"Dich wird die Sonne wärmen"

Neues Leben in einer Welt voller Terror, Leid, Chaos und Tod: Das Engagement im Untergrund war für jüdische Frauen in Polen mit der Hoffnung verbunden, dass kommende Generationen ein von Gott behütetes Leben führen können. Bild: nm
Lokales
Flossenbürg
31.07.2015
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Die Theaterpremiere geriet zu einem Abend der leisen und unter die Haut gehenden Töne. Mit dem Stück "To stand in the Sun" gab es die erste öffentliche Veranstaltung im Saal des neuen Bildungszentrum der KZ-Gedenkstätte. Es ging um junge Jüdinnen im Warschauer Ghetto.

Werner Karg, in der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit unter anderem zuständig für die bayerisch-israelische Bildungskooperation, stellte sein Gespür für den Umgang mit der Gedenkstättenarbeit eindrucksvoll unter Beweis. Für den Donnerstagabend ermöglichte er den Auftritt eines Ensembles vom Ohel-Theater aus der israelischen Stadt Afula. Es war ein Glücksgriff, wie sich an dem Abend vor knapp 100 Gästen herausstellte.

Maayan Avidan, Ortal Arbel und Daniel Herman berichteten auf der Bühne von jüdischen Jugendgruppen in Warschau, deren Engagement die Nazis nicht völlig brechen konnten. Junge Frauen, die nicht als Jüdinnen erkannt wurden und außerhalb des Ghettos lebten, machten es sich zur Aufgabe, ihre Landsleute im Ghetto über Deportationen und Morde zu informieren. Das reichte später bis zum Waffenschmuggel für den Widerstand. Meist stießen die Frauen mit ihren Nachrichten auf Unglauben oder auf Menschen, die derart erschreckende Nachrichten nicht wahrhaben wollten.

Optimistischer Grundton

Wie schwer es gewesen sein mag, das eigene Judentum zu verheimlichen und sich gegenüber der polnischen Bevölkerung nicht zu verraten, führten die drei Schauspielerinnen eindrucksvoll vor Augen. Selbst als eine der Frauen ein Kind zur Welt bringt, ändert das nichts am Willen, den Freunden zu helfen. Gemeinsam stimmen sie ein Lied für eine glücklichere Zukunft des Babys an: "Es gibt einen nächsten Frühling und dann wird dich die Sonne wärmen." Doch es blieb nicht bei der Erzählung eines wichtigen Teils des jüdischen Widerstands während des Zweiten Weltkriegs.

Eine aufrüttelnde Botschaft galt den Menschen der Gegenwart: "Um uns war allgegenwärtiger Tod. Ihr aber habt es in der Hand, Leben und Frieden eine Chance zu geben." Lange anhaltender Beifall galt den Akteuren auf der Bühne und genauso dem nach Flossenbürg gekommenen Autor und Regisseur Omer Bukchin. Er stand im Museumscafé für Fragen zur Verfügung. Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit brachte die Gedanken des Publikums auf den Punkt: "Wünschen wir uns noch viele solche Abende im Bildungszentrum."
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