Geheimnis in der Pankratiuskirche Flossenbürg
Historiker beißen auf Granit

Mitten im Ort steht die evangelische Pankratiuskirche. Vor 300 Jahren war die Grundsteinlegung für die ehemalige Simultankirche. Alle Geheimnisse rund um das Gotteshaus sind noch nicht gelüftet. Bild: nm
Vermischtes
Flossenbürg
22.06.2016
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Der Jubilar ist nicht zu übersehen. Er steht mitten im Ort und überragt alles. Vor 300 Jahren wächst die evangelische Pankratiuskirche in die Höhe.

Geplant sind zum Jubiläum zwei Feiern. Zum einen ein Festgottesdienst zur Kirchweih am 14. August, zum anderen ein Jubiläumskonzert. Am 26. Mai 1716 beginnen beide Konfessionen mit dem Kirchenbau. Die Vorgabe: ein Gotteshaus für die evangelischen und die katholischen Christen.

Die Herausforderung beginnt allerdings schon bei der Grundsteinlegung. Das Gelände ist wohl recht sumpfig. Lange hält sich die Mär, das Gebäude, zumindest aber der Turm, stünden auf Holzpfählen. Beweise dafür finden sich nie. Auch nicht bei der Sanierung der Fundamente 2007/08. Kaum etwas bekannt ist zum Vorgängerbau. Es soll ein Kirchlein gegenüber dem neuen Standort gewesen sein.

Kleine Unstimmigkeiten


Ganz ohne Probleme geht das Simultaneum, es währt bis zur Errichtung der katholischen Kirche 1915, weder beim Bau noch in der Folgezeit ab. Unterschiedliche Meinungen gibt es zwischen den Konfessionen zur Ausstattung der Kirche oder auch zur Frage, wann die Orgel benutzt werden darf.

Dramatisches spielt sich 1888 ab. Ein Großbrand in Flossenbürg vernichtet 26 Anwesen und zieht auch das Gotteshaus arg in Mitleidenschaft. Betroffen sind das Kirchenschiff und der Turm. Unversehrt bleibt der frühbarocke Dachstuhl, ein Meisterstück des Zimmerhandwerks und eine Rarität in der Region. 1915 geht das Gotteshaus schließlich an die evangelische Gemeinde über.

Nicht glücklich sind die Gläubigen damals über die zu leisen Glocken. 1873 wird es mit drei neuen Exemplaren lauter. 1916 und erneut 1942 werden sie zwangsweise zum Einschmelzen abgeliefert.

Glocken eingeschmolzen


Aus den Glocken werden Kanonen. Erst 1953 wird der Turm wieder in vollem Umfang bestückt. Neun Jahre sind seit der letzten umfangreichen Sanierung vergangen. Grund zur Freude gibt es im vergangenen Jahr. Das Gotteshaus in Flossenbürg wird Bestandteil des Simultankirchen-Radwegs. Auf 400 Kilometern verbindet er 49 von evangelischen und katholischen Christen früher oder auch noch in der Gegenwart gemeinsam genutzte Kirchen. Die Strecke ist in Teilabschnitten nach und nach abzufahren.

UnbeantwortetDas Altarbild der Pankratiuskirche zeigt die Kreuzabnahme. Wen aber die beiden Figuren links und rechts davon darstellen, ist ein ungelüftetes Geheimnis. Selbst Kunsthistoriker des Münchner Landeskirchenamts können diese Frage nicht beantworten.(nm)
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