Wanderung zu Bleierz-Vorkommen bei Freihung und Mühlsteinbrüche
Vesuv spuckte reichlich Blei

Durch die Bergarbeitersiedlung führte die AOVE-Wanderung. Einfach und primitiv waren die Häuser (Hintergrund), nur die Direktoren-Villa im schottischen Landhausstil ließ erkennen, dass der Bleierz-Bergbau durchaus gewinnträchtig war. Bild: gf
Lokales
Freihung
14.10.2014
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Die Bleierz-Vorkommen bei Freihung gelten als die größten in Deutschland. Doch abgebaut wird es schon lange nicht mehr. Warum, das erfuhren die Teilnehmer der einer AOVE-Wandung zu diesem Thema und über die Mühlsteinbrüche.

Bei der Wanderung erinnerten Wolfgang Schaepe und Josef Kohl, dass rund um Freihung mächtige Bleierzlager vorhanden waren, die ab dem Ende des 19. Jahrhundert abgebaut worden seien. Der englische Konzern Bavarian Lead Mining Ltd habe für seine Bergleute eine Kolonie von 13 Häusern errichten lassen, auch eine "Direktoren-Villa" im schottischen Holzfertigbau-Stil - die wurde inzwischen in die Liste der Baudenkmäler Bayerns aufgenommen.

1427 erstmals erwähnt

Einfach und nur mit dem unbedingt Notwendigen seien dagegen die Arbeiter-Häuser gebaut worden, von denen nur noch ein einziges in der ursprünglichen Form erhalten sei. Blei-Bergwerke im Raum Freihung seien erstmals 1427 erwähnt worden, später dann auch im Gebiet um Kaltenbrunn, Tanzfleck, am Schwaderweiher und am Schwarzberg. Ohne Bleierz, so Josef Kohl, würde es Freihung wahrscheinlich überhaupt nicht geben.

Bleierz-Bergbau wurde im Tagebau aber auch in den Gruben Vulkan oder Vesuv betrieben. Josef Kohl berichtete von den zahlreichen Inhabern der Berg- und Abbaurechte, auch davon, dass 1937 das Reichswirtschaftsministerium aus wehrpolitischen Gründen die Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG (BHS) mit Untersuchungs- und Aufschlussarbeiten beauftragt habe.

1940 seien Abteufturm, Zechenhaus und Werkstattgebäude errichtet, ein Jahr später das Wasser aus dem alten Schacht der Grube Vesuv abgepumpt worden. Mit dem Effekt, dass der Grundwasserspiegel absank und die Freihunger Hausbrunnen versiegten. Da eine betriebswirtschaftliche Blei-Förderung nicht möglich war, bezuschusste die Reichsregierung die Tonne Blei mit 500 Mark. Kampfhandlungen am Ende des 2. Weltkriegs führten dazu, dass der Erzabbau ein rasches Ende gefunden hat. Bohrungen in den Jahren 1951 und 1952 im nördlichen Landkreis brachten keine erfolgversprechenden Ergebnisse für eine Wiederaufnahme.

Der Klettersport ist dort eingezogen, wo seit dem Mittelalter Mühlsteine herausgebrochen wurden - in den aufgelassenen Mühlsteinbrüchen im Bereich von Freihung, Massenricht und Ehenfeld. Vor gut 90 Millionen Jahren wurden Sand und andere Verwitterungsprodukte aus dem heutigen Fichtelgebirge und dem Oberpfälzer Wald von mächtigen Flüssen zu den bis zu 80 Meter hohen "Ehenfelder Schichten", bestehend aus feinkörnigen Quarz-Kaolin-Sandsteinen und bunten Tonen, aufgeschüttet. Bei der Auffaltung der Alpen wurde auch der nördliche Landkreis Amberg-Sulzbach in einzelne Störungen zerlegt, von denen sich eine von Luhe über Freihung und Kirchenthumbach bis nach Bayreuth erstreckt.

Die ursprünglich horizontal abgelagerten Schichten wurden, wie Geologen festlegen konnten, verkippt und wie in den Steinbrüchen deutlich zu erkennen ist, steil gestellt. Wässrige Lösungen führten zur Verkieselung, Feldspat verwitterte und es konnte sich poröser Quarzsandstein, Quarzit, bilden. Weitere Bewegungen in der Störung zertrümmerten den Quarzit, und die freien Porenräume füllten sich mit Kieselsäure und bildeten damit über Millionen von Jahren die Mühlsteinfelsen in der Freihunger Störung.

Vor 1900 eingestellt

Der Mühlsteinfelsen gilt als hart, aber auch porös, besitzt zahllose kleine Höhlungen, in denen sich Quarzfäden, mit Knochengeweben vergleichbar, bilden können. Die Steinbrüche zwischen Massenricht und Ehenfeld wurden urkundlich erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt, aber es soll auch Hinweise geben, dass bereits um 1590 Mühlsteine gebrochen worden seien. Als 1752 die Kirche in Hirschau gebaut wurde, sind Mühlsteinquader aus Massenricht im Turm verbaut worden.

Für die Expositur Ehenfeld brachte der Mühlsteinabbau relativen Wohlstand, denn 40 Arbeiter waren in den Steinbrüchen beschäftigt. Kurz vor dem Jahr 1900 wurde der Mühlstein-Bergbau eingestellt. Klettersportler säuberten in jüngerer Zeit das Gelände um den Steinbruch nahe Ehenfeld und die eingeschlagenen Sicherungshaken deuten darauf hin, dass die gut 30 Meter hohe Steilwand hin und wieder begangen wird.
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