Ein ungeliebter Engel

Johanna Wech schlüpfte in die Rolle der Bettina von Arnim und fesselte darin zwei Stunden lang die Zuschauer. Bild: prö
Lokales
Freihung
22.10.2014
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In Politik und Kultur ihrer Zeit kannte Bettina von Arnim jeden, der etwas zu sagen hatte. Ihre Kontakte hatte sie freilich nicht uneigennützig aufgebaut.

Die Berlinerin Johanna Wech schlüpfte in der Kulturscheune Elbart in die Rolle der Bettina von Arnim in "Goethes ungeliebter Engel ... eine Staatsfeindin?". Bettina, Schwester des Schriftstellers Clemens Brentano und Frau des Romanciers Achim von Arnim, war eine selbstbewusste, aber auch umstrittene Persönlichkeit, die sich im Berlin des beginnenden 19. Jahrhunderts für die Abschaffung der Todesstrafe und die politische Gleichstellung von Frauen und Juden einsetzte.

In Preußen verdächtigt, den Weberaufstand mit angezettelt zu haben, und denunziert, stand sie den Ideen der Frühsozialisten nahe. In ihrem sozialkritischen Werk "Dies Buch gehört dem König" vertrat sie die Idee eines Volkskönigs. Von der Romantik in die Revolution taumelnd, avancierte sie zu einer Vorkämpferin unserer heutigen Demokratie. Sie war bekannt für ihre nicht uneigennützigen Kontakte zu Persönlichkeiten in Politik und Kultur, insbesondere zu Goethe und Beethoven, aber auch zu Felix Mendelssohn Bartholdy, Brahms, Schuhmann, Heine und selbst zu König Friedrich Wilhelm IV. (1840 - 1858) in ihrem raffinierten Plan, Einfluss auf ihn zu nehmen.

Nicht nur Bettina von Arnim ist eine außergewöhnliche Frau, sondern auch Johanna Wech. Sie ist sowohl Autorin dieses biografischen Solo-Theaterstücks als auch Darstellerin, die in erstaunlicher Konstitution über 120 Minuten sehr authentisch das Bild einer in sich widersprüchlichen Frauengestalt vermittelt. Einerseits willensstark, unangepasst und aus dem Rahmen ihrer Zeit fallend, andererseits sensibel, sehnsuchtsvoll und schwärmerisch, nicht zuletzt wenn es um ihren Goethe oder gar Ludwig, den Beethoven, ging.

Eine bemerkenswerte Aufführung, die in dieser Form Premiere in der Kulturscheune Elbart hatte und dank der Ausleuchtung des historischen Stoffs unbemerkt zu einer besonderen Geschichtsstunde wurde.

Am Samstag, 25. Oktober, mischen die Bayerischen Löwen mit ihrem Musikkabarett schon einmal in der Kulturscheune auf, bevor bald darauf im Münchner Schlachthof die Premiere ist. Info und Buchung unter www.kulturscheune-elbart.de.
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