"Der Biber macht es umsonst"

Wo der Biber wirkt, verlässt der Bach sein Bett und schafft eine ganze Wasserlandschaft. Doch genau die lässt neues Leben in Gebiete einziehen, die bisher der Artenschwund auszeichnete. Von dieser Erkenntnis des Biologen Uli Meßlinger überzeugten sich im Biberrevier bei Elbart (von links) Richard Mergner, der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz, und Horst Schwemmer, der Bibermanager für Nordbayern. Bild: Steinbacher
Lokales
Freihung
08.10.2015
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Der Eisvogel spielt gut mit. Schon bei der Begrüßung meldet er sich zu Wort. Wie auf ein Zeichen schnellen die Finger der Biologen in Richtung des Waldstücks, aus dem das scharfe "ti-it" des kleinen Burschen gellt. Dabei ist der gar nicht die Hauptperson.

Denn eigentlich geht es um den Biber. Eine Familie dieser nicht unumstrittenen Tiere hat sich auf dem Grundstück des Bundes Naturschutz bei der Rumpelmühle in der Nähe von Elbart angesiedelt und macht dort seit vier Jahren aus der Wald- eine Wasserlandschaft. So wird daraus die Art von Lebensraum, die der seltener werdende Eisvogel schätzt. Sein Auftritt dient gleich als Beleg für die Forschungsergebnisse des Biologen Uli Meßlinger zur Entwicklung der Fauna in mittelfränkischen Biberrevieren: "Die Artenzahl hat sich dort etwa verdoppelt."

Flachwurzler kippen um

Die Landschaften, in denen Meßlinger seit 1999 dem Wirken des Bibers hinterherspürt, sehen alle so ähnlich aus wie das Waldgebiet bei der Rumpelmühle, dem Horst Schwemmer, der Bibermanager für Nordbayern, attestiert, eines der ökologisch hochwertigsten Reviere im Landkreis zu sein. Etliche Bäume hat der Biber selbst gefällt; andere - vornehmlich Flachwurzler - fallen um, weil sie sich in der Wasserlandschaft, die seine Dämme hervorbringen, nicht mehr halten können. Dafür tauchen Tierarten wieder auf, die man hier lange vermisste. Der Grasfrosch etwa. An seinem Beispiel erklärt Meßlinger, was die Biberforschung leisten kann: Der Grasfrosch braucht flache Gewässer, die besonnt sind. Demnach hätte er in den Urwäldern des frühzeitlichen Europas gar nicht auftauchen dürfen. Es gab ihn aber, weil die Biber - seit etwa 15 Millionen Jahren hier aktiv - in seinem Sinne arbeiteten. Sie beseitigten die Bäume, bauten Dämme und schufen so Weiherflächen. "Der Grasfrosch baut da sofort Populationen auf, die nach Zehntausenden zählen", hat Meßlinger in der Gegenwart herausgefunden. "Und wenn man die Dämme rausreißt, verschwinden sie wieder."

"Durch die Staumaßnahmen kommen viele neue Arten", sagt Meßlinger, "da kehren auch etliche zurück, denen etwas gefehlt hat." Bei allen Tiergruppen seien deutliche Zuwächse zu verzeichnen. "Und das Wirken des Bibers hebt den Grundwasserspiegel", steuert Horst Schwemmer neue Erkenntnisse aus Oberbayern bei. Weil die Biber-Bauwerke zudem Wasser in der Fläche zurückhalten, betreibe der Nager aktiven Hochwasserschutz, ergänzt Richard Mergner, der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz. Man gebe für solche Effekte viel Geld aus - "der Biber macht es umsonst". Stelle man die Leistungen und die Schäden durch den Biber gegenüber, bringen die Tiere nach Mergners Einschätzung "50 bis 70 Mal mehr Nutzen". Und die Schäden ließen sich stark verringern, wenn die Landwirte einen fünf bis zehn Meter breiten Uferrandstreifen unbearbeitet ließen.

Da fehlt der Abstand

Da sah man bei Elbart allerdings das Gegenbeispiel: Ein Maisfeld reichte über eine längere Strecke direkt an den Altbach heran.
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