Steinhartes Dekolleté

Steinhartes Material, verpackt in weichen Formen: Der Frauentorso vereinte beides auf außergewöhnliche Weise. Bild: nm
Lokales
Flossenbürg
19.08.2015
8
0

Von der Muse geküsst und vom Urgestein fasziniert schuf eine Gruppe der Kunstschule Freiburg-Munzingen in Flossenbürg ganz besondere Kunst.

Zwei Wochen ließen sich die zehn Männer und Frauen vom Granit inspirieren. Das Gestein faszinierte die Künstler, wie sie bei der Abschlusspräsentation erzählten.

Mit ungewohnten Klängen begann der Spätnachmittag auf dem Gelände des Plattenbergbruchs der Granitwerke Baumann. Die Teilnehmer nahmen die alte Schmiede in Beschlag und entlockten dem Werkzeug, Eisenteilen und weiteren Requisiten einen Rhythmus, der auf die bevorstehende Stunde einstimmte. Außergewöhnlich ging es auch weiter. Kursleiterin Verena Reimann zitierte passende Verse von Rainer Maria Rilke: "Kunst ist Kindheit."

Weiche Formen

"Zu den vergangenen 14 Tagen gehörten aber auch Sonne, Hitze und viel Freude", lud Reimann zum Spaziergang auf dem Grundstück an der Waldkirchner Straße ein. Die Studenten nutzten die Gelegenheit, den Gästen, unter anderem zweiter Bürgermeister Thomas Meiler, Gedankengänge, Inspirationen und fertige Werke vorzustellen. Das reichte von der extrem schmalen und zerbrechlich wirkenden menschlichen Figur ("aber auf einem festen Sockel") bis hin zum weiblichen Torso. Der sollte vor Augen führen, dass sich die Härte des Granits und weiche Formen nicht ausschließen. Andere Künstler ließen der Fantasie freien Lauf. Eine Stele mit der Flex bearbeitet, mit Muschel und Eisen verziert, zählte ebenso dazu wie die "Spuren auf dem Pflaster" oder die in Stein gefasste spirituelle Verbindung von Flossenbürg mit dem Heimatland Japan. Ein mächtiger, grün angemalter Granitblock provozierte fast schon: "Warum soll man einen Stein nicht farbig gestalten dürfen. Auch das ist ein künstlerisches Mittel."

Harte Arbeit

Die Studenten, zwei haben bereits den Abschluss geschafft, machten aber beim Seminar trotzdem mit, rückten mit ihren Arbeiten heuer die Gestaltung von Räumen und Flächen in den Mittelpunkt. Reimann sparte nicht mit Lob: "Sie haben das auf faszinierende Weise und manchmal mit überraschenden Mitteln bewältigt. Gleichzeitig lernten sie den Granit und seine Eigenschaften kennen." Verbunden war das mit harter körperlicher Arbeit. Impressionen dazu gab es auch beim Abstecher zu den im Steinbruch beschäftigten Leuten: "Über deren Leistungen kann man nur staunen." Wenn irgendwie möglich möchte Reimann mit Studenten aus dem Breisgau auch im nächsten Jahr nach Flossenbürg kommen: "Ich hoffe, dass uns die Granitwerke Baumann dieses zauberhafte Gelände wieder zur Verfügung stellen." Tatkräftige Hilfe für die berufsbegleitende Exkursion kam zudem von Horst Frank, Otto Käs, Hannelore Hopf, vielen weiteren Baumann-Beschäftigten und vom Granitwerk Helgert. "Es ist beeindruckend, wie viele Leute täglich bei uns vorbeischauten und nicht mit Rat und Tat geizten. Die herzliche Aufnahme im Ort ließ vieles leichter fallen", dankte Reimann.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.