Pfarrer Herbert Sörgel kritisiert Äußerungen zum neuen Bonhoeffer-Mahnmal
Kein Mini-Matterhorn

Gesprächsstoff liefert vor der evangelischen Kirche der neue Bonhoeffer-Gedenkstein. Vorgestellt wurde das von Professor Paul Schneider geschaffene Kunstwerk von Pfarrer Herbert Sörgel (links). Bild: nm
Lokales
Flossenbürg
07.11.2014
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"Kunst darf und soll interpretiert werden, allerdings nicht willkürlich." Pfarrer Herbert Sörgel forderte auf, bei dem jetzt vor der evangelischen Pankratiuskirche aufgestellten Bonhoeffer-Gedenkstein moralische Grenzen zu respektieren: "Vergleiche mit dem Matterhorn oder einer Ku-Klux-Klan-Kapuze sind nicht angebracht", kritisiert er die ein oder andere Äußerung.

Im Gottesdienst erinnerte Sörgel an die Hintergründe, die dem Künstler bei der Fertigung des Werks am Herzen lagen und dessen wichtigster Aspekt als Inschrift auf dem Granitblock zu lesen ist: "Wunderbar hast du an mir gehandelt, Bitterkeit in Süße mir verwandelt, lässt mich durch den Todesschleier seh'n, seh mein Volk ich in die Freiheit geh'n." Der Text stammt aus Bonhoeffers Gedicht "Der Tod des Mose". Verfasst hat es der evangelische Pfarrer Bonhoeffer im September 1944 im Gefängnis in Berlin-Tegel.

Wer sich auf den Stein einlassen, ihm zuhören möchte, der solle zumindest ein wenig über Bonhoeffer und über Moses Bescheid wissen, meinte Sörgel. "Beide Männer gehören zu einer Wüstengeneration, leben in einer unsäglich bitteren Zeit. Es ist ihnen nicht vergönnt, das gelobte Land oder Frieden, Freiheit und Menschenrechte selbst zu erleben. So etwas gab es nicht nur in der Vergangenheit. Schauen wir doch in der Gegenwart beispielsweise nach Syrien oder in den Irak", sagte Sörgel. All das ging auch Professor Paul Schneider durch den Kopf, meinte der Pfarrer. Der renommierte Künstler schuf das Denkmal im Frühjahr im Granitwerk Helgert und schenkte es dem Ort und allen Menschen, denen Bonhoeffer etwas zu sagen hat. Sörgel sieht den hellen Granitblock als Symbol für den von Moses bestiegenen Berg Nebu oder auch für ein Zelt, das dem Volk als Unterschlupf bei der Wanderung durch die Wüste dient.

Um den Umzug des Granitsteins vom Firmengelände zur Freifläche vor der Kirche hatten sich Petra Helgert mit German Riedel und Willi Jakob gekümmert. Eingeweiht wird das Mahnmal im Frühjahr. Dann jährt sich der Todestag Bonhoeffers zum 70. Mal. Das Mitglied des militärischen Widerstands wurde am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet.
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