Vera Laubert
Haselnussstecken und Bindfaden

"Am Gewässer zu sitzen ist für mich Erholung pur", sagt Vera Laubert. Bild: nm
Vermischtes
Flossenbürg
01.09.2016
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Frauen, die eine Angel in die Hand nehmen, sind die Ausnahme. Nur selten sind weibliche Petrijünger an den Gewässern zu sehen. Eine der wenigen ist Vera Laubert. Sie gehört dem Sportanglerbund Altenhammer an und fischt seit mehr als sechzig Jahren.

Mit zwölf Jahren bekam Laubert ihre erste Angel. Ihr Vater hatte sie für sein Hobby begeistert. "Ich hatte einen Haselnussstecken mit einem Bindfaden dran", erinnert sie sich. Fangen ließ sich damit nichts. Die Schnur ins Wasser zu halten ließ aber keine Langeweile aufkommen und es blieb die Hoffnung, dass sich doch ein Fisch daran festbeißt.

"Damals musste man noch keine Prüfung ablegen. Erst später wurde ein Zeugnis verlangt. Es blieb nichts anderes übrig als sich in Theorie und Praxis den Anforderungen zu stellen", blickt Laubert zurück. Bereut hat sie den Aufwand nicht. "Am Gewässer zu sitzen ist für mich Erholung pur. Die Alltagshektik verschwindet und es lässt sich richtig entspannen."

Drei bis vier Tage in der Woche ist Vera Laubert mit der Angel in der Hand an den Gewässern des Sportanglerbundes zu finden. "Die Zeit nehme ich mir. Es tut mir gut. Aber nicht jeder Tag ist ein Fangtag. Da beißt eben manchmal nichts." Für die Anglerin kein Beinbruch. "Natürlich ist es toll, wenn du einen Fisch am Haken hast. Aber es macht auch ohne Ergebnis Spaß." Noch dazu kommt es ihr gar nicht so sehr auf die Fische an. Bei den Süßwasserfischen mag sie sowieso nur Forelle, Zander und Aal.

Seefisch mag die Anglerin schon eher. Ein- bis zweimal im Jahr reist sie deswegen an die Ostsee, um vom Schiff aus auf Dorschjagd zu gehen. In Norwegen und Dänemark war sie auch schon. Wert legt Laubert auf eine gute Ausrüstung. "Am falschen Ende sparen wäre ein Fehler. Da ärgerst du dich bloß über Zeug, das schnell kaputt geht oder nicht funktioniert", erklärt sie.

Dem Sportanglerbund hält Vera Laubert seit rund 20 Jahren die Treue und fühlt sich dort pudelwohl. Mit den männlichen Anglern kommt sie gut aus. Vorurteile gibt es nicht. Schmunzeln muss die Fischerin, wenn die Rede auf die vereinsinternen Erfolge kommt. "Ein einziges Mal wurde ich Königin und belegte bei der Meisterschaft den ersten Platz. Ansonsten sind es meist nur zweite oder dritte Ränge. "Spaßeshalber kündigte ich an, nicht mehr mitzumachen", erzählt sie. Beim letzten Königsfischen am Mühlweiher tauchte Laubert tatsächlich erst im Laufe des Vormittags auf: "Das glaubt mir keiner, aber ich habe tatsächlich verschlafen."

Ins Wasser gefallen, ist die Anglerin auch erst einmal. Nicht durch eigenes Verschulden, sondern durch den Stupser eines jungen Hirschen. Der wurde von der Mutter verstoßen und fand mit Vera Laubert eine Ersatz-Mutter. Die zog ihn mit Pipette und Flasche auf. Beim Fischen liegt er am Angelplatz und schaut zu. Ihr Handy hatte bei einem weiteren Angelausflug allerdings weniger Glück. "Das liegt irgendwo bei der Hutzlmühle in der Naab", berichtet sie lachend.

Steht Laubert dann einmal nicht am Wasser, ist sie in den Wäldern unterwegs - beim Schwammerl suchen. Der Weg zu ihren Stammplätzen beschert ihr meist eine reiche Ausbeute. Beide Hobbys haben zudem eines gemeinsam: "Entspannen steht ganz oben, ob mit oder ohne Fang."
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