Keine Floskeln

"Wir können sicher nicht die ganze Welt retten, wir haben aber drei Menschen geholfen", sagte Pfarrer Herbert Sörgel zum Kirchenasyl, das er seit Mai drei Männern gewährt hatte. In seinem Vortrag zur Flüchtlingswelle verzichtete er auf Phrasen und ging klar auf die Problematik ein. Bild: nm
Lokales
Flossenbürg
10.10.2015
15
0

Deutliche Worte zur Flüchtlingsproblematik fand Pfarrer Herbert Sörgel beim Vortragsabend des Frauenbunds. Der Geistliche hatte drei Männern Kirchenasyl gewährt.

"Wir wollen mehr erfahren", erklärte Angela Bauer die Beweggründe für die Zusammenkunft. Pfarrer Sörgel verzichtete im Bonhoefferhaus auf Phrasen und beantwortete die Fragen der Teilnehmerinnen und mit viel Herzblut. Im ersten Teil des Abends berichtete er von zwei Syrern und einem Iraker. Seit Mai wohnen sie im Pfarrhof: "Kirchenasyl ist eine rechtliche Grauzone. Es gab gute Gründe dafür." Die Männer flüchteten über Ungarn und hätten zwangsweise dorthin zurückkehren müssen.

Schon bei der Einreise aus den Heimatländern sei es in Ungarn zu Polizeigewalt gekommen: "Bis hin zu ausgeschlagenen Zähnen." Vor wenigen Tagen gab es erfreuliche Nachrichten. Über die Anerkennungsanträge wird in Deutschland, nicht in Ungarn entschieden - Argument dafür, das Kirchenasyl zu beenden und in die Aufnahmelager zurückzukehren. Sörgel: "Wir können sicher nicht die Welt retten, wir haben aber drei Menschen geholfen." "Werden wir von einer Flüchtlingswelle überrollt?" Die Frage spiegelte die Ängste und Sorgen wider. Sörgel wollte sie nicht einfach vom Tisch fegen. "Wir haben extreme Probleme mit der aktuellen Situation. Dafür gibt es viele Gründe. Wichtig wird es sein, europa- und weltweit zu handeln." Das müsse mit dem Bewusstsein verbunden sein, dass es nicht um eine Entwicklung gehe, die morgen wieder vorbei sei. Sörgel verglich den Strom der Menschen mit der Völkerwanderung. Und die werde anhalten.

Die Gründe dafür reichen lange zurück und bis in die Gegenwart: "Während der Kolonialzeit wurden die Menschen in Afrika ausgebeutet. Die Gier nach Profit beim Handel mit Gold, Kupfer, Diamanten oder Waffen ist nach wie vor Realität." Selbst wenn sich die reichen Länder einig wären, die Lebensbedingungen zum Positiven zu verändern, greife so etwas bestenfalls in Jahrzehnten: "Panzer an den EU-Außengrenzen aufzustellen, ist keine Lösung." Fremden zu begegnen und mit ihnen zu leben, lasse sich aber auch als Chance begreifen: "Blauäugig zu sein, ist jedoch nicht angebracht. Es sind nicht ausschließlich gute Menschen, die kommen. Wir dürfen durchaus deutlich sagen, was wir von einem Zusammenleben erwarten. Und dabei wird es oft genug Ärger geben", sagte der Pfarrer. Eindringlich warnte er vor rechten Parolen. "Auf solchen Quatsch zu hören, hilft keinen Schritt weiter." Vorsicht sei genauso angebracht, wenn die Religion in den Vordergrund gerückt werde: "Das passierte schon oft genug. Nicht weil es um den Glauben ging, sondern meist um ganz andere Aspekte."
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.