Forderung nach Notrufsystemen

Ein kleiner Strauß Blumen zum Gedenken am gesperrten Bahnübergang in Freihung-Sand (Kreis Amberg-Sulzbach): Dort starben am späten Donnerstagabend zwei Menschen, als ein Regionalzug von Nürnberg nach Weiden mit einem liegen gebliebenen Schwertransporter kollidierte. Bild: bk
Lokales
Freihung
09.11.2015
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Hätte das schwere Zugunglück am vergangenen Donnerstag bei Freihung verhindert werden können? Während die Ermittlungen noch laufen, fahren schon wieder Züge - und die Diskussion um eine bessere Sicherung von Bahnübergängen ist entbrannt.

(san/räd/dpa) Nach dem schweren Zugunglück in Freihung (Kreis Amberg-Sulzbach) fahren über den betroffenen Bahnübergang seit Freitagabend wieder Züge. Am Donnerstagabend waren dort ein Regionalexpress und ein liegengebliebener Tieflader kollidiert. Der 35-jährige Lokführer und der 30-jährige Lastwagenfahrer waren auf der Stelle tot. 18 Fahrgäste erlitten Verletzungen.

Nach Angaben von Privatdozent Dr. Torsten Birkholz aus Sulzbach-Rosenberg, der als Leitender Notarzt im Einsatz war, wurde aber niemand der Passagiere wirklich schlimm verletzt. "Kein Patient war vital bedroht, zu keinem Zeitpunkt", sagte er auf Nachfrage am Sonntag. Respekt zollt der Amberger-Sulzbacher Kreisbrandrat Fredi Weiß allen Einsatzkräften. Er selbst war am Donnerstagabend gerade mit anderen Feuerwehr-Führungskräften auf einer Dienstversammlung in Edelsfeld, als er um 22.03 Uhr alarmiert wurde.

Sieben Stunden im Einsatz

"Alle haben den Einsatz sehr gut bewältigt", erklärte Weiß. "Ich bin absolut zufrieden." Auch die Landkreis-übergreifende Zusammenarbeit sei hervorragend gewesen. Neben Feuerwehren aus Amberg-Sulzbach waren noch Kaltenbrunn und Grafenwöhr ausgerückt. "Die meisten Einsatzkräfte waren über sieben Stunden draußen", so Weiß. Die letzten Feuerwehren rückten um 5.15 Uhr ab - bis auf die Ortsfeuerwehr Freihung, die blieb auch noch zu den Bergungsarbeiten am Freitag.

Am Sonntag kam es zu Verspätungen von bis zu zehn Minuten, meldete die Fahrplanauskunft der Bahn. Ein Unternehmenssprecher erklärte, die Züge könnten die Unfallstelle wegen Schäden am Gleisbett derzeit nur mit Schrittgeschwindigkeit passieren. Viele Lokführer halten kurz an, um der Toten zu gedenken. In der Region, aber auch in den sozialen Medien herrschte am Wochenende Bestürzung. Die Facebook-Seite "Lokführer" veröffentlichte eine Todesanzeige der Bahn mit dem Bild des getöteten Triebfahrzeugfahrers, der in Weiden seine Einsatzstelle hatte. In Hunderten von Kommentaren bekundeten die User ihr Mitgefühl.

SPD: Notrufknopf

Die SPD-Landtagsfraktion forderte an Bahnübergängen spezielle Notrufsysteme ähnlich eines Feuermelders, der eine Warnung an Lokführer und Fahrdienstleiter gibt. "Am besten wären natürlich bayernweit Schranken und Warnsysteme an allen Bahnübergängen", betonte der verkehrspolitische Sprecher Bernhard Roos. Nach Bahnangaben gibt es so ein Warnsystem bereits. "Schließt eine Schranke nicht vollständig, wird der Lokführer informiert. Das geht hin bis zu einem Nothalt", sagte ein Sprecher. Oft spiele bei Unglücken Leichtsinn eine Rolle. "Über 90 Prozent dieser Kollisionen könnten durch richtiges Verhalten der Verkehrsteilnehmer vermieden werden."

Die Allianz pro Schiene lehnt den SPD-Vorschlag ab - die Missbrauchsgefahr sei zu groß. Stattdessen forderte sie, das ab März 2018 verpflichtend vorgeschriebene Auto-Notrufsystem E-Call um eine eigenständige Notfunktion für Gefahrensituationen an Bahnübergängen zu erweitern.
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