"Für Entscheidung schämen"

Dass durch diese Schließungsaktion vorwiegend die ältere, nicht mobile Bevölkerung ... der Leidtragende sein wird, schert die hohen Herren einen Dreck.
Lokales
Freihung
19.10.2015
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"Basta-Politik", fehlendes Verständnis für Senioren und eine Geringschätzung sozialdemokratischer Werte wirft der Freihunger Klaus Meißner dem Vorsitzenden des Sparkassen- Verwaltungsrates, Michael Göth, vor. Auch dessen Kollegen kommen nicht ungeschoren davon.

Meißner, der in der Marktgemeinde Freihung 3. Bürgermeister und Seniorenbeauftragter ist, reagiert damit auf die Äußerungen Göths in der Wochenendausgabe unserer Zeitung, in der er unter der Überschrift "Augen zu und durch" die geplante Schließung mehrerer Sparkassenfilialen im Landkreis verteidigte. Bei Meißner rief das "absolutes Unverständnis" hervor, wie er in einer Stellungnahme schreibt.

Auf Rücken der Senioren

Die "Basta-Politik" macht der Freihunger an der Aussage fest, dass an dem Beschluss des Verwaltungsrates nicht mehr gerüttelt werde. Meißner: "Mein verstorbener Parteigenosse, Altbürgermeister Michael Bücherl, ein Sozialdemokrat durch und durch, würde sich im Grab umdrehen und sich für eine derartig undemokratische Entscheidung, die ohne vorherige Beteiligung der betroffenen Gemeinden im stillen Kämmerlein getroffen wurde, schämen." Das werde auf dem Rücken der Freihunger Senioren ausgetragen, "die keine Möglichkeit des Online-Banking haben".

Meißner kommt "zwangsläufig zur Erkenntnis", auch die "lukrativen, jährlichen Aufwandsentschädigungen" des Verwaltungsratsvorsitzenden, seiner beiden Stellvertreter (OB Cerny und Landrat Reisinger) sowie der weiteren Verwaltungsräte - Meißner beziffert sie auf Summen zwischen 25 000 und 5000 Euro - hätten dazu geführt, dass den "drastischen Vorgaben der drei Sparkassenvorstände Meier, Dürgner und Düssil zur Schließung der Sparkasseneinrichtungen" vorbehaltlos zugestimmt wurde.

"Dass durch diese Schließungsaktion vorwiegend die ältere, nicht mobile Bevölkerung in den kleineren, bereits mit der Ausdünnung von weiteren wichtigen Infrastruktureinrichtungen betroffenen Gemeinden der Leidtragende sein wird, schert die hohen Herren einen Dreck", wählt Meißner weitere drastische Worte. Er selbst sei seit über 40 Jahren SPD-Mitglied, "doch muss an dieser Stelle schon die Frage erlaubt sein, ob eine derartige Entscheidung eines hochrangigen SPD-Kommunalpolitikers mit unseren sozial-demokratischen Werten vereinbar ist".

"Auch die Rolle unseres christlich-sozialen Landrates Richard Reisinger im Verwaltungsrat" hinterfrägt Meißner. Bei den Kommunalwahlen 2014 hätten Reisinger und seine Parteifreunde noch für einen sozialen Landkreis geworben "und dabei insbesondere seine Verantwortung herausgestellt, den Senioren gegenüber gerecht zu werden".

Landrat "in Deckung"

Das würde für Meißner zumindest bedeuten, den Verbleib des Geldautomaten mit Kontoauszugdrucker in Freihung durchzusetzen. "Als oberster Vertreter des Landkreises, der zudem Hauptgewährsträger der Sparkasse Amberg-Sulzbach ist, hätte man vom Landrat erwarten können, dass er gegen die Schließungspläne der Sparkassenvorstände sein Veto zum Wohle der betroffenen Senioren einlegt. Doch leider ist nichts dergleichen passiert und er hält sich wortlos in Deckung."

Meißner schließt mit einem unorthodoxen Vorschlag, wie man die Infrastruktur finanzieren könnte, ohne die anderen Kunden zur Kasse zu bitten: "Wenn sowohl die drei Vorstände von deren fürstlichen Jahreseinkommen (zusammen circa 900 000 Euro) als auch die Verwaltungsräte von deren Aufwandsentschädigungen (zusammen circa 100 000 Euro) freiwillig auf zehn Prozent ihres Salärs verzichten würden, könnten mit dem eingesparten Geld der Betrieb der Geldautomaten mit Kontoauszugsdruckern in den betroffenen Orten weitgehend erhalten werden. Man muss als Verantwortlicher nur gewillt sein, von seinen Pfründen etwas an die Allgemeinheit abzugeben. Dies nennt man Solidarität!"
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