Herbert Sörgel: Anfangseuphorie der Willkommenskultur ist verschwunden
Krise als Entscheidung

Vermischtes
Flossenbürg
26.01.2016
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Viele Schlagworte und Parolen bestimmen die öffentliche Diskussion um Flucht, Asyl und Migration. Claudia und Herbert Sörgel haben sich auch schon vor der Aufnahme der drei Menschen im Kirchenasyl mit dem Thema Verfolgung und Menschenrechte auseinandergesetzt. Im Interview mit Redakteur Uwe Ibl bewerten sie die Situation.

Haben wir eine Flüchtlingskrise?

Herbert Sörgel: Das ist eine Flüchtlingskrise. Den Flüchtlingsstatus musst du dem gewähren, dem in seiner Heimat Gefahr für Leib und Leben droht. Anders ist es mit einem Asylbewerber, der in seinem Land politisch, rassistisch oder religiös verfolgt ist. Das trifft auf einen gar nicht so großen Prozentsatz derer zu, die zu uns kommen.

Und inwiefern ist das eine Krise?

Herbert Sörgel: Eine Krise ist es, wenn man das Wort mit seiner Herkunft aus dem Griechischen als eine Zeit definiert, in der man sich entscheiden muss. Es wird sich entscheiden, wie sich Deutschland und Europa weiter entwickeln. Schaffen wir es als Staat, unsere Demokratie in der heutigen Form einigermaßen zu behalten, oder gehen die Hardliner und die Besonneneren aufeinander los, und es kommt zu Straßenschlachten und Eskalation.

Wie können wir das Kanzlerwort erfüllen und das schaffen?

Claudia Sörgel: Wenn von den vielen gutmeinenden und hilfsbereiten Deutschen, von denen man gar nichts weiß, jeder für einen Flüchtling sagt, das schaffe ich, dem helfe ich, würde das uns weiterbringen.

Wo ist die Willkommenkultur hin?

Herbert Sörgel: Euphorie und Willkommenskultur sind weg. Die Anfangseuphorie ist verflogen. Das ist aber kein neues Phänomen. Die ersten Spätaussiedler wurden auch mit Blasmusik empfangen.

Was gilt es global zu tun?

Herbert Sörgel: Wir müssen auch an den Aufbau in den Heimatländern denken und dort etwas als Partner auf Augenhöhe aufziehen. Anerkannte Flüchtlinge bekommen zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre.

Claudia Sörgel: Es werden viele Flüchtlinge wieder zurückgehen, wenn es möglich ist.
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