Denkmal für ermordete Roma und Sinti in Flossenbürg
Keine vergessenen Opfer mehr

Vom ehemaligen Appellplatz aus setzte sich der Zug zur Kranzniederlegung in Bewegung, der von Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit angeführt wurde.
Politik
Flossenbürg
18.04.2016
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Schätzungsweise 500 000 Sinti und Roma haben die Nationalsozialisten auf dem Gewissen: Seit Sonntag erinnert ein Denkmal in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg an die ermordeten Sinti und Roma.

Alljährlich im April wird in Flossenbürg an die Befreiung des Konzentrationslagers am 23. April 1945 erinnert: In diesem Jahr standen die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Sinti und Roma im Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum 71. Jahrestag.

"Das war ein Staatsverbrechen, das akribisch geplant wurde", sagte Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, am Sonntagnachmittag im Zelt auf dem ehemaligen Appellplatz. Er erinnerte daran, dass Sinti und Roma nach 1933 schrittweise entrechtet und aus dem öffentlichen Leben in Deutschland ausgegrenzt wurden. Auch das Lager Flossenbürg, so Rose, stehe für den "Zivilisationsbruch" der Verfolgung und Ermordung von 500 000 Sinti und Roma. Auf der Basis eines Himmler-Erlasses vom Dezember 1942 wurden Sinti und Roma aus dem Deutschen Reich und den besetzten Ländern Europas nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Erst der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma weit nach 1945 sei es gelungen, die Aufarbeitung anzustoßen.

Roma weiter diskriminiert


Rose kritisierte, dass heute erneut in vielen europäischen Ländern und auch in Deutschland gezielt Ressentiments gegenüber Sinti und Roma geschürt würden. In Deutschland seien dies, so Rose, nicht nur Parteien wie die NPD. "Viele machen sich dieses populistische Gedankengut zu eigen", stellte der Redner fest. Damit würde schließlich Extremisten der Weg ins Parlament geebnet. "Rassismus und Populismus zielen auf das Herz der Demokratie", warnte Rose.

Zuvor hatten der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle und Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, angemahnt, das Leid der Sinti und Roma fest in der Erinnerung zu verankern. Sie hätten lange zu den vergessenen Opfern der NS-Gewaltherrschaft gehört.

Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit hob in seiner Begrüßung hervor, dass 23 Überlebende aus der ganzen Welt in diesem Jahr wieder am Treffen der ehemaligen Häftlinge teilgenommen hätten sowie 80 Jugendliche aus neun Ländern an der Internationalen Jugendbegegnung. "Das tut gut in einer Zeit, in der die Welt in Unruhe ist", sagte Skriebeleit.

An den Gedenkakt im Zelt schlossen sich der Zug ins "Tal des Todes" und die Kranzniederlegung am Platz der Nationen an. Den Abschluss bildete die Enthüllung des Denkmals zwischen Aschenpyramide und Krematorium. Erich Schneeberger, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern Deutscher Sinti und Roma, erinnerte an das eigene Familienschicksal: Sein Vater war 1943 nach Auschwitz deportiert worden, landete nach Zwischenstationen in Buchenwald und Sachsenhausen schließlich im Außenlager Nossen, das zu Flossenbürg gehörte. Während eines "Todesmarsches" sei er befreit worden.
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