Vom Park zum Lernort

Johann Werner, Dr. Jörg Skriebeleit und Dr. Michael Rupp (von rechts) kramten in Erinnerungen. Sie erzählten vor der Ausstellung "Flossenbürg - Ein Erinnerungsort im Wandel" vom Geschehen hinter den Kulissen. Bild: nm
Lokales
Flossenbürg
31.10.2015
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Gedenkstättenarbeit ist kein Selbstläufer. Dahinter stecken Personen, Engagement, Ideen und manchmal auch glückliche Umstände. Einen Blick hinter die Kulissen warfen vor wenigen Tagen 20 Mitglieder des Fördervereins für die KZ-Gedenkstätte.

Johann Werner, Vorsitzender und Altbürgermeister, rückte bei der Zusammenkunft in der ehemaligen Häftlingsküche die Entwicklung seit 1995 in den Blickpunkt: "50 Jahre nach der Befreiung des Lagers fand sich eine gepflegte Parkanlage. Informationen für Besucher gab es nur in Fragmenten. Der Bürgermeister und die beiden Pfarrer kümmerten sich um Gruppen, die nach Flossenbürg kamen."

Das zunehmende öffentliche Interesse, ungezählte Gespräche und ein nicht nachlassendes Bohren bei Behörden und Politik brachten den nach und nach einsetzenden Umschwung. Einen enormen Schub nach vorne gab es schließlich mit der Einstellung von Jörg Skriebeleit: "Niemand konnte ahnen, was sich daraus entwickeln würde. Es war ein echter Glücksfall."

Ein hoher Stellenwert kam der Gründung des Fördervereins zu: "Da ließ sich manches umsetzen, was ansonsten unmöglich gewesen wäre." Das reichte bis zur Entwicklung einer Häftlings-Datenbank durch Johannes Ibel. Nicht fehlen durfte die ein oder andere Anekdote, beispielsweise von einem, allerdings schon Jahrzehnte zurückliegenden, vermeintlichen Anschlag. Eine Gruppe aus Belgien brachte in einer Laterne das eigene Feuer für die zu entzündenden Kerzen mit. Die Laterne wurde im Bus vergessen, der wenig später völlig ausbrannte.

Hilfe aus München

Wie aus dem Parkgelände ein international renommierter Ort des Gedenkens, der Begegnung und vor allem des Lernens wurde, erläuterte Skriebeleit. Mit ihm war Julia Zimmermann zum Treffen gekommen. Details gab es nicht nur in der Übersicht des Gedenkstättenleiters, sondern genauso in der Wechselausstellung "Flossenbürg - Ein Erinnerungsort im Wandel". Sie läuft noch bis zum Frühjahr 2016.

Und dann kam an dem Abend noch ein Mann zu Wort, dem Flossenbürg und die KZ-Gedenkstätte viel zu verdanken haben. Dr. Michael Rupp war eigens aus München angereist und erinnerte sich: "Es gab drei wichtige Umstände, die eine solch positive Entwicklung ermöglichten. Dazu gehörte zunächst der Übergang der Zuständigkeit auf die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit." Gravierend wirkte sich eine Alcatel-Entscheidung aus. Der Konzern schenkte der Gedenkstätte eine zentral gelegene Fläche. Der Gewerbebereich lag brach und eine Produktionshalle stand leer.

Behinderte voller Elan

Nicht zuletzt habe sich auch im Ort die Mentalität geändert: "Das schreckliche Geschehen war nicht länger ein Tabuthema. Mir lag es am Herzen, die richtigen Weichen zu stellen." Leicht sei das nicht gewesen. Mit Überzeugungskraft und Beharrlichkeit schaffte es der damalige Leiter der Landeszentrale, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Weiter ging es in einem Gebäude mit sehr viel Symbolik, dem ehemaligen SS-Kasino. Skriebeleit schilderte Hintergründe, daraus ein Bildungszentrum und ein Museumscafé entstehen zu lassen: "Mir ging die Idee nicht mehr aus dem Kopf, in den Betrieb das Heilpädagogische Zentrum Irchenrieth und behinderte Mitmenschen einzubinden. Nicht im Hintergrund, sondern ganz bewusst beim Kontakt mit den Gästen." Wie ausgezeichnet das funktioniert, davon berichtete Christine Schneider.
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