Krise gut überstanden
Granitwerke Baumann gut in Unternehmensgruppe integriert

Hoch hinaus ging es für die Wirtschaftsjunioren mit Dr. Wolfgang Baumann in seinem Steinbruch in Flossenbürg. Bild: sbü
Vermischtes
Flossenbürg
17.06.2016
109
0

Wer auf Granit beißt, hat einen schweren Stand. Die Wirtschaftsjunioren Nordoberpfalz mussten bei der Betriebsbesichtigung der Granitwerke Baumann aber eher sicheren Stand beweisen.

Die spektakulärste Bestellung kommt derzeit aus den USA: Ein fünfmal fünf Meter großer Felsblock soll der Kreation eines Kunstwerks dienen. Für Baumann ist das kein Problem: Professionell aus dem Steinbruch gebrochen ist der gewaltige 200-Tonnen-Koloss schnell - allein der Transport ist unmöglich, sind doch etwa Autobahnbrücken nur vier Meter hoch.

Die meisten Kunden stellen sich denn eher handlichere Formate vor. Hauptabnehmer ist die öffentliche Hand. Städte und Gemeinden ordern Granitpflastersteine in Größenordnungen von 9 bis 25 Zentimetern und gestalten damit Plätze und Wege. Eines der größten Projekte in der jüngeren Vergangenheit war die Innenstadt von Stuttgart, ein wichtiges in der Gegenwart ist die Sanierung der Steinernen Brücke in Regensburg.

14 Produktionsstätten


Rund 14 000 Tonnen Granit wird jedes Jahr verarbeitet, gebrochen wird aus vier Steinbrüchen in Flossenbürg und in Tschechien. Als Nachfolger der ehemaligen Granitwerke Jakob gehört Baumann seit 2004 zur Dr.-Baumann-Unternehmensgruppe mit über 500 Mitarbeitern und 14 Produktionsstätten in Nordbayen. Einen Betrieb, die Rofitec Maschinen- und Anlagenbau GmbH in Störnstein, leitet Juniorin Winnie-Anna Hauser. Neben der Gewinnung und Verarbeitung von Granit und dem Maschinenbau ist die Gruppe in der Metall- und Stahlverarbeitung aktiv und beliefert etwa die Automobilindustrie. Ob diese Fülle an Betrieben eher ein Vorteil sei oder doch schwierig in der Gänze zu überblicken? Das erfuhren die Wirtschaftsjunioren von Firmenchef Dr. Wolfgang Baumann: "Tatsächlich konnten wir die Wirtschaftskrise dadurch gut überstehen, dass wir alles, was die einzelnen Firmen benötigten, selbst hergestellt haben und kaum noch Aufträge nach außen gegeben haben. "

Dabei sei der Konkurrenzkampf in den vergangenen Jahren mörderisch gewesen. Vor allem aus China käme der billige Granit, der es nicht nur den Flossenbürgern auf dem Markt schwer gemacht hätte. Doch mittlerweile setze ein Umdenken ein, einige Kommunen hätten schlechte Erfahrungen mit dem Granit gemacht, der "zu einem Preis angeboten wird, bei dem wir immer wieder staunen, wie so etwas möglich ist", so Baumann.

Heute funktioniere Wettbewerbsfähigkeit vor allem über die Auslastungszeiten von Maschinen. Während der Betrieb Ende der 80er Jahre noch über 100 Mitarbeiter beschäftigt hat, sind es derzeit gerade einmal noch gut 20. Vieles von dem, was früher Handarbeit war, leisten heute die Maschinen.

Ein Bodendenkmal


Zum Beispiel die gigantischen Schneidemaschinen, deren mit Diamanten besetzte Schneideblätter sich mit zwei Metern Durchmesser in die vorbereiteten Felsblöcke beißen und exakte Scheiben abtrennen. Tatsächlich sind die für die Schneideblätter notwendigen Industriediamanten einer der Hauptkostenfaktoren in der Produktion. Gebrochener Granit ist daher deutlich günstiger als geschnittener. Bevor der Stein verarbeitet werden kann, muss er in Schwerstarbeit aus dem Fels gebrochen werden. Auch heute noch wird dazu zunächst gebohrt, dann mit geringen Mengen Sprengstoff eine kleine Kluft erzeugt, in die schließlich Keile getrieben werden, um den Stein dann so abzuspalten, dass er ideal verarbeitet werden kann.

Wie unwegsam das Gelände sein kann, erlebten die Junioren, als sie hoch hinauf zur Abbruchkante im Steinbruch stiegen. Unübersehbar von dort oben war die historische Abrisskante, der Teil des Steinbruchs, in dem während der NS-Zeit KZ-Häftlinge zur Arbeit gezwungen wurden. "Der Teil ist ein Bodendenkmal, und wir bauen dort heute selbstverständlich keinen Granit ab", stellte Baumann klar.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.