Regionalexpress "Stadt Amberg" inzwischen komplett verschrottet
Unfallzug ist jetzt Geschichte

Wenige Tage vor dem Ende der Verschrottung bestand der frühere Regionalexpress "Stadt Amberg" nur noch aus dem Unterbau des Waggons. Bild: Huber
Vermischtes
Freihung
10.05.2016
610
0
 
Die Platten und Schwellen, die beim Zugunfall am Bahnübergang zu Bruch gingen, sind inzwischen wieder in Ordnung gebracht. Eine Abflachung des Straßenverlaufs dürfte frühestens 2018 kommen. Bild: Hartl

Der Unfallzug, der am 5. November 2015 bei Freihungsand einen Sattelzug rammte, ist inzwischen komplett verschrottet. Auch auf den dortigen Bahnübergang kommen einschneidende Änderungen zu.

Der Regionalexpress mit dem Namen "Stadt Amberg" war bereits kurz nach dem Unglück auf ein Nebengleis im Bahnhof Neukirchen geschleppt worden. Dort nahm ihn eine Firma für Brandschadensanierung auseinander. Ende April war das Wrack laut einem Bahnsprecher "komplett zerlegt und entsorgt".

Eine andere Frage ist die nach den Konsequenzen des Unglücks für den Bahnübergang. Zur Erinnerung: Am 5. November gegen 22 Uhr war dort ein Sattelzug, der über die Gleise in den Truppenübungsplatz Grafenwöhr wollte, mit seinem Auflieger so massiv aufgesessen, dass der rumänische Fahrer (30) ihn nicht mehr bewegen konnte. Der Regionalexpress von Neukirchen nach Weiden rammte den Transporter, auf dem sich ein Militärfahrzeug der US-Armee befand. Bei der Kollision starben der Rumäne und der Lokführer (34). 22 der 23 Passagiere des Zuges wurden verletzt, außerem der 25-jährige Beifahrer der Sattelzugmaschine.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl hatte Ende Februar mehrere mit der Materie befasste Stellen angeschrieben, ob man die Straße am Bahnübergang nicht etwas anheben müsste, um so zu verhindern, dass weitere Lastzüge aufsitzen können. Eine Nachfrage der AZ bei der Bahn ergab jetzt, dass am Bahnübergang "aktuell keine Änderungen geplant" sind. Das teilte ein Bahnsprecher mit.

Die Gemeinde Freihung dagegen, die Straßenbaulastträger für die Verbindungsstraße ist, hat bereits Änderungen ins Auge gefasst. "Wenn wir die Straße ausbauen, werden wir Anpassungen vornehmen", sagte Bürgermeister Norbert Bücherl. Der Beginn des Ausbaus sei für 2017 vorgesehen, der zweite Bauabschnitt mit den Bahnübergang sei dann eventuell 2018 dran.

Dass die bauliche Form der Kreuzung von Straße und Gleiskörper den Unfall verursacht hat, ist eine Darstellung, die Bücherl so nicht gelten lassen will: "Der Sattelzug hätte dort nicht fahren dürfen. Er hatte keine Genehmigung." Das bestätigte Mitte Februar die Unfallanalyse der Polizei: Der Fahrer hätte erkennen müssen, dass die Sattelzugmaschine samt Auflieger und Ladung nicht geeignet war, diesen Bahnübergang zu überqueren, hieß es dort.

Ob an dem Bahnübergang technische Veränderungen nötig sind, war laut Landratsamt-Sprecherin Christine Hollederer bereits Thema einer "Verkehrsschau" mit mehreren beteiligten Stellen am 17. November. Sie fand unter Leitung von Christian Luber, des Leiters der Verkehrsbehörde am Landratsamt, vor Ort statt.

