Kindermangel im Flossenbürger Kindergarten
Nah an der Untergrenze

Die Flüchtlingskinder Hasti (links) und Mustafa fühlen sich im Kindergarten Flossenbürg pudelwohl. Gemeinde und Kirche suchen nun nach Möglichkeiten, die Flüchtlingskinder nach Flossenbürg und zurück nach Floß zu chauffieren. Bild: Götz
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Flossenbürg
16.02.2016
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Vielleicht können wir Eltern zum Umdenken bewegen, damit sie ihren Nachwuchs nach der Krippenzeit in den Kindergarten wieder nach Flossenbürg bringen.

In vielen Orten platzen Kindergärten und -tagesstätten aus allen Nähten. Freie Plätze sind Mangelware und besonders im städtischen Gebiet heiß begehrt. Andere Sorgen plagen den Kindergarten St. Franziskus in Flossenbürg. Trotz eines neuen, ehrenamtlichen Vorzeigemodells.

Hasti und Mustafa sind Flüchtlinge aus Afghanistan und dem Irak. Untergebracht sind sie in Floß. Die dortige Kita hat keine Kapazitäten frei, deswegen weichen beide in den Nachbarort Flossenbürg aus. "Der TSV besitzt zwar einen Kleinbus, der ist allerdings ziemlich ausgebucht, deswegen zerschlug sich unsere Idee, die beiden Kinder damit täglich zu chauffieren", sagt Flossenbürgs Bürgermeister Thomas Meiler.

Über Kindergarten-Helferinnen erfuhr Meiler von den Flüchtlingskindern und dass die Flosser Vorschule überbelegt ist. In Absprache mit der Marktgemeinde signalisierte Meiler Bereitschaft, die beiden in Flossenbürg aufzunehmen. "Ich kontaktierte beide Konfessionen, die sofort kooperierten." Es bleibt die Frage, wie Hasti und Mustafa täglich nach Flossenbürg und wieder zurück kommen. "Momentan befinden wir uns bei dieser Thematik noch in der Findungsphase. Bis zu sieben ehrenamtliche Helfer teilen sich den Fahrdienst derzeit auf", sagt Pfarrer Georg Gierl.

Treffen am Donnerstag


Die katholische Kirchenstiftung als Träger des Kindergartens organisiert aus diesem Grund für Donnerstag, 18. Februar, um 19 Uhr ein Treffen, bei dem der Fahr-Service strukturiert werden soll. "Dabei hoffen wir auf weitere Freiwillige", sagt Meiler, der die beiden Jungs schon selbst aus Floß abgeholt hat. Das Gemeindeoberhaupt könnte sich vorstellen, den ehrenamtlichen Fahrdienst zukünftig breiter anzulegen. "Unser Kindergarten ist unterbelegt, und die Geburtenrate seit Jahren rückläufig." Pfarrer Gierl sieht das Hauptproblem in den Krippen und einer erheblichen Diskrepanz zwischen Stadt und Land. "In Flossenbürg lohnt sich eine Tagesstätte oder Krippe nicht, daher bringen Eltern die Kinder oft in andere Orte, wo sie dann auch den Kindergarten besuchen." Der Bürgermeister fasst eine Kooperation beispielsweise zwischen der Kita in Floß und dem Kindergarten seiner Gemeinde ins Auge.

"Vielleicht können wir Eltern zum Umdenken bewegen, damit sie ihren Nachwuchs nach der Krippenzeit in den Kindergarten wieder nach Flossenbürg bringen." Die Existenz des Flossenbürger Kindergartens sehen zwar weder Pfarrer noch Bürgermeister direkt bedroht, doch betonen beide "dringenden Handlungsbedarf, weil es für das Personal zusehends schwieriger wird".

Flexibilität gefragt


"Die Kostenberechnung erfolgt ziemlich stringent nach einem vorgegebenen Schlüssel: Weniger Kinder bedeuten weniger Stunden und weniger Personal", sagt der Bürgermeister. Doch sowohl Meiler als auch Gierl wollen am bestehenden Personal festhalten. "Die Kindergärtnerinnen müssen flexibel sein", meint Meiler.

Dazu zählt für den Geistlichen auch die Nachmittagsbetreuung für Schüler inklusive Hausaufgabenbetreuung. "14 Schüler nutzen dieses Angebot bereits. Wir müssen eben nach neuen Möglichkeiten Ausschau halten", weigert sich Gierl, die Situation zu negativ zu bewerten.
Vielleicht können wir Eltern zum Umdenken bewegen, damit sie ihren Nachwuchs nach der Krippenzeit in den Kindergarten wieder nach Flossenbürg bringen.Flossenbürgs Bürgermeister Thomas Meiler
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