Flossenbürg: Präsentation vor der offiziellen Eröffnung des neuen Museums-Café
Menschlichkeit im ehemaligen KZ

Noch kocht das Team vom Heilpädagogischen Zentrum Irchenrieth nur für sich selbst. Am Freitag gab es Tomatencremesuppe und Krustenbraten. Nach Pfingsten endet der Probebetrieb. Dann ist das Museums-Café in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg öffentlich zugänglich. Bild: nm
Politik
Flossenbürg
25.04.2015
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Zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg ist auch die Umgestaltung der Gedenkstätte abgeschlossen. Ministerpräsident Horst Seehofer betont die Verantwortung aus der Geschichte.

"So viel Zukunft gab es noch nie", blickte der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, auf die Entwicklung der KZ-Gedenkstätte seit 2011 zurück. Noch vor der offiziellen Eröffnung am Sonntag wurden am Freitag das neu gestaltete Außengelände und das Bildungszentrum präsentiert.

Für 10,5 Millionen Euro bekam das ehemalige KZ-Gelände in Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN) ein neues Gesicht. A.W. Faust vom Berliner Büro Sinai setzte sich mit Herausforderungen und Ergebnis auseinander: "Das Lager war weitgehend verschwunden. Eine Rekonstruktion kam nicht in Frage. Vielmehr ging es darum, die Anlage des Areals begreifbar zu machen." Gelungen sei das unter anderem mit den durch Betonschwellen angedeuteten Standorten der Baracken.

Wichtig waren genauso das nachempfundene Eingangstor und ein "entleerter" Bereich rund um das Kommandanturgebäude. Die Planungen für das ehemalige SS-Kasino - künftig ist es eine Bildungsstätte - übernahm das Weidener Architekturbüro Juretzka. Klaus Koch vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach sagte: "Kasino und Außenanlage waren eine enorme Herausforderung. Mit dem Ergebnis ungezählter Abstimmungstermine und intensiver Gespräche sind wir sehr zufrieden."

Keine Effekthascherei

Nicht nur zufrieden, sondern glücklich zeigten sich Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit und Josef Kastner vom Heilpädagogischen Zentrum Irchenrieth (HPZ). Realisieren ließ sich die Idee, dass Behinderte das Museums-Café im Bildungszentrum betreiben: "Es geht nicht um Effekthascherei. Wir wollten an einem Ort, an dem es so extreme Unmenschlichkeit gab, die Menschlichkeit in den Blickpunkt rücken."

"Wir haben es geschafft, zum 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers neue und wesentliche Eckpfeiler zu setzen", betonte Freller. Er beleuchtete die enge Kooperation mit Tschechien, das gelungen gestaltete Außengelände, das neue Bildungszentrum als europäischen Begegnungs- und Lernort. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bekannte sich zur Verantwortung aus der Geschichte. Das Jahr 2015 bedeute "für uns in besonderem Maß das Erinnern an Holocaust, Massenmord und Barbarei des Nationalsozialismus.". Heute "leben wir in der stabilsten Demokratie", die es hierzulande je gegeben habe: "Das ist uns Auftrag und Verpflichtung gleichermaßen."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/flossenbuerg
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