Tief bewegt nach Hause

Lokales
Flossenbürg
28.04.2015
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Es war ein Abend der leisen und lauten, der fordernden, anklagenden und nachdenklich stimmenden Lieder. "Dietrich Bonhoeffer - Ein Leben" stand über dem Oratorium, das der katholische Kirchenchor Floß begleitet von einem Instrumentalensemble in Flossenbürg aufführte.

Pfarrer Herbert Sörgel erinnerte am Samstag in der evangelischen Pankratiuskirche an den 70. Todestag des Theologen und Widerstandskämpfers. Er wurde am 9. April 1945 im KZ erhängt: "Am 23. April jährte sich zusätzlich die Befreiung des Lagers zum 70. Mal. Nehmen wir uns Zeit für Gedanken zu beiden denkwürdigen Ereignissen. Dazu wünsche ich uns einen guten und gesegneten Abend." Den erlebten die zu wenigen Zuhörer tatsächlich, auf eindringliche Weise und hohem künstlerischen Niveau.

Kein Applaus

Applaus brandete nach etwas weniger als zwei Stunden nicht auf, darum hatten die Mitwirkenden ausdrücklich gebeten. Nach den letzten Tönen wurde es für einige Minuten still im Gotteshaus. An den Gesichtern der Besucher ließ sich ablesen, mit welch tiefreichenden Eindrücken sie nach Hause gingen. Dafür sorgte der Flosser Kirchenchor um Hans Fröhlich. Der kümmerte sich auch um die Gesamtleitung.

Die Sängerschar hatte über Wochen intensiv für den Auftritt geprobt. Der Aufwand lohnte sich, war allerdings auch nötig. Matthias Nagel hatte mit seiner Komposition die Messlatte hoch gelegt. Das reichte hin bis zu Elementen, die fast schon an ein Musical erinnerten. Nicht weniger Qualität stellte unter der Leitung von Willibald Wirth das mitwirkende Instrumentalensemble unter Beweis.

Die Künstler schufen gekonnt den Rahmen für die in den Liedern wiedergegebenen Aussagen Bonhoeffers. Die reichten von fundamentalen Glaubenssätzen über das Eintreten für die Mitmenschen ("Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen") oder das Bekenntnis der Liebe zu Maria von Wedemeyer bis hin zu Selbstzweifeln während der Haft und die in der Zelle niedergeschriebenen nach wie vor wichtigen Glaubensthesen. An Matthias Winter lag es, das musikalische Programm mit Texten von Dieter Stark zu bereichern. Der Sprecher stellte mit eindringlicher Stimme eine Kurzbiografie Bonhoeffers vor.
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