Für Pflege Geld bei Kindern holen

Das Sozialamt ist gehalten, die Kosten zurückzuholen, mit den erwachsenen Kindern als erste Anlaufstelle.
Lokales
Flossenbürg
12.10.2015
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Zum Thema werden Pflegekosten meist erst, wenn die Frage konkret auftaucht, wer und wie viel für die Eltern beisteuern muss. Mehr zu erfahren gab es bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und beim Männerverein.

KAB-Vorsitzender Franz Völkl erläuterte den 35 Besuchern im Theresienheim die Beweggründe für den Infoabend "Da geistern viele und häufig falsche Vorstellungen durch die Köpfe. Man muss nicht jedes Detail kennen, die wichtigsten Grundzüge sollten aber bekannt sein." Diözesansekretär Markus Nickl nahm sich für den Vortrag und die anschließende Fragerunde ausgiebig Zeit.

"Es geht bei der Pflege von Angehörigen immer um persönliche Schicksale und häufig spielt das Geld eine wichtige Rolle", sagte Nickl. Darüber hinaus seien zwei Rechtsgebiete zu beachten. Vorgaben schaffen die Sozialgesetze und das Bürgerliche Recht. "Neben den diffizilen Bestimmungen existiert eine Vielzahl von Gerichtsurteilen." Hinter dem ansteigenden Stellenwert stecken mehrere Gründe. "Die höhere Lebenserwartung und die steigenden Pflegekosten sind die wichtigsten."

Oft reiche bei den auf Pflege angewiesenen Menschen das Geld nicht, um die Kosten selbst zu tragen. Die Leistungen der Pflegeversicherung genügen in der Regel ebenfalls nicht. Dann springe das Sozialamt ein. "Die Behörde ist aber gehalten, die Kosten zurückzuholen, mit den erwachsenen Kindern als erste Anlaufstelle." Der im Pflegeheim anfallende Aufwand schwanke beträchtlich. "Die Ausstattung des Hauses spielt ebenso eine Rolle, wie die Pflegestufe und vieles mehr."

Wie hoch der von den Kindern zu tragende Anteil ist, ließ sich an dem Abend nicht konkret sagen. Nickl verwies auf die Vielfalt der möglichen Rahmenbedingungen. Beachtet werden muss der für die Pflege anfallende Aufwand, das Einkommen, die Familienverhältnisse, die eigenen Belastungen, vorhandenes Vermögen, Mindestselbstbehalt, sogenanntes Schonvermögen und manches mehr. Auf der Leinwand präsentierte Musterberechnungen führten vor Augen, wie vielgestaltig die Thematik ist und dass jeder Einzelfall anders gelagert ist. "Blinde Vergleiche helfen nicht."

Besser sei es, sich rechtzeitig zu informieren und auf gute Kontakte zu den Eltern und den Geschwistern zu achten. "Ansonsten ist Zoff vorprogrammiert." Vor allem bei nachträglichen Veränderungen kann es leicht zum Streit kommen. "Wenn es gerichtliche Auseinandersetzungen gibt, wird es für jeden alles andere als lustig."

Für nicht einvernehmlich auszuräumende Meinungsunterschiede empfahl Nickl den Rat eines Fachanwalts. "Viele solcher Experten gibt es nicht. Und fragen Sie vorher unbedingt nach den Kosten. Denken Sie aber auch an die psychischen Belastungen." Einer der Zuhörer empfahl schmunzelnd ein Gegenmittel zu Ärger und Kostenbeteiligungen: "Lange leben und gesund bleiben."
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