Schauspieler Hartmut Stanke liest in der Kulturscheune in Elbart „Die Geschichte von Herrn ...
Ausdrucksstark und gestenreich bis Adern schwellen

Ausdrucksstark und gestenreich zog Hartmut Stanke die Zuhörer in seinen Bann. Bild: prö
Kultur
Freihung
18.08.2016
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Literatur vom Feinsten erlebten die Gäste in der Kulturscheune Elbart, als Schauspieler Hartmut Stanke "Die Geschichte von Herrn Sommer" vortrug. Die Novelle des Bestseller-Autors des Romans "Das Parfüm", Patrick Süskind, erschien 1991 und ist wohl eine Geschichte aus der Schulzeit des Erzählers. Dieser wuchs in der scheinheiligen Welt der Adenauer-Ära am Starnberger See heran.

Seine eher glücklose Jugend ist gekennzeichnet durch einen langen Schulweg: Er wohnt auf der anderen Seite des Sees.Prägend sind aber eherne Rituale des Bildungsbürgertums, Klavierstunden bei einer ältlichen, ungerecht strengen, unausstehlichen Klavierlehrerin, dem Fräulein Funke, die Oberflächlichkeit seiner Eltern, das nicht ernst genommen werden durch seine Geschwister und eine verzweifelte, letztlich aber doch vergebliche Liebe zu einer Klassenkameradin.

Im deutlichen Kontrast zu seinen Erinnerungen an vielfältige Kindheitserlebnisse steht die gelegentliche Begegnung mit dem kleinstädtischen Sonderling, Herrn Sommer. Einer tragischen Figur, die vermeintlich unter Klaustrophobie leidet und tagaus, tagein mit ihrem Nussbaumstecken durch die Gegend hastet. Doch die Leute vom Ort haben sich schon so sehr an den schrulligen, verwitweten und kinderlosen alten Mann gewöhnt, dass sie nicht einmal über ihn klatschen. Auch er spricht mit ihnen kein Wort. Ein einziges Mal hört der Ich-Erzähler einen ganzen, verständlichen Satz aus Sommers Mund: "Ja so lasst mich doch endlich in Frieden". Das erinnert an Süskinds Monolog "Der Kontrabass", wo es heißt: "Ich kenne Menschen, in denen steckt ein ganzes Universum, unermesslich. Aber herauskriegen tut man es nicht. Ums Verrecken nicht."

Ein Meisterwerk der Erzählkunst, makellos geschrieben mit perlmuttglänzender Ironie, das erst durch Stankes brillante Rezitation richtig Farbe und Kontur bekam. Ausdrucksstark, gestenreich und die Stimme immer der beschriebenen Situation angepasst schlug er die Zuhörer regelrecht in seinen Bann. Mal leise und geheimnisvoll, mal zornig aufbrausend, mal laut polternd, mal ärgerlich schimpfend, dass die Halsadern anschwollen und sein Gesicht rot anlief, zeigte der gelegentliche Luisenburg-Schauspieler sein ganzes Können. Unvergesslich die anschaulich vorgetragenen Klavierstunden bei Fräulein Funke, die trotz vieler ernster Passagen auch etwas zum Lachen boten.

Der glänzende Vortrag des Rezitators setzte die Zuhörer buchstäblich bildhaft in die Geschichte und vermittelte so den Eindruck lebendigen Theaters.

Swinging Lyrics, sinnliches, interessantes und allerlei Anekdoten rund um den Swing, stehen am Samstag, 10. September, auf dem Programm der Kulturscheune Elbart. Informationen und Buchung unter www.kulturscheune-elbart.de oder www.NT-ticket.de
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