Der Tag nach dem Unglück

Zwei Kräne waren im Einsatz, um die Unglücksfahrzeuge von den Gleisen zu heben. Ein 250-Tonnen-Kran hob den Zug, ein 80-Tonner die Zugmaschine. Der größere der beiden war laut Bergungsleiter Christian Wittmann auf einer Regensburger Baustelle im Einsatz, wurde abgebaut und in die Oberpfalz beordert. Bild: Steinbacher
Lokales
Freihung
06.11.2015
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Der Knall war so gewaltig, dass viele in der Umgebung glaubten, etwas müsse explodiert sein. Mit immenser Wucht hat sich der Regionalexpress in den Tieflader gebohrt, der auf dem Bahnübergang stand. Das Zugunglück bewegt seit dem späten Donnerstagabend die Menschen in der Region.

Am Tag danach ist das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Am frühen Freitagmorgen steht der aus Nürnberg gekommene Regionalexpress immer noch auf dem Gleis, rund 400 Meter nach dem beschrankten Bahnübergang beim Quarzsandwerk Strobel in Freihung-Sand. Diesen wollte am Donnerstagabend ein Tieflader überqueren. Geladen hatte er ein zwölf Tonnen schweres Militärfahrzeug der US-Armee, um es zur Reparatur zur Garnison nach Grafenwöhr zu bringen. Ein ziviler Transporteur erledigte nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz diese Aufgabe.

Gegen 22 Uhr überquert der Sattelzug den beschrankten und mit einer Lichtzeichenanlage versehenen Bahnübergang - und blieb liegen. Die Frage nach dem Warum ist auch am Tag nach dem schweren Unglück noch unklar. Ebenso, warum der Fahrer, ein 30-jähriger Rumäne, überhaupt den Weg über Freihung-Sand in den Truppenübungsplatz gewählt hatte.

Die Halbschranken senken sich, der Regionalexpress 3535 nähert sich - an seinem Ziel in Weiden wird er nie ankommen. Mit welcher Geschwindigkeit der Zug den Tieflader erfasst, ist unklar. Nach Angaben von Polizei-Sprecher Peter Krämer durfte der Zug hier 140 Kilometer pro Stunde fahren. Die Wucht muss immens gewesen sein: Die Zugmaschine wird vom restlichen Fahrzeug regelrecht abgerissen und von der Bahn mitgeschleift. Nach rund 400 Metern kommt der Zug zum Stehen. Das, was vom Tieflader übrig geblieben ist, hat er unter seiner rechten Seite begraben. Sowohl der Führerstand als auch das Erste-Klasse-Abteil brennen komplett aus.

Mehr als 200 Helfer

Die rund 40 Passagiere können sich aus dem in Flammen stehenden Zug retten. 18 von ihnen werden nach Angaben der Polizei verletzt, vier davon schwer. Zwei Rettungshubschrauber landen auf einer gegenüber liegenden Wiese, die Firma Quarzsand Strobel öffnet sofort ihr Unternehmen für die Opfer und die Rettungskräfte. Sozialräume werden zu einer Verletzten-Sammelstelle umfunktioniert, acht Notfallmediziner, ein Leitender Notarzt, 80 Helfer des Roten Kreuzes und ein Team der Krisenintervention kümmern sich um die Reisenden. 185 Feuerwehrleute sind am Unfallort.

Das Unglück fordert zwei Menschenleben: Der 30-jährigen rumänischen Fahrer wurde tot neben den Gleisen gefunden. Und um 3.30 Uhr ist am Freitagmorgen traurige Gewissheit, was viele längst befürchtet hatten: Auch der Lokführer (35) hat nicht überlebt. Seine Leiche bergen Feuerwehrleute aus dem ausgebrannten Führerstand. "Dazu mussten wir die komplette Front des Zuges entfernen", erklärt Kreisbrandrat Fredi Weiß. Akribisch durchsuchen vier Feuerwehrleute das Erste-Klasse-Abteil. Gottlob saß darin niemand - er hätte keine Chance gehabt.

Schaum wirkt besser

Die Rettungskräfte waren mit Löschschaum gegen die Flammen vorgegangen. "Die Löschwirkung ist wesentlich höher als bei Wasser, vor allem bei großer Hitze", sagt Kreisbrandinspektor Karl Luber. "Die 14 Leichtverletzten wurden nach ambulanter Behandlung aus den Krankenhäusern wieder entlassen", so Peter Krämer von der Amberger Polizei. Seit 2 Uhr ist Bergungsleiter Christian Wittmann mit seinem Team im Einsatz. Am Freitagvormittag kommen zwei Kräne nach Vilseck: Ein 250-Tonner und ein 80-Tonner. Der größere war "auf einer Regensburger Baustelle im Einsatz, wurde abgebaut und hierher beordert", sagt Wittmann, als er um kurz vor 18 Uhr die Gerätschaften wieder abbaut. "Der 80-Tonnen-Kran hob den Lkw, der andere den Zug." Den verunglückten Regionalexpress werde die Bahn selbst weiterschleppen, weiß der Bergungsleiter. Für alle Beteiligten neigt sich ein enorm langer Einsatz langsam dem Ende zu.

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http://www.oberpfalznetz.de/zug-freihung
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