Zug kollidiert mit Militärtransporter
Zwei Tote und 18 Verletzte

Der Regionalzug brannte im Bereich des Lokführerstandes aus. Bild: Sandig
Vermischtes
Freihung
06.11.2015
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Auf dem Gelände der Firma Strobl Quarzsand richtete das BRK eine Verletztensammelstelle ein. Bild: Sandig
 
Das Gespann blieb auf den Gleisen hängen.

Zwei Tote und 18 Verletzte, vier davon mittelschwer, sind die Bilanz eines schweren Zugunglücks an einem Bahnübergang bei Freihungsand nahe Freihung (Kreis Amberg-Sulzbach). Laut Mitteilung des Polizeipräsidiums Oberpfalz rammte ein Personenzug in den späten Abendstunden des Donnerstags einen Sattelzug, der auf dem Bahnübergang stand. Die Ermittler suchen nach der Unfallursache.

Wie die Bahn am Freitagvormittag mitteilte, ist der Bahnübergang mit Lichtzeichen und Halbschranken gesichert. Eine unlängst durchgeführte Routineprüfung zusammen mit den Straßenbauverantwortlichen hat die Funktionstüchtigkeit der Anlage bestätigt. Über die Höhe des Schadens am Zug und an der Strecke können derzeit noch keine Angaben gemacht werden.

Nach Abschluss der Ermittlungen wird die DB den verunglückten Zug bergen und anschließend Schäden an der Strecke reparieren. Der Gleisoberbau ist auf eine Länge von 400 Metern beschädigt worden. Außerdem muss das durch austretendes Dieselöl verunreinigte Erdreich abgetragen werden. Erst danach kann der Zugverkehr wieder aufgenommen werden. Dies wird voraussichtlich erst am Montag der Fall sein.

Ein Regionalexpress erfasste an dem beschrankten Bahnübergang die Zugmaschine eines Sattelzuges, die im Bereich der Gleisanlagen zum Stehen kam. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die Zugmaschine vom Anhänger abgerissen und von dem Regionalzug, der aus zwei Wägen bestand, mehrere hundert Meter mitgeschleift. Beide Fahrzeuge gerieten in Brand. Die Lkw-Zugmaschine brannte vollständig aus und der Regionalzug brannte im Bereich des Lokführerstandes aus.

Im Lkw hielten sich zum Unfallzeitpunkt zwei Männer auf. Der mutmaßliche Lkw-Fahrer im Alter von 30 Jahren erlitt dabei tödliche Verletzungen. Der Beifahrer erlitt leichte Verletzungen und stellt nun einen wichtigen Ansprechpartner für die polizeilichen Ermittler dar.

Nach dem schweren Zugunglück dauert die Suche nach der Ursache an. «Warum der Lastwagen auf dem Bahnübergang stand, wissen wir nicht», sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz am Freitagmorgen. In der Nacht waren die Beamten zunächst davon ausgegangen, dass der Tieflader aufgesessen war.

Feuer brach aus

Zur Klärung des Unfallherganges und der Unfallursachen wurden auf Anordnung des am Unfallort anwesenden Staatsanwaltes der Staatsanwaltschaft Amberg unfallanalytische Gutachter hinzugezogen. Diese begannen noch in den Nachtstunden mit der Untersuchung der Unfallstelle und der beteiligten Fahrzeuge.

Auf dem Sattel-Auflieger des Lastwagen befand sich zum Unfallzeitpunkt ein US-Militär-Lkw. Der abgerissene Auflieger stand nach dem Zusammenstoß samt Ladung nahezu unbewegt am Bahnübergang.

Kurz nach Mitternacht machte sich der Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger vor Ort ein Bild von den Rettungsarbeiten. Reisinger zeigte sich erschüttert. Der Landrat lobte die reibungslose Zusammenarbeit aller Rettungskräfte.


Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass sich Zuginsassen unmittelbar nach dem Zusammenstoß und vor einer polizeilichen Registrierung von der Unfallstelle entfernt haben. Die mit der Sachbearbeitung betraute Polizeiinspektion Auerbach bittet nun solche Fahrgäste, sich dringend mit der Polizei unter der Rufnummer 09643/9204-0 in Verbindung zu setzen.

Im Zug befanden sich noch verschiedene, zurückgelassene Gegenstände, die von der Polizei gesichert wurden. Diese können bei der Polizeiinspektion Auerbach, Oberer Torplatz 7, 91275 Auerbach i.d.OPf., von Berechtigten abgeholt werden.

Personen, die sachdienliche Hinweise zum Unfallgeschehen oder einem Sattelzug im Bereich des Bahnüberganges machen können, werden ebenfalls gebeten, sich dringend mit der Polizeiinspektion Auerbach in Verbindung zu setzen.

Bergungsarbeiten an der Unfallstelle


Am Morgen nach dem Bahnunglück haben die Bergungsarbeiten an der Unfallstelle begonnen. In den nächsten Stunden soll ein Hilfszug zum Einsatz kommen, der die hinteren Waggons wegziehen soll. Später wird versucht, auch die beschädigte Lok auf diese Weise zu entfernen. Gelingt das nicht, kommt nach Auskunft der Sicherheitskräfte vor Ort ein Kran zum Einsatz.

Bei dem getöteten Lokführer handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 35 Jahre alten Mann aus der Region. Der zweite Tote ist rumänischer Staatsangehöriger. Er saß im Tieflader, als es zum Zusammenstoß kam und wurde durch die Wucht des Aufpralls aus dem Führeraus geschleudert. Insgesamt wurden 18 Personen verletzt, 4 davon schwer. 2 Schwerverletzte wurden mit Hubschraubern in Kliniken geflogen.

Die Bahnstrecke zwischen Freihung und Vilseck bleibt voraussichtlich bis Montag gesperrt. Die Deutsche Bahn hat einen Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Tragische Parallelen - Zugunglück von 2001 nur wenige Kilometer entfernt


Die Szenen des Bahnunglücks in Freihung rufen Erinnerungen an den 22. Juni 2001 wach. Damals ereignete sich ein ähnlich schwerer Unfall nur wenige Kilometer weiter westlich an einem Bahnübergang bei Gressenwöhr (Stadt Vilseck, Kreis Amberg-Sulzbach). 3 Menschen starben und 23 wurden verletzt, als gegen 8.30 Uhr ein von Weiden nach Nürnberg fahrender Regional-Express mit hoher Geschwindigkeit in einen Truck der US-Armee krachte.

Der Triebfahrzeugführer hatte die Gefahr noch erkannt und eine Schnellbremsung eingeleitet. Wegen der kurzen Distanz von 140 Metern zum Bahnübergang und der Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde war es aber unmöglich, den Zug noch vor dem Lastwagen zum Stehen zu bringen. Zwischen beiden Unglücken gibt es erschreckende Parallelen: Auf den Gleisen war jeweils ein Fahrzeug liegengeblieben, das für die US-Armee unterwegs war. Die Fahrer der Lastwagen konnten den Bahnübergang nicht mehr rechtzeitig räumen, als der Zug heranbrauste, und starben beim Zusammenstoß. In beiden Fällen kamen auch die Lokführer ums Leben, die vermutlich sofort tot waren, als in Sekundenbruchteilen ihre Führerstände zerfetzt wurden. Schließlich handelte es sich bei den Zügen jeweils um Neigetechnikzüge der Baureihe 612, die bei dem Unfall im Jahr 2001 erst kurz im Einsatz war.

Linktipps:

2001 ereignete sich ein ähnliches Zugünglick bei Vilseck und forderte drei Menschenleben.

Link zum Artikel "Schweres Zugunglück bei Vilseck fordert drei Menschenleben"

Link zum Artikel "VT 612 erst seit kurzem im Einsatz"