Sparkassen-Schließungen: Kritik am Amberg-Sulzbacher Landrat
Der Zorn des Bürgermeisters

Vorstandsvorsitzender Dieter Meier hatte vor rund vier Wochen angekündigt, dass die Sparkasse den Geldautomaten und den Kontoauszugsdrucker in Freihung am 8. Januar abbauen lässt. Dieses Bild vom Freitag beweist: Er hat Wort gehalten. Bild: Steinbacher
Politik
Freihung
08.01.2016
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Er hat seinen Auftrag als Landrat in diesem Gremium nicht erfüllt, weil er nicht alle Gemeinden gleich behandelt.

"Rot-blaue Geldautomaten": So lautete die Schlagzeile. Freihungs Bürgermeister Norbert Bücherl hat der Inhalt dieses AZ-Artikels mächtig "gewurmt". Die Sparkasse scheint für ihn zum Feindbild geworden zu sein. "Es geht nur noch um die großen Kunden", kritisiert er.

Amberg-Sulzbach. Freihung ist neben Witzlhof, Freudenberg und Edelsfeld einer der Standorte, denen die Sparkasse Amberg-Sulzbach den Rücken kehrt (wir berichteten). Im Jahresgespräch mit der AZ hatte Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny die Schließungen gutgeheißen und davon gesprochen, dass sie aus wirtschaftlichen Gründen notwendig seien. Auch das kann und will Bücherl nicht verstehen.

Den drei Vorständen der Sparkasse, die auf eine Bilanzsumme von über 1,9 Milliarden Euro komme, seien zuletzt Jahresgehälter in einer Gesamthöhe von rund 978.000 Euro gezahlt worden. An die Verwaltungsräte seien etwa 227.000 Euro geflossen. Und dann habe die Bank nicht einmal 35.000 Euro für den Betrieb eines Geldautomaten in Freihung übrig, wunderte sich Bücherl.

Cerny hatte gemeinsame Geldautomaten von Sparkasse und Volksbank-Raiffeisenbank vorgeschlagen, um die Geldversorgung in der Fläche sicherzustellen. Was beim Freihunger Bürgermeister für Kopfschütteln sorgte. Erst Standorte schließen und danach Überlegungen anstellen, wie die Leute auch künftig an Bargeld kommen - "das ist sehr zu hinterfragen", sagte er bei einem Besuch in der AZ-Redaktion.

Keine Gespräche


Der Vorstand der VR-Bank Amberg, Dieter Paintner, habe ihm gegenüber am Rande des Neujahrsempfangs der Gemeinde Poppenricht erklärt, dass es zwischen seiner Bank und der Sparkasse bisher keine Gespräche über gemeinsame Automaten gegeben habe.

Überhaupt stoße ihm "ganz arg" auf, wie die Sparkasse vorgegangen sei, sagte Bücherl. Noch im Mai 2011 habe ihm Vorstandsvorsitzender Dieter Meier versichert, dass der Standort Freihung "nie aufgegeben" werde. Nun sehe man, was diese Worte wert gewesen seien.

Er hat seinen Auftrag als Landrat in diesem Gremium nicht erfüllt, weil er nicht alle Gemeinden gleich behandelt.Freihungs Bürgermeister Norbert Bücherl zur Rolle von Richard Reisinger im Verwaltungsrat der Sparkasse

Wechsel-Appell


Wie berichtet, hat die Marktgemeinde Freihung bereits sämtliche Geschäftsbeziehungen zur Sparkasse aufgekündigt. Von dieser sei dazu keine Reaktion eingegangen, berichtete Bücherl: "Die juckt das nicht." Nicht nur deshalb wird er nicht müde, an seine Bürger zu appellieren: "Sie sollen zur Raiffeisenbank wechseln. Die sind vor Ort und haben über eine halbe Million Euro in die Geschäftsstelle investiert."

Bücherl erkennt in Sachen Sparkasse eine Benachteiligung Freihungs gegenüber anderen Landkreis-Gemeinden auch im Verwaltungsrat und macht dafür unter anderem Richard Reisinger verantwortlich: "Er hat seinen Auftrag als Landrat in diesem Gremium nicht erfüllt, weil er nicht alle Gemeinden gleich behandelt. Er hält sich dezent zurück. Da hat er sich gar nicht bemüht." Der Sparkasse hält Bücherl außerdem noch vor, mit Auskünften zu geizen: "Man versteckt sich hinter dem Bankgeheimnis."
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