Sparkasse: Freihung zerschneidet jetzt das Tischtuch
Bürgermeister empfiehlt Bürgern Bankwechsel

Bürgermeister Norbert Bücherl (rechts) überreichte an Sparkassenvorstand Dieter Meier die Resolution des Marktrates samt Unterschriftenliste der Bürger. Bild: prö
Politik
Freihung
11.12.2015
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Der Appell der Marktgemeinde Freihung und ihrer Bürger an die Sparkasse Amberg-Sulzbach, nach der angekündigten Filialschließung (wir berichteten) wenigstens eine Grundversorgung mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker in Freihung zu betreiben, hat bei den Verantwortlichen der Sparkasse kein Gehör gefunden.

Bei einer Besprechung im Rathaus mit Bürgermeister Norbert Bücherl und den Markträten teilte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Dieter Meier, mit, dass am 8. Januar Geldautomat und Kontoauszugsdrucker abgebaut würden. Für die Freihunger Sparkassenkunden bestehe dann die Möglichkeit, Bargeld (Höchstbetrag 200 Euro) im Einkaufsmarkt "Nah & Gut" bei einem Mindesteinkauf von 20 Euro oder bei der Tankstelle Schmidt, auch ohne zu tanken, abzuheben.

Meier bleibt dabei


Meier rechtfertigte diese Entscheidung, die aus wirtschaftlichen und Kostengründen getroffen worden sei. Als Vorstandsvorsitzender stehe er voll hinter der Entscheidung des Verwaltungsrates. Meier verwies auf die angebotene mobile Beratung beim Kunden, auf persönliche Beratung in anderen Filialen im Geschäftsgebiet und auf die persönliche Beratung in der Kopf-Filiale in Vilseck.

Bürgermeister und Marktrat zeigten sich in der Diskussion enttäuscht von der Entscheidung, Geldautomat und Kontoauszugsdrucker abzubauen. Bücherl bedauerte, dass der Appell der Bürger, die mit 381 Unterschriften - davon 321 Sparkassenkunden - die Resolution des Marktgemeinderates unterstützt haben, bei den Sparkassenverantwortlichen, insbesondere bei Landrat Richard Reisinger, ungehört geblieben sei.

Keine Zahlstelle im Rathaus


Er könne nicht verstehen, dass Gemeinden wie Kastl, Königstein und Schmidmühlen, mit Freihung in etwa vergleichbar an Größe, Wirtschaftskraft, Einzugsbereich der Banken sowie deren Randlage im Landkreis, von den Sparkassenverantwortlichen anders behandelt würden. Dem Angebot der Sparkasse, eine Auszahlungsstelle im Rathaus Freihung einzurichten - Landrat Reisinger hatte das am Montag im Kreistag angedeute -, erteilte Bücherl "aus sicherheitsrelevanten Gründen" für die Rathausbediensteten in der Gemeindekasse eine klare Absage. Er wolle keinen hohen Bargeldbetrag im Rathaus (ohne die erforderlichen, auch kostenintensiven Sicherheitseinrichtungen) vorhalten.

Die Sparkasse habe nach dem Raubüberfall in der Freihunger Sparkassenfiliale am 11. Februar 2000 ebenfalls ihr Sicherheitskonzept in den Filialen umgestellt und im Schalterbereich kein Bargeld mehr ausgezahlt. Diese Maxime müsse er als verantwortungsvoller Arbeitgeber auch gegenüber seinen Mitarbeitern walten lassen, bemerkte der Rathauschef zum "unseriösen Angebot von Landrat und Sparkasse".

Der letzte Schritt


Zum Schluss der Besprechung erklärte der Bürgermeister, dass der Markt Freihung seine gesamten Geschäftsbeziehungen mit der Sparkasse aufkündigen werde. Er appelliere an die Sparkassenkunden unter den Freihunger Bürgern, ihre Konten bei der Sparkasse ebenfalls aufzulösen und zur ortsansässigen Raiffeisenbank zu wechseln. Diese biete derzeit einen Vorort-Service mit vier Mitarbeitern, einem Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker rund um die Uhr an. Zudem lägen die derzeitigen Kontoführungsgebühren unter dem Niveau der Sparkasse.

Ein Nebeneffekt der Vorort-Präsenz sei auch, dass der Markt Freihung von den Gewerbesteuerzahlungen der Raiffeisenbank im kommunalen Haushalt profitiere. Von der Sparkasse habe man seit Jahren nur spärliche Gewerbesteuereinnahmen verzeichnen können.

Was Reisinger sagtFür Landrat Richard Reisinger sind die Reaktionen im ländlichen Raum auf die geplanten Filialschließungen verständlich. Das äußerte er am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. Auf der anderen Seite seien auch die Beweggründe der Sparkasse nicht von der Hand zu weisen: Es mache ihr ja keinen Spaß, so zu handeln - "die würden das auch nicht tun, wenn sie nicht müssten. Aber die müssen unternehmerisch denken, dazu sind sie verpflichtet." Und dann sei die Kundenzahl ein nachvollziehbares Kriterium.

"Die Ungnade der Sparkasse ist wahrscheinlich, dass sie vorangegangen ist", vermutete Reisinger. "Banken anderer Couleur" würden sich wohl auch noch in diese Richtung bewegen müssen. Bestandsschutz zu fordern, sei in Ordnung, aber wenn man die Frage der Mobilität in Flächengemeinden mit zu viel Emotionen aufheize, entstehe daraus eher ein "Phantomschmerz" als ein vernünftiger Lösungsansatz. "Wer den Service der Sparkasse in Anspruch nehmen will, der wird ihn bekommen, ob in Freihung, Amberg oder sonst wo", ist Reisinger überzeugt, dass das Geldinstitut brauchbare mobile Lösungen anbieten wird. (ll)
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