Dabei habe sich gezeigt, dass die Beschilderung in Ordnung gewesen sei. Dennoch habe man beschlossen, ein weiteres Schild aufzustellen, das noch einmal festhalte, dass hier die Durchfahrt verboten sei. Nur Fahrzeuge mit Sonderausweis dürften passieren. Eine dauerhafte Sperrung des Bahnübergangs habe man erwogen, sie sei aber nicht möglich, unter anderem wegen des Quarzsandwerks direkt daneben. Jedoch sei - auch für die Freihunger Ausbau-Planungen - eine "straßenbautechnische Vergrößerung des Kuppenhalbmessers" angeregt worden, also eine abgeflachte Form des Bahnübergangs.

Laut Bahn liegen aber bereits jetzt alle Werte der "Kuppenausrundung" innerhalb der Vorgaben. Nach Überzeugung von Reinhold Strobl kann bei einem "normalen Transport" über die Gleise an dieser Stelle derzeit nichts passieren. Lastzüge mit sehr geringer Bodenfreiheit könnten aber unter Umständen Probleme haben. "Ich bleibe an der Sache dran", äußerte Strobl gegenüber der AZ. Er wolle auch das Gespräch mit der US-Armee suchen, ob man die Einfahrt in den Übungsplatz an dieser Stelle überhaupt haben müsse.

Der Sattelzug hätte dort nicht fahren dürfen. Er hatte keine Genehmigung.Norbert Bücherl


HintergrundBahnübergänge

Nach Bahnauskunft zählt Bayern 3300 Bahnübergänge. 2014 gab es an denen im Netz der Deutschen Bahn 52 Unfälle. "Dabei hätten die Kollisionen ... in über 90 Prozent der Fälle durch richtiges Verhalten der Fahrzeuglenker und Fußgänger vermieden werden können." Die Bahn reduziert die Zahl der Übergänge seit Jahren. Wichtiges Kriterium dabei ist, ob sie sich als unfallträchtig erwiesen haben.

Verkehrsschau Straße

Laut Christine Hollederer, der Sprecherin des Landratsamtes, sind Verkehrsschauen in den einzelnen Gemeinden in einem zweijährigen Rhythmus vorgeschrieben. Dazu gibt es noch "anlassbezogene Verkehrsschauen", mit denen man etwa auf eine Häufung von Unfällen oder vor Ort registrierte Probleme reagiert. Im Jahr 2016 gab es nach Auskunft von Hollederer in den 27 Gemeinden des Landkreises bisher drei turnusmäßige Verkehrsschauen und 30 anlassbezogene.

Verkehrsschau Bahn

An Bahnübergängen werden alle zwei Jahre turnusgemäße Verkehrsschauen bzw. Überprüfungen durchgeführt. Teilnehmer sind nach Angaben eines Bahnsprechers: Polizei, Bundespolizei, der Straßenbaulastträger, das Eisenbahnbundesamt und die Bahn. Dabei werde geprüft, "ob die vorhandene Sicherung und Ankündigung des Bahnüberganges auf der Straße für die örtlichen Gegebenheiten angemessen ist". Die nächste Verkehrsschau bei Freihungsand ist für Oktober 2016 angesetzt. Nach Unfällen gibt es immer eine Sonderverkehrsschau.

Die Kostenfrage

Zur Kostenverteilung bei Veränderungen an Bahnübergängen teilt die Bahn mit:

"Da Bahnübergänge sowohl Straße als auch Schiene berühren, sind sie eine Gemeinschaftsaufgabe. Sollen beispielsweise an einem Bahnübergang Änderungen an bestehenden Anlagen vorgenommen werden, müssen Bahn, Bund und Straßenbaulastträger - also alle Beteiligten - dies vereinbaren." Das Eisenbahnkreuzungsgesetz legt folgende Kostenverteilung fest: Die Kreuzungspartner müssen die "Kosten für Maßnahmen, die aus Gründen der Sicherheit oder Abwicklung des Verkehrs an Bahnübergängen erforderlich sind, zu je einem Drittel tragen".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.