Projektwoche des Jugendprojekts Oberpfalz
Ausflug zur Völkerverständigung

Jugendliche zeigen Flagge auf einer der größten Kriegsgräberstätten Bayerns: In deutscher, französischer und polnischer Sprache gedachten sie der Opfer des Zweiten Weltkriegs. Auch prominente Vertreter der Politik waren für den Besuch des Europäischen Jugendprojekts Oberpfalz mit nach Neumarkt gekommen. Bild: hfz
Vermischtes
Freihung
17.06.2016
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Bevor es ins Salzbergwerk gehen konnte, mussten die Teilnehmer erst einmal Schutzkleidung anlegen. Bild: hfz

Seit mehr als 13 Jahren bringt das Europäische Jugendprojekt Oberpfalz junge Leute zusammen. Polen, Franzosen und Deutsche bereisen ihre Heimatländer, um sich ihrer gemeinsamen Vergangenheit bewusst zu werden. So sollen sie lernen, sich ihrer Verantwortung für den Frieden Europas zu stellen.

Quer durch Bayern sind sie gereist: Etwa 30 Jugendliche aus Deutschland, Polen und Frankreich machten mit. Geleitet wurde die Fahrt von Organisator Hartmut Schendzielorz aus Freihung.

Zum Auftakt der Projektwoche des Europäischen Jugendprojekts Oberpfalz fuhren die Jugendlichen nach Neumarkt. Dort besuchten sie Bayerns größte Kriegsgräberstätte. Über 5000 Opfer des Zweiten Weltkrieges sind dort begraben. Die Jugendlichen gedachten der Toten in französischer, polnischer und deutscher Sprache und bestückten einen Kranz mit Worten zum Frieden.

Mit Politprominenz


Am Gedenken teilgenommen haben Landrat Richard Reisinger, der Neumarkter Oberbürgermeister Thomas Thumann, Bundestagsabgeordneter Alois Karl, Europaabgeordneter Albert Deß sowie die stellvertretende Neumarkter Landrätin Heidi Rackl.

Versöhnung über Gräbern


Als Schirmherr des Jugendprojekts hob Reisinger hervor, dass jährlich über 20 000 Jugendliche an Projekten unter dem Motto "Versöhnung über den Gräbern - Arbeit für den Frieden" teilnehmen. Diese Arbeit sei auch in einer Zeit wichtig, in der bereits seit langem Frieden in Europa herrsche. Angesichts der politischen Krise der EU, Kriegen am Rande Europas und der humanitären Flüchtlingskrise sei die Jugendarbeit besonders wertvoll. Die jungen Menschen könnten einen Bezug zu der oft leidvollen europäischen Geschichte herstellen und die Bedeutung für eine Zukunft des gemeinsamen Europas erkennen.

Nach dem Besuch in Neumarkt fuhren die Jugendlichen mit dem Bus weiter nach München. In der Landeshauptstadt gingen sie in das neue NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz. Das NS-Regime hatte den Platz erweitert, um dort das Führerhaus und den Verwaltungsbau der NSDAP zu errichten. Bei einer Stadtführung kamen die Jugendlichen auch zur Ludwig-Maximilians-Universität und sahen den Ort, an dem die Geschwister Scholl ihre Flugblätter verteilt hatten, für die sie von den Nazis gefangen genommen und ermordet wurden.

Bei der Führung durch die KZ-Gedenkstätte Dachau lauschten die Teilnehmer den Ausführungen zur Geschichte des Konzentrationslagers. In Nachbauten der Baracken konnten sie die Haftbedingungen nachempfinden. Auf dem Friedhof Perlacher Forst legten die Jugendlichen weiße Rosen an den Gräbern nieder. Dort liegen Mitglieder der Widerstandsbewegung, Opfer der Konzentrationslager, des Gefängnisses Stadelheim und polnische Soldaten.

Für wehrhafte Demokratie


Auch den bayerischen Landtag besuchten die Jugendlichen. Stefan Ott führte sie durch das Gebäude und in den Plenarsaal. Dort diskutierten die Teilnehmer zusammen mit dem Mitarbeiter des Abgeordneten Harald Schwartz ihre Fragen zur heutigen Politik.

Dabei kam die politische Lage in Polen zur Sprache. Dort beschneidet die Regierung die Rechte des Verfassungsgerichts und der Medien. Glücklicherweise bestehe diese Gefahr bei uns in Deutschland aktuell nicht, war die Einsicht der Jugendlichen. Doch die Geschichte - insbesondere der Machtergreifung der Nationalsozialisten - zeige, dass eine Demokratie wehrhaft sein müsse.

Neben den schweren geschichtlichen Themen und der harten Politik verbrachten die Teilnehmer des Europäischen Jugendprojekts auch viele vergnügliche Stunden: In München besuchten sie die Allianz-Arena nebst FC-Bayern-Erlebniswelt und den Hofbräukeller zum Genuss eines bayerischen Kulturprodukts: des Schweinebratens.

Im Berchtesgadener Land befuhren die französischen, polnischen und deutschen Jugendlichen den Königssee. Vom Echo auf der Schifffahrt nach St. Bartholomä waren sie beeindruckt. Weiterhin besuchten die Teilnehmer das Salzbergwerk. Eine Lasershow zeigte dort den Salzabbau.

Die Fahrt über den Spiegelsee mit Lichteffekten und Musik beeindruckte die Jugendlichen. Erlebnisreich waren auch das Haus der Berge und eine Wanderung durch den Nationalpark mit einem Naturschutzwart.
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