Kein Weichei zum Frühstück

Alexandra Völkl konnte so manches Lied von der Evolution des starken Geschlechts singen. Begleitet wurde sie von Uwe Budde Thiem am Flügel. Bild: prö
Lokales
Freihung
20.05.2015
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Nichts ist wie früher: Der Mann von heute geht ins Büro statt auf die Jagd, nimmt Erziehungsurlaub und hat eine eigene Antifaltencreme. Trotz dieses gewaltigen Entwicklungssprungs geben die Herren der Schöpfung den Damen immer wieder Rätsel auf.

(prö) So findet er jederzeit den Weg zur entlegenen Bar, selten aber die eigenen Kleidungsstücke im trauten Heim. Problemlos stellt er eine IKEA-Schrankwand auf, scheitert jedoch kläglich am Einräumen des Geschirrspülers. Phänomene wie diese waren der Stoff für ein eineinhalbstündiges Chanson-Kabarett in der Kulturscheune Elbart.

Alexandra Völkl, gebürtige Ambergerin und vom Typus ganz Marlene Dietrich, wusste so manch Interessantes über die Evolution des starken Geschlechts zu berichten - allzu Männliches, maskuline Charaktere und Archetypen. Mal singend, mal erzählend ging sie der provozierenden Frage nach: "Wann ist ein Mann ein Mann?" Nach dem Songtext von Udo Jürgens stand für Völkl jedenfalls fest: Eine Frau braucht keinen Dauer-Ja-Sager, keinen Hut- und Häkelkissen-Autofahrer, keinen Stubenhocker, keinen Gartenzwerg-Polierer oder Büroklammern-Sortierer, keinen Sissi-Film-Flenner und schon gar kein Weichei zum Frühstück. Mit dem persönlichen Bekenntnis "meine kleine Nachtmusik ist sein Schnarchen" machte sie allen Frauen Mut, selbst Untugenden des einmal Angebeteten etwas Positives abzugewinnen. Und so kam sie zu dem Schluss: "Ansonsten ist der Typ doch wunderbar - also lass ihn da."

Aber auch Frauen haben ihre liebenswerten Eigenheiten, sprich Marotten: den Schuhtick, den Sauberkeitsfimmel oder den mechanischen Kaufzwang, wenn es um Mode geht, wie schon Otto Reutter mit dem Blusenkauf so trefflich persiflierte. Trotz unauflöslich scheinender Gegensätze bot Völkl, pädagogisch nicht ungeschickt, sogleich praktische Lösungsvorschläge für den Überlebenskampf im Beziehungsdschungel an. Für Frauen war der Abend eine klassische Fortbildungsmaßnahme, für Männer ein Selbstfindungsprozess.

Andrea Völkl glänzte mit ihrer variantenreichen Stimme, ihrer ausdrucksstarken Mimik, ihrer natürlichen Ausstrahlung und hoher Präsenz. Begleitet wurde sie von ihrem kongenialen Partner am Flügel, Uwe Budde Thiem, der auch Arrangeur, Komponist und Jazzmusiker ist. Die nächste Veranstaltung in der Kulturscheune Elbart geht am Samstag, 31. Mai, über die Bühne: "A Tribute to Johnny Cash" als Revival-Konzert.
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