Soiree mit Madame Pompadour, Literatur und Musik
Des Königs Mätresse

Anna Sutyagina zeigte nicht nur viel Bein, sie schlüpfte auch perfekt in die Rolle der Madame Pompadour und verlas ausgewählte Briefe dieser außergewöhnlichen Frau. Bild: prö
Kultur
Freihung
22.03.2016
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Die Kulturscheune Elbart ist immer wieder für Überraschungen gut. Am Samstag gab es dort zum ersten Mal einen musikalischen Salon, besser gesagt eine Loge, aus der die Geschichte, das Welttheater und das Schicksal einzelner Individuen betrachtet werden können.

Der französische Hof


Vor der Kulisse der Geschichte des 18. Jahrhunderts, des französischen Hofs der damaligen Zeit als Welttheater und Madame Pompadour, Mätresse König Ludwig XV., als geschichtsträchtiger Persönlichkeit, war man an diesem musikalisch-literarischen Abend mit Anna Sutyagina dem Geheimnis von Macht und Liebe dicht auf der Spur. Und in der Tat: keine historische Figur eignet sich für eine derartige Studie besser, als die Königin des Rokoko, Madam Pompadour.

Sie lebte von 1721 bis 1764, stammte aus gut bürgerlichem Hause und verfolgte, gestützt auf eine frühe Prophezeiung, aktiv und subtil das Ziel, Gespielin Ludwig des XV. zu werden. 1744 bekam sie ihre Chance, wurde zur offiziellen Mätresse, erhielt schon bald als Marquise de Pompadour den Adelstitel und war bis zu ihrem frühen Tod die einflussreichste Dame am französischen Hof. In einer Zeit, da Friedrich der Große und Maria Theresia die Geschicke des europäischen Festlands bestimmten, nahm sie großen Einfluss auf die Außenpolitik Frankreichs. Sie war aber auch Patronin der schönen Künste und nutze ihre Stellung am Hof, um Intellektuelle und Künstler zu fördern. Ihr Favorit war zweifellos der zeitkritische Philosoph und Wegbegleiter der Aufklärung, Voltaire.

Anna Sutyagina, in Russland geboren, längst aber in München lebend, Pianistin und Laienschauspielerin, schlüpfte in die Rolle der Madame Pompadour und verlas in der Kulturscheune mit vermeintlich französischem Akzent ausgewählte Briefe dieser außergewöhnlichen Frau; dazu passende Texte aus Werken ihres Brieffreundes Voltaire. Eingebettet in Musik zeitgenössischer Komponisten und einiger Impressionisten verschmolzen beide Kunstrichtungen zu einer Einheit, wenn man so will zu einer eigenen Kunstform.

Anna Sutyagina, eine hervorragende Pianistin, deren Anschlag bisweilen allerdings etwas zu hart daherkam, und Künstlerin mit Ausstrahlung, verstand es, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Diese musikalisch-literarische Soiree, die man in dieser Form nicht oft erlebt, sollte öfter den Weg auf Spielpläne finden.
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