Unmut in Sachen Ortsumgehung Tanzfleck
Anlieger sauer wegen der drei Einsprüche

Viele Tanzflecker waren mit Vertretern der Marktgemeinde, des Staatlichen Bauamts und der Politik auf den Beinen, um ihre Überzeugung für die Notwendigkeit einer Ortsumgehung kundzutun. Vorne, von links: Bauamt-Abteilungsleiter Stefan Noll, CSU-Landtagsabgeordneter Harald Schwartz, Bürgermeister Norbert Bücherl, Leitender Baudirektor Henner Wasmuth, SPD-Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl, 2. Bürgermeister Helmut Klier, CSU-Fraktionssprecher Helmut Wurzelbacher, Geschäftsleiter Max Heindl und 3. Bürgermei
Politik
Freihung
08.04.2016
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Jetzt reicht's der Bevölkerung von Tanzfleck: Viele aus dem 190-Seelen-Dorf brachten am Dienstag am Ortseingang ihren Unmut in Sachen Ortsumgehung zum Ausdruck.

Tanzfleck. Drei Klagen hatten zuletzt zu Verzögerungen bei der Ortsumgehung der B 299 und womöglich auch zur Rückstufung in der Bewertung des Bundesverkehrswegeplan-Entwurfs geführt. Dabei war die Finanzierung der zwei Kilometer langen Umgehung eigentlich schon 2012 klar. Bei reibungslosem Verlauf wäre 2014 Baubeginn gewesen.

Beim Bundesverkehrswegeplan müsse man den Verdacht hegen, dass sich das Ministerium auf veraltete Verkehrszahlen gestützt habe, sagte Bürgermeister Norbert Bücherl. Zudem sei nicht berücksichtigt worden, dass nur durch eine Verlegung der B 299 eine ortsplanerische Verbesserung der Lebensqualität im Ort möglich sei. Es wäre aus seiner Sicht fatal, wenn diese Klageerhebung die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums beeinflusst hätte. "Wir sehen die absolute Dringlichkeit, denn die Unfallhäufigkeit ist so prägnant, weil die Ortsdurchfahrt von vielen wie eine Autobahn behandelt wird."

Bücherls Appell


Der Gemeindechef prognostizierte eine weitere Zunahme des Militär- und Lkw-Verkehrs durch die geplante Verlegung einer US-Brigade nach Europa. Bücherl verwies auf die bereits 2008 beantragte einfache Dorferneuerung für Tanzfleck. "Und die bekommen wir nur, wenn die Straße verlegt wird. Ich appelliere an die drei Kläger aus dem Gemeindebereich, ihren Einspruch zurückzunehmen." Bücherl setzt zudem auf die Unterstützung der Abgeordneten aus Bund und Land, damit die Hochstufung der Ortsumgehung im künftigen Bundesverkehrswegeplan erfolgt.

Georg Schirbl bat die Volksvertreter, ihren Einfluss geltend zu machen. "Wir werden dies machen, da sind wir uns einig. Es wird nicht beim heutigen Termin bleiben", versprach Harald Schwartz (CSU) mit Blick zu seinem Kollegen Reinhold Strobl (SPD). Dieser riet den Bürgern, sich in das Beteiligungsverfahren per Internet einzuklinken. "Das Dorf ist sauer wegen der drei Einsprüche, sie kann niemand verstehen", sagte Gerhard Bauer. "2010 waren es noch täglich 6000, inzwischen sind 7000 Fahrzeuge werktags zu verzeichnen. Die meisten fahren vom abschüssigen, auf 60 km/h beschränkten Streckenteil zu schnell nach Tanzfleck hinein. Die Einfahrt zum Tor 4 des US-Lagers ist nur 300 Meter entfernt. Radarmessungen würden sich hier lohnen. Auch die Sicherheit der Kinder ist gefährdet." Bauer dokumentierte die Unfälle mit einer Bildermappe.

Verfahren jetzt ausgesetzt


In den Klagen seien naturschutzfachliche Aspekte vorgebracht worden. Unter anderem gehe es um Fledermäuse, erklärte Henner Wasmuth, der Leiter des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach. "Zählt eine Fledermaus mehr als ein Menschenleben?", warf Josef Amann ein. Das Klageverfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof sei momentan ausgesetzt. "Es werden noch ergänzende Unterlagen erstellt, um der aktuellen Auslegung der europäischen Rechtssprechung gerecht zu werden. Diese Leistungen sind mit 60 000 bis 80 000 Euro veranschlagt", erklärte Wasmuth. Der Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplans sehe eine Rückstufung vom "vordringlichen Bedarf" in den "weiteren Bedarf" vor. Wenn es dabei bliebe, habe er große Sorge, dass die Realisierung der Ortsumgehung erst 2030 zur Diskussion stünde, sagte Wasmuth. "Wir werden deshalb darum kämpfen, dass das Projekt zumindest in den weiteren Bedarf mit Planungsrecht oder vorzugsweise in den vordringlichen Bedarf kommt." Die Klagen führten aber zu Verzögerungen.

Wie geht es weiter? Am 25. April ist eigens zum Thema Bundesverkehrswegeplan eine regionale Verkehrskonferenz im Landratsamt einberufen. Über das Ergebnis informiert Bürgermeister Bücherl die Tanzflecker noch am selben Tag um 19.30 Uhr im Schützenheim.
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