Anne Zöller verlegt die "Baierische Weltgschicht" von Michl Ehbauer in die Oberpfalz
Wie in Elbart 's Paradies entstand

Das Mikrofon hatte eine Menge Dialektausdrücke zu verkraften, als Anne Zöller in der Kulturscheune Religionsunterricht auf eine etwas andere Art erteilte. Bild: prö
Lokales
Freihung
23.10.2015
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(prö) "Jessas, is des Dichten schwer! Saxendi, do ghört wos her." Mit diesen Worten wird der Poet Michl Ehbauer zitiert, als er begann, die "Baierische Weltgschicht" nach der Vorlage des Alten Testaments in mittelbayerischem Dialekt zu schreiben. 1925 erschien sein erstes "Trumm" von der Allerweltserschaffung bis zum Turmbau zu Babel; später folgten noch zwei.

Anne Zöller, Lehrerin am Kepler-Gymnasium in Weiden und Fachfrau in Fragen des Dialekts, hat mit viel Feingefühl die Geschichten des ersten Trumms ins Nordbayerische übertragen und in der Kulturscheune Elbart in Mundart vorgelesen. Ihre Kapitel: "Wia d' Welt in der scheena Oberpfalz auf d' Welt kemma is", "Wia d' Adam sei Everl kriagt hat", "Wia d'Liab aufkemma is", "Wia sich die zwoa auf amal gschamt ham", "Wia d' Kain an Abel auf d' Seiten grammt hat", "Wia der Noah übers erste Sauwetter weg gschwumma is" oder "Wia sich die Menschen nimmer verstanden ham" (die Geschichte vom Turmbau zu Babel).

Da waren die nicht so bibelfesten Gäste der Kulturscheune erstaunt, dass das Paradies in Elbart seinen Ursprung hat. Aber schließlich stehe die Kulturscheune nicht ohne Grund in Elbart, wie Hausherr Günter Preuß augenzwinkernd schlussfolgerte, der sich wünschte, dass sich alle seine Gäste stets wie im Himmel fühlen.

Kein Wunder, dass die Besucher die Symbiose von Gastronomie und Kultur genossen und wie gebannt dem brillanten Vortrag von Anne Zöller lauschten, die wohltemperiert, in perfekter Mundart, aber selbst für Zuagroaste verständlich, die nicht ganz einfachen Texte fehlerfrei vortrug. Bunte Bilder aus alten Religionsbüchern für Schulanfänger ergänzten mustergültig die Poesie von Michl Ehbauer. Er, wie manch guter Münchner in der Oberpfalz geboren, begann seine berufliche Laufbahn nach dem Ortswechsel von Amberg nach München 15-jährig als Malerlehrling, wurde später Eisenbahnbeamter und avancierte schließlich zum Schriftsteller und Mundartdichter. Er arbeitete mit Karl Valentin zusammen und hatte Auftritte als Komiker mit dem Weiß Ferdl.

So erlebten die Besucher der Kulturscheune eine humorvolle Religionsstunde mit einer gut gelaunten, lebensfrohen und zu Scherzen aufgelegten Religionslehrerin.

Weiter geht es in der Kulturscheune am 14. November mit der "Gschicht vom Brandner Kasper", einer Komödie um Leben und Tod von Franz von Kobell. Infos unter www.kulturscheune-elbart.de.
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