Radikalität der Kirche bewahren

"Den Stein muss man einfach anfassen", zeigte sich Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (rechts) fasziniert vom neuen Bonhoeffer-Denkmal in Flossenbürg. Der Granitblock biete aber auch Halt und Fundament. Bild: nm
Lokales
Flossenbürg
13.04.2015
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Die Mahnungen Dietrich Bonhoeffers in Granit gemeißelt: Zum 70. Todestag des evangelischen Pfarrers enthüllt Flossenbürg einen Gedenkstein. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm würdigt den Pfarrer.

"Dietrich Bonhoeffer hat uns auch heute noch viel zu sagen." Diesen Aspekt rückte der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Sonntag in den Mittelpunkt seiner Predigt: "Vor allem die Forderung, kompromisslos einzustehen für Frieden, für soziale Gerechtigkeit und für Christus."

In dem vom Bayerischen Fernsehen aus der Flossenbürger Pankratiuskirche (Kreis Neustadt/WN) live übertragenen Gottesdienst erinnerte Pfarrer Herbert Sörgel an Stationen Bonhoeffers beim Engagement für den militärischen Widerstand, aber auch an erhalten gebliebene Aussagen aus der Zeit der Haft. Vor 70 Jahren, am 9. April 1945, wurde Bonhoeffer im KZ Flossenbürg ermordet. Bedford-Strohm setzte sich mit der Verbindung Bonhoeffers zur Gegenwart auseinander - und nannte drei Aspekten: "Christsein in der Zukunft heißt Beten, Tun des Gerechten und Warten auf Gottes Zeit. Das hat auch damit zu tun, als Institution Kirche die Radikalität als Zeugin des Evangeliums nicht zu verlieren." Das Schicksal der Menschen in Syrien, im Nordirak oder anderen Krisen-Regionen im Gebet vor Gott zu bringen, bedeute gleichzeitig, sich tatkräftig für ein Ende der Not einzusetzen.

Hände Gottes

Allerdings antworte Gott nicht mit einem magischen Eingreifen: "Wir selbst sind die Hände Gottes. Darauf hat Bonhoeffer eindringlich hingewiesen." Ihm sei es genauso mit zu verdanken, dass die Mehrheit der Bürger neonazistisches Handeln, rechtes Gedankengut oder feige Anschläge nicht hinnimmt: "Sie setzen sich gegen Rassismus und Antisemitismus ein, stehen für Schwache ein, sprechen nicht die Sprache der Gewalt, sondern sind mitfühlend und liebevoll." Seiner Bestimmung übergeben wurde nach dem Gottesdienst der neue, vor der Kirche stehende Bonhoeffer-Gedenkstein. Gestaltet hat den vom ortsansässigen Granitwerk Helgert zur Verfügung gestellten Block Professor Paul Schneider. Der renommierte Künstler aus dem Saarland schenkte sein Werk dem Ort Flossenbürg. Das Denkmal setzt sich mit Bonhoeffers Gedicht "Der Tod des Mose" auseinander. Verfasst hat es der Pfarrer im September 1944 im Gefängnis in Berlin-Tegel.

Schneider, Sörgel, der Neustädter Landrat Andreas Meier, der Weidener Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, zweiter Bürgermeister Thomas Meiler und Landesbischof Bedford-Strohm schilderten ihre Eindrücke und Empfindungen. Verbunden war das mit dem Wunsch, dass sich an zentraler Stelle und mitten im Ort viele Menschen von der Botschaft Bonhoeffers inspirieren lassen.

Festakt zur Befreiung

Für den 26. April ist ein feierlicher Gedenkakt zum 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers geplant, zu dem neben dem Sprecher der ehemaligen Häftlinge, Jack Terry, auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der tschechische Kulturminister Daniel Herman erwartet werden.
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