Sprecher der ehemaligen Häftlinge Dr. Jack Terry legte Werner einen Kranz an einer der früheren Erschießungsstätten nieder. Ein weiteres Gebinde kam von der polnischen Generalkonsulin Justyna Lewanska. Sie war aus München angereist.

Beim anschließenden Empfang der Gemeinde Flossenbürg zeigten sich zweiter Bürgermeister Thomas Meiler und Landrat Andreas Meier beeindruckt von dem zuvor Gehörten. Umso mehr sei es zu schätzen, Überlebende und Angehörige als echte Freunde treffen zu dürfen. Gleichzeitig sei Flossenbürg längst zu einem besonderen Ort geworden, mit dem Bewusstsein um die Verantwortung für die Zukunft. Musikalisch umrahmten Birgit Neumann und Tabea Meiler die Feierlichkeiten. "Jetzt ist es aber an der Zeit, miteinander anzustoßen", beendete Skriebeleit den offiziellen Teil.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.